NACHHALTIGKEITSBERICHT
2016

Gemeinsam Bedin­gungen verbessern – wirtschaft­lichen Erfolg sichern

In wöchentlich wechselnden Themen­welten bieten wir unseren Kunden Gebrauchs­ar­tikel an, die sich durch Qualität und Vielfalt auszeichnen. Wir achten darauf, dass soziale und ökolo­gische Standards bei der Rohstoff­ge­winnung und in der Produktion einge­halten werden, und beziehen Nachhal­tig­keit­sa­spekte in das Produkt­design mit ein. Wir arbeiten daran, die Trans­parenz in unseren Wertschöp­fungs­ketten weiter zu erhöhen, um auch auf vorge­la­gerten Liefer­ket­ten­stufen Verbes­se­rungen zu bewirken. Globalen Heraus­for­de­rungen in der Liefer­kette, die wir nicht alleine lösen können, begegnen wir durch Koope­ra­ti­ons­pro­jekte möglichst in branchen­weiten Initia­tiven.

Seit 2006 ist Nachhal­tigkeit integraler Bestandteil der Tchibo Unter­neh­mens­stra­tegie. Auf dem Weg zu einer 100 % nachhal­tigen Geschäftstä­tigkeit weiten wir unser nachhal­tiges Gebrauchs­ar­ti­kel­sor­timent konti­nu­ierlich aus, imple­men­tieren soziale und ökolo­gische Standards in der Liefer­kette und arbeiten gemeinsam mit anderen Akteuren in Initia­tiven, um auf Fragen Antworten zu finden, die sich aus Heraus­for­de­rungen der Globa­li­sierung ergeben. Wir nehmen unsere Verant­wortung als werte­ori­en­tiertes Famili­en­un­ter­nehmen ernst und sind der Überzeugung, dass unter­neh­me­ri­scher Erfolg nicht zulasten von Mensch und Umwelt gehen darf.

Chancen und Heraus­for­de­rungen globaler Liefer­ketten

Die Libera­li­sierung von Waren- und Finanz­strömen hat zu einer globalen Arbeits­teilung geführt, in der sich Länder auf ihre spezi­fi­schen Wettbe­werbs­vor­teile konzen­trieren. Tchibo bezieht einen Großteil seiner Textilien und sonstigen Gebrauchs­ar­tikel aus Asien und Osteuropa, wo zu günsti­geren Preisen produ­ziert werden kann als in West- und Südeuropa. Gleich­zeitig sieht sich Tchibo – wie andere Unter­nehmen auch – mit Risiko­fak­toren konfron­tiert. Dazu zählen die Missachtung von Arbeits- und Sozial­rechten und von Umwelt­stan­dards. Wir sind überzeugt: Die inter­na­tionale Arbeits­teilung kann für alle Chancen eröffnen, wenn sie nicht auf Kosten von Mensch und Umwelt geht. Wir engagieren uns deshalb für eine nachhaltige Gestaltung der Wertschöp­fungs­ketten unserer Gebrauchs­ar­tikel.

Der Anbau und die Verar­beitung von Rohstoffen wie Baumwolle und Holz haben Auswir­kungen auf Mensch und Umwelt: Für den Anbau von Baumwolle werden beispiels­weise große Mengen von Wasser benötigt. Im konven­tio­nellen Anbau werden chemische Pflan­zen­schutz- und Dünge­mittel auf die Felder aufge­bracht. Holz wird weltweit nicht immer unter Beachtung von Umwelt- und Natur­schutz­stan­dards gewonnen. Die Weiter­ver­ar­beitung dieser Rohstoffe geschieht häufig ohne ausrei­chende Beachtung von Umwelt- und Sozial­stan­dards. Tchibo ist sich dieser Proble­matik bewusst. Als verant­wor­tungsvoll handelndes Unter­nehmen, das Nachhal­tigkeit bereits vor über zehn Jahren in die Unter­neh­mens­stra­tegie integriert hat, reduzieren wir deshalb konti­nu­ierlich negative Auswir­kungen unserer Geschäftstä­tigkeit auf Mensch, Umwelt und Gesell­schaft. Zum einen durch die Imple­men­tierung von sozialen und ökolo­gi­schen Standards in der Liefer­kette. Dazu zählen Maßnahmen zum Arbeits- und Gesund­heits­schutz ebenso wie Ressour­cen­schutz und Chemi­ka­li­en­ma­na­gement. Zum anderen durch den Ausbau nachhal­tiger Sorti­mente und die Förderung des nachhal­tigen Konsums. Indem wir etwa die Nachfrage nach nachhaltig angebauter Baumwolle steigern, fördern wir gleich­zeitig auch die nachhaltige Landwirt­schaft. Wenn wir unseren Kunden einen nachhal­tigen Konsum ermög­lichen, leisten wir damit auch einen Beitrag zur Steigerung des nachhal­tigen Wachstums. Dafür sind die Schaffung von Trans­parenz in den weltweiten Liefer­ketten und ein Netzwerk von Partnern, mit denen wir gemeinsam an Lösungen für die Heraus­for­de­rungen in den Liefer­ketten arbeiten, notwendig. Wir sind überzeugt, dass das zur Aufgabe eines verant­wor­tungsvoll handelnden Unter­nehmens gehört, denn eine wirtschaft­liche Entwicklung ist nur nachhaltig, wenn die natür­lichen Lebens­grund­lagen geschützt werden und wenn alle Menschen, die darin einge­bunden sind, auch davon profi­tieren.

Schwer­punkte unserer Maßnahmen auf dem Weg zu einer 100 % nachhal­tigen Geschäftstä­tigkeit

Wir entwi­ckeln die Arbeits­schwer­punkte in unserem Nachhal­tig­keits­ma­na­gement laufend weiter. Im Rahmen einer Wesent­lich­keits­analyse haben wir sie bereits 2012 gemeinsam mit unseren Stake­holdern für unsere Wertschöp­fungs­kette Gebrauchs­ar­tikel bewertet und abgebildet. Wir haben „Umwelt- und Sozial­stan­dards in der Liefer­kette“, „Ressour­cen­scho­nende Produkt­ge­staltung“ und „Quali­fi­zierung von Liefe­ranten“ als Themenschwer­punkte festgelegt.

Diese Schwer­punkte leiten uns bei der Entwicklung konkreter Ziele und Maßnahmen auf dem Weg zu einer 100 % nachhal­tigen Geschäftstä­tigkeit. Auch 2016 haben wir umfang­reiche und gezielte Stake­holder-Dialoge und Stake­holder-Befra­gungen durch­ge­führt, die in die Weiter­ent­wicklung unserer Themenschwer­punkte einfließen. So setzen wir im Bereich der Sozial­stan­dards den Fokus noch stärker auf Trans­parenz in den Liefer­ketten und auf Menschen­rechte, dies vor allem auch vor dem Hinter­grund der Leitprin­zipien für Wirtschaft und Menschen­rechte der Vereinten Nationen (UN Guiding Principles on Business and Human Rights) und ihrer Entwick­lungs­ziele (Sustainable Development Goals , SDGs), die wir als globale Rahmen­werke auch für unsere eigene Nachhal­tig­keit­sa­genda betrachten.

Als eines der größten deutschen inter­na­tional tätigen Konsum­güter- und Einzel­han­dels­un­ter­nehmen übernimmt Tchibo Verant­wortung für seine Wertschöp­fungs­ketten. Auf dem Weg zu einer nachhal­tigen Geschäftstä­tigkeit gestalten wir Schritt für Schritt sämtliche Produkte und Prozesse umwelt- und sozial­ver­träglich. Wir konzen­trieren unser Handeln dabei auf die Bereiche, in denen unsere Auswir­kungen auf Mensch und Umwelt am größten sind und wo wir gleich­zeitig am meisten Einfluss nehmen können:  

  • verant­wor­tungs­volle Geschäftsprak­tiken gemeinsam mit Stake­holdern umsetzen

  • Rohstoffe und Materialien schritt­weise nur noch aus nachhal­tigen Quellen beziehen

  • Arbeits- und Umwelt­be­din­gungen an den Produk­ti­ons­stand­orten dauerhaft verbessern

  • struk­tu­relle Heraus­for­de­rungen durch branchen­über­grei­fende Allianzen angehen

Richt­linien und Prinzipien für unsere verant­wor­tungs­vollen Geschäftsprak­tiken

Mit dem Ziel, unser Nachhal­tig­keits­ma­na­gement konti­nu­ierlich zu verbessern, orien­tieren wir uns an inter­na­tio­nalen Richt­linien, allen voran den Sustainable Development Goals (SDGs) als politi­schem Ordnungs­rahmen auf globaler Ebene, den Leitprin­zipien für Wirtschaft und Menschen­rechte der Vereinten Nationen (UN Guiding Principles on Business and Human Rights) für sozial verant­wort­liches Handeln in den Liefer­ketten, den Konven­tionen der Inter­na­tio­nalen Arbeits­or­ga­ni­sation (ILO) sowie den Grund­sätzen der nachhal­tigen Entwicklung auf Basis der Rio-Erklärung von 1992. Den recht­lichen Rahmen für die nachhaltige Gestaltung unserer Produkte und Prozesse bilden Vorschriften der EU (z. B. die Vorschriften zum Chemi­ka­li­en­ma­na­gement REACH) sowie Vorschriften des deutschen Gesetz­gebers (zum Beispiel Wertstoff- und Verpa­ckungs­gesetz oder das Lebens­mittel-, und Bedarfs­ge­gen­stän­de­recht).

Auf dieser Basis haben wir folgende verbind­liche Prinzipien formu­liert, die uns bei der Gestaltung von nachhal­tigen Wertschöp­fungs­ketten für Gebrauchs­ar­tikel leiten.

  • Dialog und Mitbe­stimmung: Wir binden in der Zusam­men­arbeit mit unseren Liefe­ranten sowohl deren Management (Top-down) als auch deren Beschäf­tigte (Bottom-up) ein. Das macht alle Betei­ligten zu „Eigen­tümern“ der Prozesse und verbessert die Aussicht auf für alle akzep­table Lösungen.

  • Zielvor­gaben und Erfolgs­ori­en­tierung: Wir definieren anspruchs­volle, aber realis­tische Ziele, überprüfen Ergeb­nisse regel­mäßig und arbeiten an konti­nu­ier­lichen Verbes­se­rungen.

  • Verant­wortung im Tages­ge­schäft: Wir ermutigen und befähigen unsere opera­tiven Abtei­lungen wie etwa den Einkauf, das Quali­täts­ma­na­gement oder das Marketing, eigen­ständig Verant­wortung für Verän­de­rungen zu übernehmen und Maßnahmen umzusetzen.

  • Offenheit und Lernbe­reit­schaft: Wir wollen nicht belehren, sondern hören den Stake­holdern zu, sprechen Probleme offen an, sind selbst­kri­tisch und lernen aus Fehlern. 

Soziale und ökolo­gische Standards als Mindest­an­for­derung

Nachhal­tigkeit ist seit 2006 in die Unter­neh­mens­stra­tegie integriert und Bestandteil aller Geschäftspro­zesse. Der Tchibo Social and Environ­mental Code of Conduct (SCoC), den wir in Zusam­men­arbeit mit unseren Stake­holdern entwi­ckelt haben, bildet dafür die Grundlage. Er definiert Mindest­an­for­de­rungen an Arbeits­be­din­gungen und Umwelt­stan­dards in der Produktion unserer Gebrauchs­ar­tikel und ist Basis aller Einkaufs­ver­träge. 2006 als Tchibo Social Code of Conduct entwi­ckelt, haben wir den Kodex 2011 um Umweltan­for­de­rungen erweitert. Mit Unter­zeichnung des SCoC verpflichten sich unsere Produ­zenten auf soziale und ökolo­gische Standards in den Produk­tions­stätten. Dazu gehören beispiels­weise Arbeits­schutz, das Verbot von Kinder­arbeit oder Diskri­mi­nierung, die Anerkennung von Gewerk­schafts­rechten und Maßnahmen zur Vermeidung negativer Umwelt­aus­wir­kungen.

2017 haben wir den SCoC erneut überar­beitet. Er enthält nun weitere Anfor­de­rungen im Umwelt­be­reich sowie Ergän­zungen, die durch unsere Selbst­ver­pflich­tungen im Rahmen des Global Framework Agree­ments mit der Dachge­werk­schaft Indus­triALL Global Union, des Textil­bünd­nisses sowie in Bezug auf die SDGs notwendig wurden.

Plattform für gemeinsame Lösungen: Vendor Days und Change Labs

Als Plattform für den Erfah­rungs­aus­tausch mit unseren Liefe­ranten haben wir 2012 die Vendor Days einge­führt, die wir 2015 zu Change Labs weiter­ent­wi­ckelt haben. Mit diesem Format zielen wir vor allem auf die gemeinsame Bearbeitung aktueller Branchenthemen. So kamen 2016 Mitar­beiter von Tchibo mit Kernlie­fe­ranten zusammen und setzten sich mit den Themen Prozessef­fi­zienz, Produkt­krea­ti­vität, Anfor­de­rungen des Detox Commit­ments, Trans­parenz in den Liefer­ketten und existenz­si­chernde Löhne ausein­ander. Durch diese Diskurse entstehen Impulse und innovative Ansätze, um gemeinsam Verbes­se­rungen in den Liefer­ketten zu erzielen.



Engagiert in branchen­weiten Initia­tiven

Struk­tu­rellen Heraus­for­de­rungen in den Wertschöp­fungs­ketten können wir nur gemeinsam mit relevanten Stake­holdern begegnen. Deshalb arbeiten wir intensiv mit anderen Handels­un­ter­nehmen, Produ­zenten, Regie­rungen, Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tionen sowie Vertretern der Wissen­schaft und Gewerk­schaften zusammen und engagieren uns in branchen­weiten Allianzen, um Schritt für Schritt globale Lösungen zu imple­men­tieren.

Als erstes deutsches Handels­un­ter­nehmen hat Tchibo im September 2016 eine Rahmen­ver­ein­barung mit der inter­na­tio­nalen Dachge­werk­schaft Indus­triALL Global Union geschlossen. Beschäf­tigte und Gewerk­schaften in den Produk­ti­ons­stätten soll es ermög­licht werden, insbe­sondere Löhne und Sozial­leis­tungen mit Eigen­tümern und Management der Fabriken auszu­handeln. In der Initiative ACT (Action, Colla­bo­ration, Trans­for­mation) setzen wir uns zudem gemein­schaftlich mit der Dachge­werk­schaft und anderen inter­na­tio­nalen Handels­un­ter­nehmen für existenz­si­chernde Löhne und indus­trie­weite Tarif­ver­hand­lungen zwischen gleich­be­rech­tigten Sozial­partnern in der globalen Beklei­dungs­branche ein.

Bereits 2012 hat Tchibo als zweites Unter­nehmen weltweit das Gebäu­de­si­cher­heits- und Brand­schutz­ab­kommen „Accord on Fire and Building Safety in Bangladesh“ unter­zeichnet und an dessen Inkraft­treten, Verbes­serung und konti­nu­ier­licher Umsetzung mitge­wirkt. 2017 haben wir für drei Jahre ein Nachfol­ge­ab­kommen unter­zeichnet, das den Accord so lange weiter­führt, bis die Behörden in Bangla­desch die Arbeit übernehmen können.

2015 sind wir dem Bündnis für nachhaltige Textilien, initiiert vom Bundes­mi­nis­terium für wirtschaft­liche Zusam­men­arbeit und Entwicklung (BMZ), beige­treten. Der Fokus des Bündnisses von Politik, Wirtschaft, Standard- und Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tionen, Gewerk­schaften, Wissen­schaft und anderen Stake­holdern liegt auf der Umsetzung von Umwelt- und Sozial­stan­dards auf allen Stufen der globalen textilen Liefer­kette. Im Rahmen unserer Mitglied­schaft setzen wir einer­seits unseren eigenen, veröf­fent­lichten Fahrplan um und unter­stützen zum anderen seit 2016 auf zwei Wegen: eine Bündnis­i­ni­tiative zur syste­mi­schen Verbes­serung der Arbeits­be­din­gungen von Mädchen und jungen Frauen in den Spinne­reien und Textil­fa­briken im südin­di­schen Bundes­staat Tamil Nadu sowie eine Koope­ration zum Chemi­kalien- und Umwelt­ma­na­gement, die auf unsere strate­gische Allianz mit der Deutschen Gesell­schaft für Inter­na­tionale Zusam­men­arbeit (GIZ) und der REWE Group aufbaut.

Mit der Gesell­schaft für inter­na­tionale Zusam­men­arbeit (GIZ) arbeiten wir in Myanmar zudem im Projekt „Arbeits- und Sozial­stan­dards im Textil- und Beklei­dungs­sektor in Asien“ zusammen, um die Einhaltung der Menschen­rechte und Arbeits­normen bei unseren dortigen Kernlie­fe­ranten zu sichern.

2016 sind wir Mitglied in der Multi-Stake­holder-Initiative „Organic Cotton Accele­rator“, die 2014 ins Leben gerufen wurde, geworden. Mit Akteuren des inter­na­tio­nalen Baumwoll­sektors arbeiten wir daran, den Anbau von Bio-Baumwolle zu stärken und einen zukunfts­fä­higen Bio-Baumwoll-Markt aufzu­bauen.