NACHHALTIGKEITSBERICHT
2016

Liebe Leser­innen und Leser,

2006 haben wir uns auf den Weg zu einer 100 % nachhal­tigen Geschäftstä­tigkeit gemacht. Als Hamburger Famili­en­un­ter­nehmen folgen wir dabei dem Leitbild des ehrbaren Kaufmanns: Wir setzen auf langfris­tigen wirtschaft­lichen Erfolg durch eine werte­ori­en­tierte Führung unserer Geschäfte. Mit hoher Produkt- und Prozess­qua­lität, umwelt- und sozial­ver­träg­licher Herstellung, fairen Preisen und bestem Service verdienen wir uns das Vertrauen unserer Kunden.  

Wir übernehmen als inter­na­tional tätiges Handels­un­ter­nehmen Verant­wortung, auf allen Ebenen unserer Geschäftstä­tigkeit nachhaltig zu agieren. Das ist in einer globa­li­sierten, arbeits­tei­ligen Welt mit komplexen Einkaufs- und Handelss­truk­turen keine leichte Aufgabe. Ressourcen zu bewahren, unser Klima zu schützen, die Folgen des bereits einge­tre­tenen Klima­wandels zu mildern und Menschen­rechte durch­zu­setzen: Das erfordert innovative Konzepte, starke Allianzen und klare inter­na­tionale sowie nationale Regeln, wie insbe­sondere die Sustainable Development Goals (SDGs), die Leitprin­zipien für Wirtschaft und Menschen­rechte der Vereinten Nationen sowie der Nationale Aktionsplan Wirtschaft und Menschen­rechte (NAP).

Bereits 2009 haben wir uns zum Global Compact der Vereinten Nationen bekannt, einem freiwil­ligen Bündnis von Unter­nehmen und Organi­sa­tionen, die sich weltweit für Menschen­rechte, gerechte Arbeits­be­din­gungen und Umwelt­schutz einsetzen.

Nachhal­tig­keits­bilanz 2016

Auf dem Weg zu einer 100 % nachhal­tigen Geschäftstä­tigkeit haben wir im Berichtsjahr 2016 folgende Ergeb­nisse erzielt:

36 % der von uns für unsere Kaffee­sor­ti­mente verar­bei­teten Rohkaffees sind zerti­fi­ziert bzw. validiert nachhaltig. Jede Sekunde schenken wir in unseren Filialen einen zerti­fi­ziert nachhal­tigen Kaffee aus. Mit diesem Ergebnis sind wir jedoch nicht zufrieden, denn wir haben einen Rückgang nachhal­tiger Quali­täten gegenüber dem Vorjahr zu berichten. Wir arbeiten mit Hochdruck an einem Programm in Brasilien und anderen Regionen, das Nachhal­tigkeit für Arabica- und Robusta-Kaffees auf breiter Front voran­bringen und für mehr Angebot entspre­chender Quali­täten sorgen soll.

80 % unserer Textilien werden aus nachhal­tiger Baumwolle gefertigt. Weltweit sind wir der dritt­größte Anbieter von Textilien aus Bio-Baumwolle. Das erfüllt uns mit Stolz, aber wir vergessen darüber auch nicht, dass nur ca. 12 % des weltweiten Baumwol­lanbaus nachhaltig erfolgt. 2016 sind wir Mitglied in der Multi-Stake­holder-Initiative „Organic Cotton Accele­rator“ geworden. Mit Akteuren des inter­na­tio­nalen Baumwoll­sektors arbeiten wir daran, den Anbau von Bio-Baumwolle zu stärken und einen inter­na­tional zukunfts­fä­higen Markt für Bio-Baumwolle aufzu­bauen.

Auch für die von uns benötigten Rohstoffe Holz und Zellstoff nutzen wir verant­wor­tungsvoll bewirt­schaftete Quellen. Unsere Versand­kartons und Magazine sowie Kataloge bestehen zu 100 % aus FSC®-zerti­fi­ziertem Papier. Der Gesamtanteil nachhal­tiger Holzpro­dukte in unserem Sortiment betrug 2016 rund 40 %.

Im Berichts­zeitraum haben wir unsere Quali­fi­zie­rungs­pro­gramme erfolg­reich fortge­führt. Mit Tchibo Joint Forces!® unter­stützen wir Kaffee­farmer bei der schritt­weisen Umstellung von einem konven­tio­nellen auf einen ökolo­gisch und sozial verträg­lichen sowie ökono­misch zukunfts­fä­higen Kaffee­anbau. Über 30.000 Farmer haben das Programm inzwi­schen erfolg­reich durch­laufen. Hinzu kommen ca. 50.000 Farmer, die wir im Rahmen unseres Koope­ra­ti­ons­pro­gramms „Inter­na­tional Coffee Partners“ (ICP) nachhaltig entwi­ckeln.

Mit dem bereits 2007 gemeinsam mit der Gesell­schaft für Inter­na­tionale Zusam­men­arbeit (GIZ) konzi­pierten Liefe­ranten-Quali­fi­zie­rungs­pro­gramm „Worldwide Enhan­cement of Social Quality“ (WE) erreichen wir inzwi­schen über 340.000 Beschäftige in 342 Gebrauchs­ar­ti­kel­fa­briken weltweit.

Bei der nachhal­tigen Gestaltung der inter­na­tional verzweigten Liefer­ketten stoßen wir aber auch an die Grenzen unseres Einflusses als Einzel­un­ter­nehmen. Syste­mische Heraus­for­de­rungen packen wir deshalb gemeinsam mit anderen Akteuren durch innovative Programme an. So engagieren wir uns im Kaffee­sektor vor allem auf der 2016 gegrün­deten „Global Coffee Plattform“ (GCP) für die Gestaltung eines nachhal­tigen, inter­na­tio­nalen Kaffee­sektors. Im „Accord on Fire and Building Safety in Bangladesh“ und im von der Bundes­re­gierung initi­ierten „Bündnis für nachhaltige Textilien“ setzen wir uns für Nachhal­tigkeit in den komplexen inter­na­tio­nalen Zulie­fer­struk­turen von Gebrauchs­ar­tikeln ein. Als erstes deutsches Handels­un­ter­nehmen hat Tchibo im September 2016 eine Rahmen­ver­ein­barung mit der inter­na­tio­nalen Dachge­werk­schaft Indus­triALL Global Union abgeschlossen. Damit soll es Beschäf­tigten und Gewerk­schaften insbe­sondere in den asiati­schen Produk­ti­ons­stätten für Gebrauchs­ar­tikel erleichtert werden, Löhne, Sozial­leis­tungen und Arbeits­zeiten inner­be­trieblich und indus­trieweit auszu­handeln.

Wir haben in unseren Filialen Grati­sein­weg­plas­tik­tüten abgeschafft, Mehrweg­becher für den Außer-Haus-Verkauf von Kaffee einge­führt und bieten vollständig recycelbare Cafissimo Kaffee­kapseln an. Unter dem Dach der Integra­ti­ons­i­ni­tiative der Deutschen Wirtschaft „Wir zusammen“ leisten wir unseren Beitrag, Flücht­linge humanitär und bei ihrer Integration zu unter­stützen.

2016 haben wir als Anerkennung für unsere Leistungen den Deutschen Nachhal­tig­keits­preis als nachhal­tigstes Großun­ter­nehmen verliehen bekommen.

Das alles und noch viel mehr ist das Ergebnis der engagierten Zusam­men­arbeit vieler Menschen außerhalb und innerhalb unseres Unter­nehmens. Ganz besonders bedanke ich mich bei unseren Mitar­beitern, die sich jeden Tag von neuem mit großer Energie und Überzeugung für Nachhal­tigkeit einsetzen, und bei unseren Kunden, die uns ihr Vertrauen schenken und mit ihrer Kaufent­scheidung unseren Einsatz honorieren.

Über das Erreichte, zukünftige Maßnahmen sowie jüngste Entwick­lungen im Jahr 2017 berichten wir umfassend in diesem Nachhal­tig­keits­be­richt. Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre und freue mich über Ihre Anregungen und Wünsche ebenso wie über konstruktive Kritik.

Ihr

Thomas Linemayr