NACHHALTIGKEITSBERICHT
2016

Für den Erhalt einer intakten Natur: Klima­schutz erhöhen, Ressour­cen­einsatz reduzieren

Eine intakte Natur ist wesent­liche Voraus­setzung für die Zukunfts­fä­higkeit unseres Geschäfts, denn Kaffee, Baumwolle, Holz und andere natür­liche Rohstoffe bilden die Grundlage unserer Sorti­mente. Deshalb ist es für uns von großer Bedeutung, dass der Klima­wandel begrenzt und natür­liche Ressourcen geschont werden. Entspre­chend erweitern wir unsere Maßnahmen zum Klima­schutz an unseren Stand­orten, in der Logistik und der Mitar­beiter-Mobilität. Wir arbeiten daran, den Ressour­cen­einsatz so weit wie möglich zu reduzieren, das Recycling zu erhöhen und unver­meidbare CO₂-Emissionen zu kompen­sieren.

Als Handels­un­ter­nehmen, das für die Herstellung seiner Produkte Rohstoffe benötigt, tragen wir zum Ressour­cen­ver­brauch bei. Zudem verur­sachen wir durch den Transport unserer Produkte, deren Lagerung und Versand sowie an unseren Verwal­tungs- und Filial­stand­orten CO₂-Emissionen. Gleich­zeitig ist unser Unter­nehmen direkt von den Auswir­kungen des Klima­wandels und drohender Ressour­cen­knappheit betroffen: Rohstoffe wie Holz, Kaffee, Baumwolle und weitere natür­liche Ressourcen sind wichtige Grund­lagen unserer Sorti­mente und damit unseres Geschäfts. Klima­schutz und Ressour­cen­schonung tragen ganz erheblich dazu bei, unseren Kunden auch in Zukunft quali­tativ hochwertige Produkte anbieten zu können. Deshalb arbeiten wir konti­nu­ierlich daran, unsere CO₂-Emissionen und den Einsatz natür­licher Ressourcen zu minimieren. Auf Basis unserer umfang­reichen Erkennt­nisse und langjäh­rigen Erfah­rungen legen wir den Fokus auf sorti­ments­be­zogene Aktivi­täten und auf die von uns unmit­telbar beein­fluss­baren Handlungs­felder Standorte, Mobilität und Ressour­cenef­fi­zienz.

Gesetz­liche und gesell­schaft­liche Anfor­de­rungen steigen

Zuneh­mende Regulie­rungen und Gesetze oder auf Freiwil­ligkeit ausge­richtete Initia­tiven zielen darauf ab, den Klima- und Ressour­cen­schutz zu erhöhen – sowohl auf natio­naler Ebene als auch EU-weit und global. Zu den wesent­lichen Verord­nungen, die auch Tchibo betreffen, zählt beispiels­weise das seit 2015 geltende Elektro­gesetz. Es legt fest, dass Händler Altgeräte der Kunden zurück­nehmen müssen. In Planung ist zudem das neue Verpa­ckungs­gesetz, das 2019 in Kraft treten soll – mit dem Ziel, Ressourcen einzu­sparen und Recycling­quoten zu steigern. Neben gesetz­lichen Richt­linien formu­liert die Politik Ziele, wie die inter­na­tio­nalen Klima­schutz­ziele, und sonstige Anfor­de­rungen. Besonders relevant für unser Geschäft ist etwa der Ansatz der „Erwei­terten Produkt­ver­ant­wortung“ im Rahmen des Kreis­l­auf­wirt­schafts­ge­setzes. Demnach sind Hersteller auch dann noch in der Pflicht, wenn aus ihren Produkten Abfall wird. Dies betrifft vor allem die Rücknahme und Verwertung, aber auch Vorgaben für die Entwicklung langle­biger Produkte und den Einsatz von Sekun­där­roh­stoffen bei der Herstellung.

Eine wesent­liche auf Freiwil­ligkeit ausge­richtete Initiative ist die Auffor­derung der Europäi­schen Union an ihre Mitglieds­staaten, den Plastik­tü­ten­ver­brauch pro Kopf zu reduzieren. Besondere gesell­schaft­liche Aufmerk­samkeit erhalten Umwelt­themen auch durch Kampagnen oder Initia­tiven der Zivil­ge­sell­schaft. Neben Plastik­tüten zählen insbe­sondere Textilien, Kaffee­kapseln und Coffee-to-go-Becher zu den Produkten bezie­hungs­weise Verpa­ckungen, bei denen die Frage nach der Verhält­nis­mä­ßigkeit des Ressour­cen­ver­brauchs gestellt wird. In immer mehr Städten gibt es deshalb jetzt – als ein Beispiel – anbie­ter­über­grei­fende Mehrweg­be­cher­systeme.

Heraus­for­de­rungen gezielt begegnen

Wir stellen uns diesen und anderen gesetz­lichen und gesell­schaft­lichen Anfor­de­rungen und arbeiten proaktiv an Lösungen, um einen wesent­lichen Beitrag zu mehr Klima- und Ressour­cen­schutz zu leisten. Die beson­deren Heraus­for­de­rungen liegen dabei unter anderem darin, in sämtlichen relevanten Phasen eines Produkt­le­bens­zyklus Mecha­nismen und Struk­turen für erhöhten Umwelt- und Klima­schutz zu etablieren: von der Herstellung und Auswahl der Rohstoffe über das Design und die Produk­ti­ons­pro­zesse bis zur Verpa­ckung und zur Rückführung von Abfällen in den Rohstoff­kreislauf.

Wir betei­ligen uns vor allem über Verbände wie den Handels­verband Deutschland (HDE) an der gesell­schaft­lichen Debatte von Wirtschaft, Politik und Zivil­ge­sell­schaft zur nachhal­tig­keit­s­ori­en­tierten Weiter­ent­wicklung der Wirtschaft, um die besten Lösungs­an­sätze insbe­sondere für unter­neh­mens­über­grei­fende und globale Frage­stel­lungen wie Klima­schutz zu finden.

Wirkungs­voller Klima- und Ressour­cen­schutz

Wir verringern syste­ma­tisch CO₂-Emissionen, um den Klima­schutz zu verstärken. Dafür gestalten wir unsere Prozesse so energie­ef­fi­zient und emissi­onsarm wie möglich. Wir setzen bei den Ursachen an und engagieren uns insbe­sondere in den Handlungs­feldern mit den größten Wirkungen und Einfluss­mög­lich­keiten: beim Transport und Versand unserer Produkte, an unseren Produk­ti­ons­stand­orten. Richt­schnur unseres Handelns ist die Roadmap 2020, in deren Rahmen wir unsere Klima­schutz­ziele 2015 weiter erhöht haben. Um zusätz­liche Einspar­po­ten­ziale zu ermitteln und umzusetzen, haben wir bei der CO₂-Bilan­zierung 2016 noch mehr Standorte und Prozesse in den Blick genommen.

Verpa­ckungen verur­sachen einen großen Anteil unseres Ressour­cen­be­darfs. Mit dem Ziel, unseren Rohstoff­ver­brauch konti­nu­ierlich zu verringern, setzen wir unsere 2015 weiter­ent­wi­ckelte Verpa­ckungs­richt­linie konse­quent um. Darin haben wir die bereits anspruchs­vollen Umweltan­for­de­rungen weiter erhöht und klare Leitlinien zur Vermeidung, Vermin­derung, Verwertung, Verbes­serung und Kompen­sation formu­liert. Hierar­chisch steht Vermeidung an erster und Kompen­sation an fünfter Stelle. Bei der Einführung neuer Verpa­ckungen oder der Optimierung beste­hender Verpa­ckungen orien­tieren wir unsere Entschei­dungs­findung stets an dieser Syste­matik, um eine umwelt­freund­liche Lösung zu finden – sowohl bei den Produkt- als auch bei den Versand- und Trans­port­ver­pa­ckungen. Zudem erhöhen wir konti­nu­ierlich den Einsatz von Recycling- und FSC®-zerti­fi­ziertem Papier. Im Rahmen unserer Closed-Loop-Strategie arbeiten wir daran, neben Produkten auch Stoff­kreis­läufe von Beginn an so zu gestalten, dass die enthal­tenen Wertstoffe nach Nutzungsende einer sinnvollen Wieder­ver­wertung zugeführt werden.

Einfluss­mög­lich­keiten durch Koope­ra­tionen steigern

Als einzelnes Unter­nehmen stoßen wir aber auch an die Grenzen unserer Einfluss­mög­lich­keiten. Syste­mi­schen und struk­turell bedingten Heraus­for­de­rungen können wir nur gemeinsam mit anderen Akteuren wirkungsvoll begegnen. Deshalb engagieren wir uns für unter­neh­mens­über­grei­fende Lösungen zum Schutz der Umwelt in Verbänden und Organi­sa­tionen, wie zum Beispiel in der Clean Cargo Working Group. Im Hinblick auf das geplante Verpa­ckungs­gesetz arbeiten wir aktiv in einem Exper­ten­kreis zur Entwicklung eines Anreiz­systems für ökolo­gi­schere Verpa­ckungen mit. Zur Unter­stützung des Pariser Klima­ab­kommens haben wir im Dezember 2015 mit zehn weiteren deutschen Handels­un­ter­nehmen eine Erklärung zu Einspar­pro­grammen und -maßnahmen unter­zeichnet. Die Erklärung sieht die Förderung von E-Autos und Green Buildings vor sowie den Einsatz effizi­enter Beleuch­tungs- und Klima­technik.

Verbind­liche Basis: Umwelt­schutz in allen Prozessen verankert

Wir entwi­ckeln unsere Aktivi­täten auf einem starken Fundament stetig weiter: Umwelt- und Klima­schutz sind zentraler Bestandteil unserer Geschäftss­tra­tegie und fest in der Tchibo DNA verankert. „Wir übernehmen Verant­wortung für die ökolo­gi­schen und sozialen Auswir­kungen unseres Handelns“ – dieser Grundsatz prägt unsere Arbeit in allen Geschäftspro­zessen. Der Tchibo Verhal­tens­kodex definiert zudem verbind­liche Regeln für umwelt­be­wusstes Verhalten der Mitar­beiter. An unseren Verwal­tungs- und Lager­stand­orten nutzen wir unser Umwelt­steue­rungs­system, das sich an der Norm ISO 14001 orien­tiert und unsere wesent­lichen Verbräuche erfasst. Damit dient es als Basis, um unsere Energie-, Wasser-, Gas- und Papier­ver­bräuche zu reduzieren sowie Abfälle und CO₂-Emissionen unseres Fuhrparks und der Dienst­reisen zu minimieren. An unseren Produk­ti­ons­stand­orten in Deutschland haben wir zudem ein zerti­fi­ziertes Energie­ma­na­ge­ment­system nach ISO 50001. Darüber hinaus kommen weitere freiwillige Richt­linien zur Anwendung: ISO 14040ff für Ökobi­lan­zierung, ISO 14020ff für umwelt­be­zogene Kommu­ni­kation und ISO 16258 für die Bilan­zierung trans­port­be­dingter Emissionen sowie unsere selbst entwi­ckelte Verpa­ckungs­richt­linie. Sie enthält Infor­ma­tionen zum allge­meinen Vorgehen, zu Kennzahlen, Instru­menten und Leitsätzen.

Die Integration von Umwelta­spekten in die Geschäftstä­tigkeit wird in den verschie­denen Bereichen und Fachab­tei­lungen von Umwelt­ver­ant­wort­lichen übernommen. Mit ihnen werden jährlich umwelt­be­zogene Zielvor­gaben vereinbart. Abtei­lungs- und bereichs­über­grei­fende Aktivi­täten koordi­niert der Bereich Unter­neh­mens­ver­ant­wortung. Er stellt sicher, dass die einge­lei­teten Umwelt­maß­nahmen in den Geschäfts- und Fachbe­reichen mit der strate­gi­schen Zielsetzung sowie unter­ein­ander abgestimmt werden. Hierzu beobachtet und analy­siert der Bereich gesell­schaft­liche Trends, tages­ak­tuelle Themen und Geset­ze­si­ni­tia­tiven. Ziel ist es, möglichst frühzeitig auf neue Entwick­lungen einzu­gehen und diese mitzu­prägen.

Richt­schnur für nachhaltige Logistik: Roadmap 2020

Für die nachhaltige Gestaltung unserer Logis­tik­pro­zesse orien­tieren wir uns an der 2015 verab­schie­deten Roadmap 2020. Sie baut auf den bereits erreichten Zielen auf und führt den Weg zu einer 100 % nachhal­tigen Geschäftstä­tigkeit konse­quent fort. Mit der Roadmap haben wir uns klare Ziele für den Klima­schutz gesetzt, an deren Errei­chung wir konti­nu­ierlich arbeiten: die weitere Reduktion unserer CO₂-Emissionen beim Transport, in den Röste­reien, an den Lager­stand­orten, in der Verwaltung und in den Filialen.

Handlungs­rahmen für Ressour­cenef­fi­zienz: Verpa­ckungs­richt­linie

Unsere seit 2015 geltende Verpa­ckungs­richt­linie folgt der Maxime „vermeiden, vermindern, verwerten, verbessern und kompen­sieren“. Das heißt: Wir vermeiden Einweg­becher, Einweg­tüten und Papier­ab­fälle. Wir reduzieren das Abfall­ge­wicht sowie den Papier- und Karto­na­gen­einsatz, den verblei­benden Bedarf decken wir aus zerti­fi­ziert verant­wort­licher Forst­wirt­schaft und Recycling­ma­te­rialien. Wir entwi­ckeln Lösungen, sodass unsere Verpa­ckungen nach dem Gebrauch durch Recycling bezie­hungs­weise Verwertung wieder in den Rohstoff­kreislauf zurück­ge­führt werden können.

Synergien nutzen: Selbst­ver­pflich­tungen

Indem wir uns freiwil­ligen Verpflich­tungen anschließen, schaffen wir einen klaren Rahmen für umwelt­freund­liches Handeln im Unter­nehmen und weiten gleich­zeitig unser Engagement aus. In Hamburg und Berlin arbeiten wir mit dem Energie­ma­na­ge­ment­system konform zur DIN EN ISO 50001:2011 der Tchibo Manufac­turing GmbH & Co. KG, um den Energie­einsatz effizi­enter zu gestalten und zu reduzieren. Wir haben uns den Selbst­ver­pflich­tungen des Handels in Deutschland und Öster­reich angeschlossen, in unseren Tchibo Filialen keine Plastik­tüten mehr gratis an die Kunden abzugeben und so die Zahl der ausge­ge­benen Einweg­tra­ge­ta­schen zu reduzieren. Als Mitglied in der Initiative Biodi­versity in Good Company arbeiten wir mit anderen Unter­nehmen der Branchen gemeinsam an Lösungen zum Erhalt der weltweiten Biodi­ver­sität. In diesem Rahmen haben wir uns verpflichtet, die Auswir­kungen unserer Geschäftstä­tigkeit auf die biolo­gische Vielfalt zu analy­sieren und den Schutz der biolo­gi­schen Vielfalt sowie die nachhaltige Rohstoff­nutzung in das Umwelt­ma­na­ge­ment­system aufzu­nehmen.

Fortschritte im Blick: konti­nu­ier­liche Überprüfung

Je nach Maßnahme bilden wir geeignete Kennzahlen, die regel­mäßig im Rahmen unseres Monito­rings kontrol­liert werden – beispiels­weise zum Strom­ver­brauch in unseren Röste­reien oder zur Reduzierung des relativen Verpa­ckungs­vo­lumens. Darüber hinaus werden im Rahmen der Berichts­prüfung durch eine Wirtschafts­prü­fungs­ge­sell­schaft ausge­wählte Umwelt­kenn­zahlen verifi­ziert. Auch sorti­ments­be­zogene Kennzahlen werden jährlich durch Auditie­rungen geprüft. Anhand der Ergeb­nisse der letzten Evalu­ie­rungen entwi­ckeln wir die Roadmap 2020 weiter, erheben an zusätz­lichen Stand­orten Verbräuche und Emissionen mit dem Ziel, sie zu reduzieren, und nutzen eine verbes­serte Berech­nungs­logik in der CO₂-Bilanz, um noch genauere Messer­geb­nisse zu erhalten.