NACHHALTIGKEITSBERICHT
2016

Rohstoffe und Materialien aus nachhal­tigen Quellen  

Unsere Produkte müssen hohe Ansprüche erfüllen: Sie müssen gut verar­beitet sein, aktuellen Trends entsprechen und dabei gleich­zeitig langlebig sein. Qualität bedeutet für uns aber auch, dass die darin enthal­tenen Rohstoffe aus nachhal­tigen Quellen gewonnen werden. Wir erweitern daher konti­nu­ierlich den Anteil der in unseren Produkten verar­bei­teten Rohstoffe und Materialien aus verant­wor­tungsvoll bewirt­schaf­teten Quellen. Dafür arbeiten wir mit unabhän­gigen Standard­or­ga­ni­sa­tionen und verläss­lichen Partnern zusammen. Bei Materialien, für die bisher keine anerkannten Zerti­fikate oder Siegel existieren oder uns die vorhan­denen Zerti­fikate nicht weit genug gehen, engagieren wir uns für die Entwicklung von neuen Standards und innova­tiven Lösungen.

Unsere Gebrauchs­ar­tikel bestehen selten aus nur einem Material. In der Regel setzen sie sich aus mehreren Kompo­nenten zusammen – das ist z. B. bei einer Kinder­re­gen­jacke nicht anders als bei einem Sonnen­schirm. Diese Komple­xität erfordert eine syste­ma­tische Heran­ge­hens­weise, wenn es darum geht, Produkte im Ganzen nachhaltig zu gestalten. Deshalb haben wir 2016 unseren strate­gi­schen Ansatz bei nachhal­tigen Ressourcen und Produkten weiter­ent­wi­ckelt:

Wir beziehen alle verwen­deten Materialien in die nachhaltige Ausrichtung mit ein – bei Textilien und bei Hartwaren. Dabei richten wir den Fokus zuerst auf die Materialien, die in unseren Produkten mit dem höchsten Anteil verar­beitet werden, um so die größt­mög­liche Wirkung zu erzielen. Nachfolgend gehen wir die weiteren Materialien an. Dabei berück­sich­tigen wir auch die Closed-Loop-Fähigkeit der Materialien und Produkte, d. h. den Einsatz recycelter Materialien sowie die Langle­bigkeit und Recycling­fä­higkeit der Produkte. Unser Ziel ist es, bis 2020 alle Haupt­ma­te­rialien, die wir in unseren Produkten verar­beiten, aus nachhal­ti­geren Quellen zu beziehen.

Natur­fasern, Synthe­tik­fasern und Material tieri­schen Ursprungs

Bei Textilien unter­scheiden wir zwischen vier Faser­ka­te­gorien: Natur­fasern (bei uns fast ausschließlich Baumwolle), zellu­lo­se­ba­sierten Chemie­fasern, synthe­ti­schen Chemie­fasern sowie Material tieri­schen Ursprungs.

1. Natur­faser: Baumwolle

Der Anbau von Baumwolle ist mit Auswir­kungen auf Mensch und Umwelt verbunden. So wird im konven­tio­nellen Baumwol­lanbau oft viel Wasser verbraucht, es werden schäd­liche Pestizide einge­setzt und Beschäf­tigte im Baumwol­lanbau arbeiten häufig unter schwie­rigen Bedin­gungen. Wir betrachten den Einsatz von Baumwolle aus nachhal­tigem Anbau daher als alter­na­tivlos. Im Verkaufsjahr 2016 stammten rund 80 % der Baumwolle, die für unsere Beklei­dungs- und Heimtex­tilien verar­beitet wurde, aus nachhal­ti­gerem Anbau. Der Großteil unserer nachhal­tigen Baumwolle ist aus kontrol­liert biolo­gi­schem Anbau und ist entweder nach dem Organic Content Standard (OCS) der inter­na­tio­nalen gemein­nüt­zigen Organi­sation Textile Exchange oder dem Global Organic Textile Standard (GOTS) zerti­fi­ziert. Zudem unter­stützen wir die Initiative Cotton made in Africa (CmiA) der Aid by Trade Foundation und beziehen nachhaltige CmiA-Baumwolle aus Subsahara-Afrika. Um die Koope­ra­tionen mit inter­na­tio­nalen Organi­sa­tionen zu ergänzen, arbeiten wir an eigenen, direkten Partner­schaftspro­jekten, wie zum Beispiel mit dem Appachi ECO-LOGIC Projekt in Südindien.
2020 wollen wir in unseren Beklei­dungs- und Heimtex­tilien nur noch Baumwolle aus nachhal­ti­geren Quellen einsetzen.

Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es Lösungen für die syste­mi­schen Heraus­for­de­rungen, die mit dem Anbau von Bio-Baumwolle verbunden sind. Wir sind deshalb Gründungs­mit­glied der 2014 gegrün­deten Initiative „Organic Cotton Accele­rator“, die sich für den Anbau und Einsatz von Bio-Baumwolle auf Sektorebene engagiert. Zusammen mit anderen namhaften Beklei­dungs­un­ter­nehmen setzen wir uns in dieser Multi-Stake­holder-Initiative gemein­schaftlich für einen prospe­rie­renden Baumwoll­sektor ein, von dem alle profi­tieren: vom Farmer bis zum Verbraucher.

Bio-Baumwolle (nach dem Organic Content Standard):

Tchibo ist der dritt­größte Abnehmer von Bio-Baumwolle weltweit. Wir sind Mitglied der gemein­nüt­zigen Organi­sation Textile Exchange, die sich weltweit für eine nachhal­tigere Textil­in­dustrie stark­macht. Dafür bringt sie Marken­un­ter­nehmen und Einzel­händler, Hersteller und Rohstofflie­fe­ranten, Baumwoll­farmer und wichtige Inter­es­sen­ver­treter zusammen. Wir verwenden für unsere Bio-Baumwoll-Produkte den Organic Content Standard (OCS).

Bio-Baumwolle (nach dem GOTS-Standard):

Um unsere Sorti­mente gemäß unserem Anspruch an Nachhal­tigkeit konti­nu­ierlich weiter­zu­ent­wi­ckeln, arbeiten wir seit 2014 daran, GOTS-zerti­fi­zierte Produkte in unser Sortiment aufzu­nehmen. Der Global Organic Textile Standard setzt auf dem kontrol­liert biolo­gi­schen Anbau von Natur­fasern auf und bezieht alle Prozesse in der Liefer­kette mit ein: von der Gewinnung der Rohstoffe über eine umwelt- und sozial­ver­ant­wort­liche Fertigung, wozu auch Drucken und Färben zählen, bis zum fertigen Produkt. 2015 haben wir erstmals GOTS-zerti­fi­zierte Textilien angeboten, 2017 haben wir unsere erste GOTS-zerti­fi­zierte Babykol­lektion auf den Markt gebracht.

Cotton Made in Africa (CmiA):

Cotton made in Africa ist eine Initiative der Aid by Trade Foundation. Ihr Ziel: die Lebens­be­din­gungen von Klein­bauern in Subsahara-Afrika zu verbessern und einen für Mensch und Umwelt schonenden Baumwol­lanbau zu fördern. So erlernen die Bauern in Schulungen vor Ort effiziente und nachhaltige Anbau­me­thoden, die ihnen helfen, bessere Erträge zu erzielen sowie die Umwelt und ihre Gesundheit zu schonen. Tchibo unter­stützt die Initiative als Abnehmer von CmiA-Baumwolle und als Partner in Community-Projekten.

ECO-LOGIC Baumwolle aus dem Appachi ECO-LOGIC Project:

2015 haben wir erstmals mit dem südin­di­schen Appachi ECO-LOGIC Project zusam­men­ge­ar­beitet. Hierbei haben wir die Liefer­kette auf den Kopf gestellt: Ausgangs­punkt war der Rohstoff, die Appachi ECO-LOGIC Baumwolle (in unserem Sortiment als „ECO-LOGIC Baumwolle“ gekenn­zeichnet), die sozial- und umwelt­ver­träglich angebaut wird und eine besonders hochwertige Qualität aufweist. Für ihre Weiter­ver­ar­beitung haben wir die Zulie­fer­kette vor allem in Indien aufgebaut. Gefertigt wird bei Produ­zenten aus dem Tchibo Liefe­ranten-Quali­fi­zie­rungs­pro­gramm WE (Worldwide Enhan­cement of Social Quality). Die ersten drei Appachi ECO-LOGIC Produkte haben wir 2016 angeboten. 2017 kam dann unsere erste Kollektion mit ECO-LOGIC Baumwolle auf den Markt und wurde bei der Veran­staltung „Tchibo Green Carpet“ vorge­stellt, zu der wir Kunden, Journa­listen, Blogger, Tchibo Mitar­beiter und unsere Partner aus Indien nach Hamburg einge­laden haben.

2. Zellu­lo­se­ba­sierte Chemie­fasern: Viskose, Modal und Lyocell

Im Bereich der zellu­lo­se­ba­sierten Chemie­fasern Viskose, Modal und Lyocell achtet Tchibo ebenfalls auf nachhaltige Bezugs­quellen. Bei Zellu­lo­se­fasern sind zwei Faktoren wichtig: die Herkunft der Zellulose und die Verar­beitung des Rohstoffs zu einer Textil­faser, denn für die Herstellung der Fasern ist ein hoher Einsatz von Energie, Wasser und auch Chemi­kalien notwendig.

Mehr als 80 % der von Tchibo für ihre Beklei­dungs­tex­tilien verwen­deten Zellu­lo­se­fasern wurden 2016 nachhal­tiger gewonnen – mindestens aus nachhal­tiger Forst­wirt­schaft, zu einem wesent­lichen Teil auch umwelt­schonend herge­stellt.

Um für Beklei­dungs- und Heimtex­tilien zellu­lo­se­ba­sierte Synthe­tik­fasern zu erhalten, die nachhaltig produ­ziert wurden, arbeiten wir mit dem Unter­nehmen Lenzing zusammen. Lenzing bezieht nicht nur das Holz für die Faser­her­stellung aus verant­wortlich bewirt­schaf­teten Quellen, sondern setzt auch bei der Produktion auf Umwelt­stan­dards. Wir verwenden derzeit die Fasern Lenzing Viscose®, Lenzing Tencel® sowie Lenzing Modal® und Lenzing Micro­Modal®. Aktuell arbeiten wir auch daran, die neue, umwelt­scho­nendere Visko­se­faser von Lenzing einzu­setzen.

Mit unserem Anteil an zellu­lo­se­ba­sierten Chemie­fasern aus nachhal­ti­geren Quellen schafften wir es inter­na­tional auf Platz 5 im „Preferred Fibres and Materials Benchmark 2017“ von Textile Exchange. 

3. Synthe­tische Chemie­fasern: Polyester, Polyamid etc.

Synthe­tische Fasern auf Mineral­öl­basis erfordern den Einsatz einer nichter­neu­er­baren Ressource. Zudem ist ihre Produktion sehr energie- und wasser­ver­brauch­sin­tensiv. Da wir jedoch in vielen Textilien, wie etwa Regen­jacken oder anderen Outdoor-Kleidungs­stücken, auf Synthetik nicht verzichten können, arbeiten wir an dem Einsatz recycelter Fasern und Materialien. Erste Produkte werden wir Anfang 2018 auf den Markt bringen. Auf diese Weise schonen wir die Ressource Erdöl, minimieren den Energie­aufwand und reduzieren den Wasser­einsatz.

4. Material tieri­schen Ursprungs

Eine nachhaltige Geschäftstä­tigkeit umfasst für uns neben ökono­mi­schen, ökolo­gi­schen, sozialen und gesell­schaft­lichen Aspekten auch den Tierschutz. Wir sind der festen Überzeugung, dass Tiere ethisch und artgemäß behandelt werden sollten, und lehnen tierun­würdige Haltungs-, Schlacht- und Produk­ti­ons­be­din­gungen strikt ab. Deshalb wollen wir langfristig nur dann Materialien mit tieri­schem Ursprung für unsere Produkte einsetzen, wenn wir gemeinsam mit Liefe­ranten, Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tionen und anderen Stake­holdern sicher­stellen können, dass kein Tier unwür­digen Bedin­gungen ausge­setzt ist. Gleich­zeitig arbeiten wir daran, Alter­na­tiven anzubieten.

Auf diesem Weg haben wir bereits Meilen­steine erreicht: Seit 2008 verkaufen wir keine Produkte aus oder mit Echtpelz. Um dies zu bekräf­tigen, sind wir 2013 Mitglied im inter­na­tio­nalen „Fur Free Retailer Program“ geworden. Das Programm ist eine Initiative von Umwelt- und Tierschutz­ver­bänden wie z. B. der Tierschutz­or­ga­ni­sation VIER PFOTEN. Unsere Produkte mit Kunstpelz sind entspre­chend mit dem Fur-Free-Logo gekenn­zeichnet.

Seit Anfang 2014 bieten wir keine Produkte mit Angora­wolle mehr an, da wir die artgemäße Haltung von Angora­ka­ninchen nicht garan­tieren können.

Für unsere Produkte aus Merino­wolle schließen wir das sogenannte Mulesing explizit aus. ­Mulesing beschreibt die in Australien und Neuseeland übliche Praxis, bei der Merino­lämmern ohne Betäubung Hautpartien rund um den Schwanz entfernt werden. Dies dient der Vorbeugung eines Befalls mit Fliegen­maden (Myiasis), die sich in den Hautfalten von Merino­schafen vermehren. Über das Verbot der Mulesing-Schaf­wolle hinaus haben wir die Entwicklung des indus­trie­weiten Standards für nachhaltige Wolle, des „Respon­sible Wool Standard“ (kurz RWS), unter­stützt und arbeiten daran, die ersten Produkte mit RWS-zerti­fi­zierter Wolle in unserem Winter­sor­timent 2018 anzubieten.

Daunen und Federn, die von Tieren aus Leben­drupf oder Stopfmast stammen, lehnen wir ab. Im Bereich der Beklei­dungs­tex­tilien haben wir den Einsatz von synthe­ti­schen Materialien, die quali­tativ mit der „echten Daune“ vergleichbar sind, voran­ge­trieben und dabei unser Sortiment mit Daunen und Federn reduziert. Für unser Heimtex­tilien-Sortiment arbeiten wir derzeit daran, einen nachhal­ti­geren Standard, entweder den „Respon­sible Down Standard“ (kurz RDS), für den wir seit 2015 zerti­fi­ziert sind, oder den Downpass einzu­setzen.

Parallel zu unserem Engagement für verant­wor­tungs­volle Materialien tieri­schen Ursprungs arbeiten wir daran, unser Sortiment aus pflanz­lichen und synthe­ti­schen Alter­na­tiven weiter auszu­bauen.

Holz und Papier aus verant­wor­tungsvoll bewirt­schaf­teten Quellen

Viele unserer Produkte sind aus Holz und Papier gefertigt. Als Nachweis, dass das einge­setzte Holz aus legalen Quellen stammt, wenden wir für alle Holz- und Papier­pro­dukte das „Forest Tracing System (FTS)“ an, das wir mit Unter­stützung des World Wide Fund For Nature (WWF) entwi­ckelt haben. 2015 waren zudem rund 40 % unserer Holz- und Papier­pro­dukte nach den strengen Richt­linien des Forest Stewardship Council (FSC®) zerti­fi­ziert.

Ausschluss von Sandblasting

Um bei Jeans den beliebten Used-Look oder Vintage-Style zu erzielen, ist eine mögliche Bearbei­tungs­technik das sogenannte Sandblasting. Dabei werden die Kleidungs­stücke mit feinem Sandstaub bestrahlt – eine Methode, die für die Beschäf­tigten erheb­liche gesund­heit­liche Risiken mit sich bringt. Wenn sie den feinkör­nigen Staub einatmen, kann das zu Silikose führen – einer Krankheit, die die Lunge zersetzt. Als die Gesund­heits­folgen des Sandblas­tings 2009 bekannt wurden, hat Tchibo umgehend sämtliche Liefe­ranten über die Gesund­heits­ge­fahren aufge­klärt. Seit 2010 haben wir Sandblasting in der Produktion von Kleidung verboten und kaufen nur in Fabriken ein, die dieses Verfahren nicht anwenden.

Chromfrei gegerbtes Leder

Zur Leder­her­stellung werden Tierhäute gegerbt, um sie haltbar zu machen. Das am häufigsten verwendete Verfahren ist die Chrom­gerbung, da sie beste Qualität liefert und wenig Zeit in Anspruch nimmt. Die meisten Leder­pro­dukte, die heute am Markt verfügbar sind, sind chrom­ge­gerbt. Aller­dings können dabei besonders umwelt­schäd­liche und gesund­heits­ge­fähr­dende Chrom-VI-Verbin­dungen gebildet und freige­setzt werden. Deshalb haben wir gemeinsam mit unseren Partnern daran gearbeitet, chrom­freie Verfahren einzu­setzen, ohne dass die Gebrauchs­ei­gen­schaften des Leders beein­trächtigt werden, und gerben seit 2016 alle Produkte aus und mit Leder in einem chrom­freien Prozess.