NACHHALTIGKEITSBERICHT
2016

Für verant­wor­tungs­vollen Konsum begeistern: Sorti­mente ausbauen, Kommu­ni­kation inten­si­vieren

Auf dem Weg zu einer 100 % nachhal­tigen Geschäftstä­tigkeit arbeiten wir konse­quent daran, unseren Kunden immer mehr umwelt- und sozial­ver­träg­liche Produkte anzubieten. Mit dem stetigen Ausbau unseres nachhaltig produ­zierten Sorti­ments wollen wir sie zu einem nachhal­tigen Konsum anregen. Damit unsere Kunden sich für verant­wor­tungs­vollen Konsum entscheiden, müssen wir Nachhal­tigkeit glaubhaft, leicht verständlich und auf eine sympa­thische Weise erläutern, denn mit ihrer Kaufent­scheidung beein­flussen die Kunden Breite und Tiefe unserer Nachhal­tig­keits­maß­nahmen ebenso wie die Geschwin­digkeit, mit der wir unser Ziel einer 100 % nachhal­tigen Geschäftstä­tigkeit erreichen. Um unsere Kunden noch besser über unsere Aktivi­täten im Bereich Nachhal­tigkeit zu infor­mieren, bauen wir unsere Kommu­ni­kation weiter aus: über klassische Kanäle ebenso wie über Social-Media-Platt­formen und an den Points of Sale.

Mit nachhal­tigen Sorti­menten begeistern

Den Schwer­punkt beim Ausbau der nachhal­tigen Sorti­mente legen wir auf Kaffee, Textilien aus Baumwolle und Viskose, Möbel und Baste­lu­ten­silien aus Holz und Zellulose sowie Schuhe, Taschen und Acces­soires aus Leder. 2016 konnten wir erneut Fortschritte beim Ausbau erzielen.

Nachhaltige Kaffee­sor­ti­mente: validiert und zerti­fi­ziert

Der Anteil des zerti­fi­ziert und validiert nachhal­tigen Rohkaffees betrug 2016 rund 36 %. Mittel­fristig wollen wir alle Kaffees in unser Nachhal­tig­keits­konzept integrieren. Bereits 2010 haben wir das gesamte Privat­kaffee-Sortiment einschließlich unserer Raritäten auf 100 % zerti­fi­ziert nachhaltige Quali­täten nach Rainforest-Alliance-Certi­fiedTM-Standard mit einer Bio-Alter­native umgestellt. Und schon seit 2009 bereiten wir in unseren Kaffee Bars ausschließlich Kaffee und Kaffee­s­pe­zia­li­täten aus zerti­fi­ziert nachhal­tigen Kaffee­qua­li­täten u. a. nach Fairtrade-Standard zu. Zum zehnten Geburtstag unseres Kapsel­systems Cafissimo hatten wir 2016 doppelt Grund zu feiern, denn wir haben erstmals auch in diesem Segment Kaffee mit dem Fairtrade-Siegel angeboten – zusätzlich zu den Kaffees von Rainforest-Alliance-Certi­fiedTM- oder UTZ-zerti­fi­zierten Farmen und mit dem Bio-Siegel. Damit die nachhaltige Kaffee­qua­lität für alle Verbraucher auf einen Blick wahrnehmbar ist, bilden wir die jewei­ligen Siegel vorne oder hinten auf den Verpa­ckungen ab. 2016 haben wir auch den Filter­kaffee FOR BLACK ’N WHITE auf zerti­fi­ziert nachhaltige Quali­täten, hier nach dem UTZ-Standard, umgestellt. Wir haben den neuen Kaffee BLONDE ROAST entwi­ckelt und 2017 einge­führt. Durch die helle Röstung, wenig Bitter­stoffe und das zart-fruchtige Aroma sprechen wir eine besonders affine Generation der Filter­kaffee-Konsu­menten an. Der BLONDE ROAST ist nach Rainforest-Alliance- Standard zerti­fi­ziert nachhaltig, genauso wie die Quali­täten für unsere Gala und Eduscho Sorti­mente Espresso und Caffè Crema.  









Gebrauchs­ar­tikel: Umwelt- und Sozial­ver­träg­lichkeit im Fokus

Mit dem Ausbau unserer nachhal­tigen Sorti­mente erfüllen wir den Wunsch vieler Verbraucher nach verant­wor­tungsvoll produ­zierten Produkten. Dafür haben wir 2016 unser Konzept weiter­ent­wi­ckelt. Jeder Gebrauchs­ar­tikel besteht aus verschie­denen Materialien, die unter­schied­licher Herkunft sind und mit denen verschiedene Auswir­kungen und Anfor­de­rungen verknüpft sind. Um diese Komple­xität zu reduzieren, haben wir unsere Non Food-Artikel in zwei zentrale Produkt­gruppen unter­teilt, die wir in vier Schritten genauer analy­sieren: Wir unter­teilen in „Textilien“, darunter fallen zum Beispiel Bekleidung, Sport- und Funkti­ons­wäsche, Bettwäsche, Schuhe und vieles mehr, und „Hartwaren“ wie Möbel, Elektro­geräte, Schmuck.

Wir konzen­trieren uns zunächst auf die Haupt­be­stand­teile einer Produkt­gruppe, also z. B. Baumwolle, und streben an, dafür bis 2020 ausschließlich Rohstoffe aus nachhal­tigen Quellen zu nutzen. Danach betrachten wir das im nächst­hö­heren Anteil verwendete Material wie beispiels­weise Elasthan und im dritten Schritt die zusätz­lichen Bestand­teile wie Knöpfe. Im letzten Schritt steht der Herstel­lungs­prozess im Fokus. Mit dieser Heran­ge­hens­weise planen wir bis 2020, die Umwelt- und Sozial­ver­träg­lichkeit unserer Produkte noch einmal deutlich zu erhöhen.

2016 ist es uns erneut gelungen, das bereits beste­hende nachhaltige Sortiment zu erweitern

Baumwolle: Tchibo verwendet in den  Textilien von Jahr zu Jahr mehr Baumwolle aus nachhal­tigen Quellen. Laut „Organic Cotton Market Report“ waren wir 2016 der dritt­größte Bio-Baumwoll-Einkäufer weltweit. 2016 lag der Anteil an Baumwolle aus nachhal­tigen Quellen in unseren Produkten bei 80 %, damit rücken wir unserem Ziel – der Verwendung von nachhaltig angebauter Baumwolle in 100 % aller Tchibo Baumwoll­tex­tilien bis 2020 – immer näher. Sie entsprechen den Anfor­de­rungen von Cotton made in Africa, dem Organic Content Standard oder dem GOTS Standard. Einen neuen Weg gehen wir seit 2016 mit der Tchibo Eco Logic Appachi Kollektion, mit der wir über den umwelt­ver­träg­lichen Anbau hinaus die Schulung sowie Weiter­bildung indischer Baumwoll­farmer fördern.









Viskose: Auch im Bereich der zellu­lo­se­ba­sierten Fasern wie Viskose und Lyocell achtet Tchibo auf den Einsatz von Fasern aus nachhal­ti­geren Quellen. Der Anteil nachhaltig gewon­nener Zellulose lag 2016 ebenfalls bei 80 %. Tchibo bezieht die überwiegend aus dem Rohstoff Holz beste­hende Viskose zu 60 % von dem Unter­nehmen Lenzing, welches das Holz für die Faser­her­stellung ausschließlich aus verant­wortlich bewirt­schaf­teten Quellen bezieht.

Holz: Die für Tchibo Produkte verar­bei­teten Rohstoffe Holz und Zellstoff stammen aus verant­wor­tungsvoll bewirt­schaf­teten Forsten. 2016 betrug der Anteil nachhal­tiger Holzpro­dukte in unserem Sortiment rund 63 % und rund 40 % der Produkte waren nach dem Forest Stewardship Council® (FSC®) zerti­fi­ziert. 2016 haben wir 100 % unserer Garten­tische und -stühle aus FSC®-zerti­fi­ziertem Material herstellen lassen, 100 % unserer Kunden­ver­sand­kartons bestehen aus FSC®-zerti­fi­ziertem Material.

Tierische Materialien und Fasern: Tchibo hat sich bereits vor über neun Jahren dazu entschieden, Echtpelz­pro­dukte komplett aus dem Sortiment zu streichen, 2014 folgten Angora­pro­dukte. 2015 hat Tchibo erstmals ausschließlich chromfrei gegerbte Leder­ar­tikel angeboten, muss damit aller­dings erheb­liche Nachteile gegenüber chrom­ge­gerbten Wettbe­werbs­ar­tikeln hinnehmen.

Mehrweg­becher: Einen weiteren wichtigen Schritt zur Vermeidung von Abfall und zum Ressour­cen­schutz haben wir 2017 erreicht – durch das Angebot von Mehrweg­be­chern in unseren Tchibo Kaffee Bars. Der Kunde kann diese kaufen oder seinen eigenen mitge­brachten Mehrweg­becher befüllen lassen.

Cafissimo: Auch unsere Cafissimo Kapseln haben wir 2016 umwelt­schonend weiter­ent­wi­ckelt: Wir haben den Alumi­ni­u­manteil der Verpa­ckungen reduziert und die Kapseln so gestaltet, dass sie zu 100 % recycelbar sind.

Kosten­pflichtige Einweg­tüten: 2016 haben wir eine Gebühr für Einweg­tüten einge­führt und dadurch deren Ausgabe in den Tchibo Filialen um fast 90 % reduziert.

Ressour­cen­schonung durch Wieder­ver­wertung: Closed Loop

In der nachhal­tigen Sorti­ments­ge­staltung ist der verant­wor­tungs­volle Umgang mit Ressourcen ein zentraler Bestandteil unserer Aktivi­täten, denn der weltweite Rohstof­fabbau sowie das hohe Müllauf­kommen tragen zu globalen Umwelt­her­aus­for­de­rungen, wie dem Klima­wandel und dem Verlust von Biodi­ver­sität, bei. Mit unserem umfas­senden Closed-Loop-Konzept verfolgen wir das Ziel, Stoff­kreis­läufe zu schließen und dadurch wertvolle Ressourcen zu schützen sowie gleich­zeitig den Konsum nachhal­tiger zu gestalten. Für uns bedeutet das, unsere Produkte bereits beim Design so zu gestalten, dass diese möglichst mit recycelten bzw. erneu­er­baren Ressourcen produ­ziert, lange genutzt und am Ende wieder einem hochwer­tigen Recycling zugeführt werden können. Diesen Anspruch haben wir 2014 mit der Unter­zeichnung des Detox Commit­ments bekräftigt. 2016 haben wir Produkt­grupppen auf ihr Closed-Loop-Potenzial hin detail­liert analy­siert und daraus Closed-Loop-Ansätze abgeleitet. Für unsere Produkt­gruppen verfolgen wir die folgenden drei Ansätze: Nutzung recycelter und erneu­er­barer Materialien, Langle­bigkeit sowie Wieder­ver­wendung und Recycling. Für ausge­wählte Produkte hat Tchibo bereits Pilot­pro­jekte mit Closed-Loop-Ansätzen durch­ge­führt.

Tchibo hat bereits 2016 ein kompos­tier­bares T-Shirt angeboten und 2017 eine Spülbürste produ­zieren lassen, die fast komplett aus recyceltem, relativ umwelt­ver­träg­lichem Polypro­pylen (PP) besteht, dem auch für unsere Cafissimo Kapseln verwen­deten Kunst­stoff. Die Kapseln haben wir so weiter­ent­wi­ckelt, dass sie zu 100 % recycelbar sind, weil Recycling­an­lagen den verwen­deten Kunst­stoff als Polypro­pylen erkennen und sie den Kunst­stoff damit stofflich weiter­ver­ar­beiten können. Erfolg­reich getestete Verfahren übertragen wir auf weitere Produkte, um nach und nach Closed-Loop-Produkte in unsere Sorti­mente zu bringen. So schaffen wir Stoff­kreis­läufe – wo immer dies möglich ist.

Damit die Produkte möglichst lange genutzt werden können, formu­lieren wir hohe Quali­täts­stan­dards und über gesetz­liche Anfor­de­rungen hinaus­ge­hende Garan­tie­zeiträume. Gleich­zeitig bieten wir Anlei­tungen zur Pflege und Reparatur unserer Produkte sowie Ersatz­teile an, um somit die Langle­bigkeit der Produkte zu erhöhen. Um die Produkte am Ende ihrer Nutzung bestmöglich weiter­ver­werten zu können, arbeiten wir daran, sie so zu gestalten, dass der überwie­gende Teil ihrer Bestand­teile recycelbar ist. Teil dessen ist es, die gewonnen Erkennt­nisse zu Sammel- und Recycling­s­ys­temen zu berück­sich­tigen und ein verbrau­cher­freund­liches Rücknah­me­system für unsere Produkte zu ermög­lichen. In diesem Sinne unter­stützen wir das Recycling unserer Textilien und haben 2017 eine Koope­ration mit FairWertung geschlossen, um unseren Kunden eine möglichst verbrau­cher­freund­liche und fachge­rechte Rückgabe ihrer Altkleider anzubieten. Mit FairWertung haben wir einen zuver­läs­sigen Partner gefunden, der einen verant­wor­tungs­vollen Umgang mit Kleider­spenden sicher­stellt.

Kunde­n­ori­en­tierung in der Kommu­ni­kation: GUT GEMACHT

Indem wir immer mehr nachhaltige Produkte anbieten, steigern wir auch das Bewusstsein der Verbraucher für verant­wor­tungs­vollen Konsum. Dafür ist eine leicht verständ­liche Kommu­ni­kation hilfreich, denn durch ihre Kaufent­scheidung nehmen auch die Kunden Einfluss darauf, in welcher Breite und Tiefe sowie mit welchem Tempo wir unsere Nachhal­tig­keits­pro­gramme auf dem Weg zu einer 100 % nachhal­tigen Geschäftstä­tigkeit umsetzen. Um sie bei der gezielten Produktwahl zu unter­stützen, müssen wir nachhaltige Sorti­mente deutlich kennzeichnen, wichtige Infor­ma­tionen verbrau­cher­ori­en­tiert aufbe­reiten und leicht zugänglich zur Verfügung stellen. So bauen wir unsere Nachhal­tig­keits­kom­mu­ni­kation konti­nu­ierlich aus und verein­heit­lichen die Kennzeichnung der Produkte, etwa durch unser GUT GEMACHT-Logo als kommu­ni­kative Klammer für alle von uns angewen­deten Nachhal­tig­keits­stan­dards.

Wir kommu­ni­zieren zum einen an den Points of Sale und auf den Verpa­ckungen, zum anderen über vielfältige Kommu­ni­ka­ti­ons­kanäle wie das Tchibo Magazin, unsere eigene Website, den Corporate Blog sowie Social-Media-Platt­formen. Auf tchibo.de haben wir einen Themen­be­reich ausschließlich für das Thema Nachhal­tigkeit einge­richtet, der alle wesent­lichen Infor­ma­tionen zu unseren Aktivi­täten kompakt und verbrau­cher­ori­en­tiert darstellt. Zudem nutzen wir beispiels­weise unseren eigenen YouTube-Kanal, um in Filmen anschaulich und unter­haltsam verschiedene Aspekte der Nachhal­tigkeit zu erklären, insbe­sondere die Bedeutung der Siegel bei Kaffee, Holz und Baumwolle. Damit unsere Mitar­beiter jederzeit über Nachhal­tigkeit bei Tchibo infor­miert sind, schulen wir sie umfassend und bringen sie immer auf den aktuellsten Stand.

Wir wollen, dass unsere Kunden nachhaltige Produkte auf Anhieb erkennen. Deshalb haben wir 2015 das Tchibo Nachhal­tig­keits­bändchen zum Beweis der Nachhal­tigkeit und des angewen­deten Standards am Produkt selbst und in der Produkt­kom­mu­ni­kation einge­führt. Es bietet einen hohen Wieder­er­ken­nungswert und lässt sich flexibel für alle Nachhal­tig­keits­stan­dards anwenden. Bei Produkten mit Bio-Baumwolle wird beispiels­weise neben das Siegel des Organic Content Standards (OCS) gut sichtbar der Hinweis „mit Bio-Baumwolle“ platziert.

Unter der Überschrift „GUT GEMACHT – WEITER­GE­DACHT“ bündeln wir darüber hinaus unsere After-Sales-Kommu­ni­kation zum Thema Nachhal­tigkeit. Auf tchibo.de, in der Tchibo Community und über unseren Corporate Blog finden unsere Kunden jede Menge Infor­ma­tionen und Ideen von Pflege und Reparatur über Upcycling und Refashion bis hin zu sinnvollen Rückgabe- und Recycling­mög­lich­keiten.

Engagement im Bündnis für Verbrau­ch­er­bildung

Kinder und Jugend­liche in Deutschland frühzeitig für verant­wor­tungs­vollen Konsum sensi­bi­li­sieren – mit diesem Anliegen ist Tchibo Anfang 2013 dem „Bündnis für Verbrau­ch­er­bildung“ der Deutschen Stiftung Verbrau­cher­schutz beige­treten. In diesem Bündnis setzen sich Vertreter aus Unter­nehmen, Politik, Schul­be­hörden, Wissen­schaft, Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tionen, Wirtschafts­ver­bänden und Minis­terien sowie Einzel­per­sonen dafür ein, die Entschei­dungs- und Konsum­kom­pe­tenzen von jungen Menschen zu stärken, ohne für einzelne Marken zu werben. Aktuell unter­stützt das Bündnis beispiel­hafte Schul­pro­jekte zur Verbrau­ch­er­bildung.