NACHHALTIGKEITSBERICHT
2016

In Netzwerken: gemeinsam für bessere Rahmen­be­din­gungen

In Multi-Stake­holder-Initia­tiven engagiert sich Tchibo gemeinsam mit anderen relevanten Akteuren aus der Branche, aus Politik, Wirtschaft, Verbänden, Gewerk­schaften und dem gesell­schaft­lichen Umfeld für bessere Rahmen­be­din­gungen in den Kaffee­an­bau­ländern. Denn politische oder struk­tu­relle Themen lassen sich häufig über Einzel­pro­jekte nicht oder nur teilweise bearbeiten. Für die Kaffee­farmer zählen zu den drängenden Themen der Ausbau der Infra­struktur, die Bereit­stellung von Inves­ti­ti­ons­mitteln und klare politische Regelungen für einen umwelt- und sozial­ver­träg­lichen Kaffee­anbau.

Unser Ziel und unser Anspruch bei Allianzen: die struk­tu­rellen und finan­zi­ellen Rahmen­be­din­gungen für Farmer im Ursprung zu verbessern (ökono­mische Perspektive) sowie die Gemein­schaften vor Ort, insbe­sondere die Frauen und Kinder, in Bildung und zusätz­lichen Einkom­mens­mög­lich­keiten zu unter­stützen (soziale Perspektive). Darüber hinaus engagieren wir uns dafür, die ökolo­gi­schen Grund­lagen für den Kaffee­anbau zu erhalten (ökolo­gische Perspektive).

Global Coffee Platform

Im März 2016 hat sich das Sustainable Coffee Program (SCP) – eine Koope­ration inter­na­tio­naler Kaffeeröster mit der Initiative für nachhal­tigen Handel (IDH) aus den Nieder­landen als öffent­licher Partner – mit der 4C Association zu der Global Coffee Platform (GCP) zusam­men­ge­schlossen. Dieser Zusam­menschluss hat das Ziel, alle wesent­lichen Akteure und Initia­tiven der Kaffee­branche – private sowie öffent­liche – in einer globalen Allianz zu vereinen und gemeinsam überge­ordnete Themen zu adres­sieren. Dadurch können mehr gemeinsame Aktivi­täten auf globaler und natio­naler Ebene reali­siert werden. Im Mittel­punkt des Handelns steht der Klein­farmer. Über 300 Organi­sa­tionen haben hierfür die gemeinsame Zusam­men­arbeit mit Regie­rungen vereinbart.

Hierfür hat die GCP mit der ICO (Inter­na­tional Coffee Organi­sation), in der die Regie­rungen der Produ­zen­ten­länder vertreten sind, ein Memorandum of Under­standing über die gemeinsame Zusam­men­arbeit abgeschlossen.

Im Rahmen der GCP übernehmen wir eine aktive Rolle bei der Gestaltung eines nachhal­tigen Kaffee­sektors. Tchibo hat an der Gründung der GCP mitge­wirkt und einen Sitz im Steue­rungs­gremium. Anfang 2017 konnte als wichtiges Ergebnis ein weiteres Memorandum of Under­standing mit dem Bundes­mi­nis­terium für wirtschaft­liche Zusam­men­arbeit und Entwicklung unter­zeichnet werden.

Als offene und inklusive Organi­sation wird die GCP das Ziel verfolgen, eine nachhaltige Entwicklung im Kaffeeur­sprung durch­zu­setzen:

„Vision 2020/2030“: Sie bildet die Grundlage des neuen Zusam­menschlusses. Nur wenn alle Akteure unter einer gemein­samen Vision zusam­men­ar­beiten, kann eine größere Wirkung bei der Produk­ti­vi­täts­stei­gerung und der Verbes­serung der Lebens­be­din­gungen der Kaffee­farmer erzielt werden. Die Vision beschreibt, welche Maßnahmen nötig sind, um einen nachhal­tigen Kaffee­sektor zu gestalten:


  • Organi­sation der Klein­farmer zu Koope­ra­tiven
  • Verbes­serung der Produk­ti­vität und des Einkommens
  • Vermeidung und Verhin­derung unzuläs­siger Kinder­arbeit
  • Gleich­stellung von Frauen und Männern, von Mädchen und Jungen
  • Rehabi­li­tation der Ökosysteme
  • Anpassung an den Klima­wandel, Reduzierung des Beitrags zum Klima­wandel
  • Zugang zu Finanzen und Verbes­serung der betriebs­wirt­schaft­lichen Kennt­nisse
  • Förderung von Nachhal­tig­keit­sa­genden der Produk­ti­ons­länder

30 GCP-Mitglieder aus dem privaten Sektor, dazu zählen namhafte Röster, Expor­teure und Kaffee­händler, haben den Aufruf der gemein­samen Agenda „Vision 2030 Call for Collective Action“ unter­zeichnet.

Nationale Platt­formen: Neben einer globalen Struktur der Organi­sation wurde auch die Etablierung natio­naler Platt­formen mit natio­nalen Teilnehmern unter­stützt, denn diese können sehr viel besser beurteilen, was es in einem Land braucht, um die nachhaltige Entwicklung des Kaffee­sektors voran­zu­treiben und regionale Lösungen zu initi­ieren. Es werden Nachhal­tig­keits-Curricula (National Sustaina­bility Curricula) entwi­ckelt, in denen landes­ty­pische Bedin­gungen zur Errei­chung von mehr Nachhal­tigkeit aufge­zeigt werden.

Global Workstreams: Die thema­ti­schen Felder aus der Vision 2030 werden als „Workstreams“ aufge­griffen, da es hier um globale Problem­stel­lungen geht, die umfas­sende Lösungen benötigen. In den drei „Workstreams“ geht es um den Umgang mit dem Klima­wandel, die Wirtschaft­lichkeit des Kaffee­anbaus und die Einbindung der Farmer­frauen und Jugend­lichen.

Tools zur Unter­stützung:

  • ein globales Rahmenwerk für Erfolgs­messung, das dem Sektor erlaubt, konti­nu­ierlich Entwick­lungen und Erfolge nachhal­tigen Engage­ments zu bewerten, zu verbessern und zu veröf­fent­lichen
  • eine Online-Plattform zum Lernen, für die Community-Bildung und für Aktionen
  • der Baseline Common Code als branchen­weite Referenz, um 100 % der Kaffee­pro­duktion zu erreichen

Auf Basis dieser drei Säulen ist es ein wesent­liches Ziel der GCP, Kaffee­klein­farmer dabei zu unter­stützen, Koope­ra­tiven zu bilden und ihre Produk­ti­vität sowie ihr Einkommen zu steigern. Unzulässige Kinder­arbeit soll verhindert und die Gesell­schaft vor Ort durch Unter­stützung von Frauen und Jugend­lichen stabi­li­siert werden, der Umwelt­schutz soll erhöht und die Ökosysteme sollen erhalten werden.

Inter­na­tional Coffee Partners

Im Jahr 2001 hat Tchibo die Initiative Inter­na­tional Coffee Partners (ICP) mitge­gründet, einen Zusam­menschluss bedeu­tender europäi­scher Röster und eines Rohkaf­fee­händlers. Nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbst­hilfe“ unter­stützt ICP Klein­farmer dabei, ihre Produk­ti­vität auf Basis nachhal­tiger Anbau­me­thoden zu steigern, um ein höheres Einkommen zu erzielen und dadurch ihre Lebens­be­din­gungen zu verbessern.

Im Rahmen von ICP engagiert sich Tchibo in Projekten in Latein­amerika, Afrika und Asien. Insgesamt ist ICP derzeit in zwölf Ländern mit Projekten aktiv. Diese richten sich stets direkt an Klein­farmer, ihre Familien und Gemein­schaften vor Ort. Mit einge­bunden werden lokale und inter­na­tionale Entwick­lungs­or­ga­ni­sa­tionen, die öffent­liche Hand, Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tionen und Vertre­tungen der Produ­zenten.

Seit 2001 wurden insgesamt 17 Projekte abgeschlossen, in die mehr als zwölf Millionen Euro private und öffent­liche Förder­mittel inves­tiert wurden. Im Rahmen der Projekte konnten über 43.000 Farmer und rund 284.000 Famili­en­mit­glieder erreicht werden.

Coffee & Climate

Von den Auswir­kungen des Klima­wandels ist der Kaffee­anbau direkt betroffen. Damit die Farmer die Qualität und Quantität ihrer Erträge halten oder verbessern können, müssen sie ihre Anbau­prak­tiken an die verän­derten Wetter­muster anpassen. Dabei unter­stützt sie seit 2010 die Initiative Coffee & Climate. Tchibo gehört zu den Gründungs­mit­gliedern der Initiative – neben weiteren inter­na­tio­nalen Kaffee­un­ter­nehmen, einem Rohkaf­fee­händler und der Deutschen Gesell­schaft für Inter­na­tionale Zusam­men­arbeit (GIZ). Die Initiative ist in vier strate­gisch bedeut­samen Anbau­re­gionen für Arabica- und Robusta-Bohnen aktiv: Brasilien, Vietnam, Tansania sowie Trifinio – einer Gegend Zentral­ame­rikas im Grenz­gebiet zwischen Guatemala, Honduras und El Salvador. Dort sollen mehr als 70.000 Kaffee­farmer bis Ende 2018 von den Aktivi­täten der Initiative profi­tieren.

Coffee & Climate stellt Farmern und anderen lokalen Akteuren Instru­mente und Wissen zur Verfügung, mit denen sie Risiken des Klima­wandels für den Kaffee­anbau vor Ort erkennen und den Produ­zenten geeignete Anpas­sungs­me­thoden vermitteln können. Ein Instrument ist die C&C-Toolbox – eine frei zugäng­liche Online-Plattform, auf der Best-Practice-Methoden, Hilfe­stel­lungen, Klima­karten und Trainings­ma­terial zu finden sind. Diese Toolbox wurde 2016 weiter­ent­wi­ckelt, zudem wurden Fallstudien in lokalen Sprachen verfasst und die Zusam­men­arbeit mit Organi­sa­tionen auf regio­naler Ebene ausgebaut. Als ein weiteres Ergebnis ihrer Arbeit stellt die Initiative auf ihrer Website den umfang­reichen Leitfaden „Climate Change Adaption in Coffee Production“ bereit.

Biodi­versity in Good Company

Tchibo setzt sich für den Erhalt der biolo­gi­schen Vielfalt und den Schutz der Ökosysteme beim Kaffee­anbau ein. Darum sind wir im Jahr 2012 Mitglied der Initiative Biodi­versity in Good Company des Bundesum­welt­mi­nis­te­riums geworden. Die Initiative bringt Vorrei­ter­un­ter­nehmen aus unter­schied­lichen Branchen zusammen, um gemeinsam Lösungen zum Erhalt der weltweiten Biodi­ver­sität zu entwi­ckeln. Darüber hinaus soll die breite Öffent­lichkeit stärker für das Thema Arten­vielfalt sensi­bi­li­siert werden.

Mit dem Beitritt haben wir eine „Leadership-Erklärung“ unter­zeichnet. Mit ihr verpflichten wir uns dazu, die Wahrung der natür­lichen Arten­vielfalt in das Nachhal­tig­keits­ma­na­gement unseres Unter­nehmens zu integrieren und entspre­chende Ziele und Maßnahmen zu verfolgen. Im Jahr 2016 haben wir den dritten Fortschritts­be­richt zur Leadership-Erklärung veröf­fent­licht.