NACHHALTIGKEITSBERICHT
2016

Ganzheit­liches Liefe­ran­ten­ma­na­gement

Die Auswahl der Produk­ti­ons­länder und -stätten für die Herstellung unserer Gebrauchs­ar­tikel erfolgt nach den Vergaben unseres strate­gi­schen Risiko­ma­na­ge­ments: Wir verteilen die Herstellung von für Tchibo besonders relevanten Waren­gruppen – wenn möglich – auf mindestens zwei Produk­ti­ons­länder, um die Beschaffung dieser Waren sicher­zu­stellen. Die Fabriken wählen wir sorgfältig nach strengen Richt­linien aus, um zu gewähr­leisten, dass sie unseren Qualitäts- und Nachhal­tig­keits­an­for­de­rungen gerecht werden. Dabei sehen wir in langfris­tigen Liefer­be­zie­hungen mit strate­gi­schen Partnern den entschei­denden Hebel. Deshalb haben wir die Zahl der für uns arbei­tenden Liefe­ranten in den letzten Jahren sozial­ver­träglich auf rund 700 reduziert. Mit unseren wichtigsten strate­gi­schen Liefe­ranten, unseren Kernlie­fe­ranten, haben wir Rahmen­ver­träge geschlossen. Sie dürfen für Tchibo bei mehr als nur einem Produ­zenten fertigen lassen. Die Anzahl unserer Kernlie­fe­ranten ist auch im Jahr 2016 konstant bei 41 geblieben. Im Rahmen dieser Risiken minimie­renden Einkaufss­tra­tegie gibt es für drei Einkäufs­länder Beson­der­heiten:

Bangla­desch gehört inter­na­tional seit Jahren zu den wachsenden Märkten für den Einkauf von Bekleidung. In direkter Einkaufs­be­ziehung, das heißt ohne Zwischen­händler, arbeiten wir dort mit wenigen, ausge­wählten Produ­zenten zusammen. Dazu zählen zum einen langjährige Partner, zum anderen neu eröffnete, moderne Fabriken, die unseren strengen Qualitäts- und Nachhal­tig­keits­an­for­de­rungen entsprechen. Wir wickeln den Einkauf in Bangla­desch seit 2012 über ein eigenes Büro in Dhaka ab. Das erleichtert die Steuerung der Produk­ti­ons­stätten erheblich.

Seit vielen Jahren ist das türkische Tradi­ti­ons­un­ter­nehmen Ayka Textile bereits unser Lieferant. Seit 2010 verfügt Ayka auch in Äthiopien über eine Produk­ti­ons­stätte für Textilien, aus der wir Produkte beziehen. In Äthiopien produ­ziert Ayka vollstufig, d. h., es hat alle Produk­ti­ons­schritte von der Verar­beitung der Baumwolle bis zum fertigen Produkt in einer großen, modernen Fabrik konzen­triert. Wir engagieren uns seit 2011 vor Ort mit unserem WE Programm und werden dieses Engagement fortsetzen.

Rund 50 % unseres Gebrauchs­ar­ti­kel­sor­ti­ments wird in China produ­ziert. Auch in China arbeiten wir mit langjäh­rigen Partnern, die über moderne Fabriken verfügen, zusammen. Um konkur­renz­fähig zu bleiben, inves­tieren chine­sische Unter­nehmen zunehmend in die Beklei­dungs­in­dustrie in anderen asiati­schen Ländern, wie zum Beispiel in Myanmar. Dortige Produk­ti­ons­stätten akzep­tieren wir nur, wenn unsere Liefe­ranten nachweisen können, dass sie unsere strengen Vorgaben für Qualität, Umwelt- und Sozial­ver­träg­lichkeit erfüllen.

Achtung der Menschen­rechte in der Liefer­kette sicher­stellen

2011 haben die Vereinten Nationen die Leitprin­zipien für Wirtschaft und Menschen­rechte verab­schiedet. Sie beruhen auf beste­henden Menschen­rechts­ver­pflich­tungen wie der Inter­na­tio­nalen Menschen­recht­scharta oder den ILO-Kernar­beits­normen. Als inter­na­tio­nales Rahmenwerk formu­lieren sie Anfor­de­rungen an Politik und Wirtschaft und bilden damit erstmals einen allgemein anerkannten Referenz­rahmen, der auch die Unter­nehmen in die Pflicht nimmt, in globalen Liefer- und Wertschöp­fungs­ketten Menschen­rechte zu respek­tieren und Menschen­rechts­ver­let­zungen vorzu­beugen. Wir sind uns dieser unter­neh­me­ri­schen Verant­wortung bewusst und haben menschrecht­liche Sorgfalt bereits vor vielen Jahren in unsere Geschäftsprak­tiken integriert. Wir folgen dabei der Leitlinie, Menschrechte zu achten und Menschen­rechts­ver­let­zungen vorzu­beugen – vom Rohstoff bis zum Produkt und über die Einhaltung der natio­nalen Gesetze hinaus. Wir setzen uns dafür ein, dass Beschäf­tigte in den Liefer­ketten ihre Rechte geltend machen können.

Ein zentraler Baustein zur Verbes­serung der Arbeits­be­din­gungen an Produk­ti­ons­stand­orten ist unser Quali­fi­zie­rungs­pro­gramm WE (Worldwide Enhan­cement of Social Quality), mit dem wir bereits seit 2007 durch ein dialog­ba­siertes Training 342 Produ­zenten bei der Umsetzung und Verbes­serung von Arbeits- und Sozial­stan­dards unter­stützen. Ein weiterer wichtiger Schritt auf diesem Weg ist die Unter­zeichnung der Rahmen­ver­ein­barung mit der inter­na­tio­nalen Dachge­werk­schaft Indus­triALL Global Union im September 2016. Ziel dieser Verein­barung ist es, Arbeits­be­din­gungen in den asiati­schen Produk­ti­ons­stätten, aus denen Tchibo Produkte bezieht, weiter zu verbessern. Hierzu gehört insbe­sondere das Recht der Beschäf­tigten, sich gewerk­schaftlich zu organi­sieren und Tarif­ver­hand­lungen zu führen.

Trans­parenz in der Liefer­kette schaffen

Eine wesent­liche Voraus­setzung, um Liefer­ketten nachhaltig zu gestalten, ist Trans­parenz. Doch Liefer­ketten sind komplex, wie die Liefer­kette Baumwoll­tex­tilien beispielhaft zeigt: Vom Baumwol­lanbau über die Ernte und den Transport des Rohstoffs bis zum fertigen Kleidungs­stück sind viele Schritte (Vorstufen) wie das Spinnen, Weben, Wirken, Stricken, Färben, Waschen, Konfek­tio­nieren und Verpacken erfor­derlich, die häufig von verschie­denen Zulie­ferern in verschie­denen Ländern durch­ge­führt werden. Hinzu kommen die Liefe­ranten von „Zutaten“ wie Knöpfen, Reißver­schlüssen und Appli­ka­tionen. Diese verschie­denen Stufen der Wertschöpfung zu kennen, ist eine Heraus­for­derung, der wir uns gemeinsam mit unseren Liefe­ranten stellen, denn die Durch­setzung von Arbeits-, Sozial- und Umwelt­stan­dards betrifft die komplette Liefer­kette aller Produkte, nicht nur den letzten Ferti­gungs­schritt. Unser Konzept der Konzen­tration auf weniger Produ­zenten und deren Entwicklung zu strate­gi­schen Liefe­ranten erleichtert diese Aufgabe ganz erheblich.

Für mehr öffent­liche Trans­parenz in globalen Liefer­ketten haben wir Anfang 2017 unsere Produ­zen­ten­liste für Heimtex­tilien, Bekleidung und Schuhe veröf­fent­licht. Immer mehr Verbraucher wollen wissen, woher die Produkte kommen und unter welchen Bedin­gungen sie gefertigt werden. Diesem Infor­ma­ti­ons­be­dürfnis wollen wir gerecht werden. Jedoch ist dieser Schritt auch mit Risiken für unser Geschäft verbunden, denn mit Veröf­fent­li­chung der Produ­zen­ten­listen haben nun auch alle Wettbe­werber Trans­parenz bezüglich der von uns quali­fi­zierten Produk­ti­ons­stätten – also auch dieje­nigen, die sich gegen eine Veröf­fent­li­chung ihrer eigenen Produ­zen­ten­listen entscheiden. Das birgt die Gefahr des Verlustes von Liefer­ka­pa­zi­täten für unsere eigenen Bedarfe. Doch wir vertrauen auf das Prinzip der Fairness im Wettbewerb und bewerten das gesell­schaft­liche Interesse an einer kraft­vollen Durch­setzung sozialer und ökolo­gi­scher Standards in globalen Liefer­ketten höher als eine mögliche Gefährdung unserer Indivi­dual­in­ter­essen.

Liefe­ran­ten­qua­li­fi­zierung: im Dialog Vertrauen aufbauen und Bedin­gungen verbessern

Um eine langfristige Verbes­serung von Arbeits­be­din­gungen in den Produk­ti­ons­stätten zu erreichen und die Achtung der Menschen­rechte sicher­zu­stellen – insbe­sondere in Asien –, setzt Tchibo seit 2007 auf das Quali­fi­zie­rungs­pro­gramm WE (Worldwide Enhan­cement of Social Quality). Das gemeinsam mit der Deutschen Gesell­schaft für Inter­na­tionale Zusam­men­arbeit (GIZ) und dem Bundes­mi­nis­terium für wirtschaft­liche Zusam­men­arbeit und Entwicklung (BMZ) konzi­pierte Dialog­pro­gramm unter­stützt die Produ­zenten vor Ort dabei, Menschen­rechte in ihren Betrieben einzu­halten und Arbeits­be­din­gungen schritt­weise zu verbessern. Durch Dialog und Trainings versetzen wir Manager und Beschäf­tigte in den Produk­ti­ons­stätten sowie ihre Vertreter in die Lage, wechsel­sei­tiges Vertrauen aufzu­bauen, zu bewahren; moderiert durch dafür ausge­bildete Dialog­trainer entwi­ckeln sie Lösungen eigen­ständig. Tchibo Mitar­beiter nehmen regel­mäßig an Aktivi­täten teil. Ein Ansatz, der Wirkung zeigt: Durch WE konnten Gesund­heits- und Arbeits­schutz optimiert, Löhne erhöht und Sozial­leis­tungen wie Unter­künfte, Kanti­nen­essen und Möglich­keiten zur Freizeit­ge­staltung verbessert werden. Bis Ende 2016 haben 342 Produ­zenten aus neun Ländern (Äthiopien, Bangla­desch, China, Indien, Kambo­dscha, Laos, Myanmar, Pakistan, Thailand, Türkei und Vietnam) an Trainings­maß­nahmen im Rahmen von WE teilge­nommen bzw. das Programm abgeschlossen. Damit haben wir bislang rund 342.000 Menschen in Produk­ti­ons­stätten erreicht – Manager ebenso wie Beschäf­tigte.

2015 haben wir begonnen, das WE Programm auf Basis einer Projek­te­va­lu­ierung und unserer langjäh­rigen Erfah­rungen weiter­zu­ent­wi­ckeln. Zum einen geht es darum, das Programm noch indivi­du­eller auf die jewei­ligen Produk­ti­ons­länder zuzuschneiden und seine Effizienz zu erhöhen. Zum anderen fokus­sieren wir WE im Sinne der sozialen Nachhal­tigkeit noch stärker auf das Thema Menschen­rechte nach den ILO-Kernar­beits­normen. Die Schulung auch auf ökolo­gi­schen Standards lösen wir aus dem WE Programm heraus und verlagern sie in eigen­ständige Programme und Projekte im Rahmen unseres Detox Commit­ments. So können wir die Themen schärfer vonein­ander abgrenzen und die Wirksamkeit der Maßnahmen noch erhöhen.

Fünf Schwer­punkt­themen bilden zukünftig den Kern des Programms: Verhin­derung moderner Formen der Sklaverei, Arbeits­si­cherheit und Gesund­heits­schutz, existenz­si­chernde Löhne und angemessene Arbeits­zeiten, Gewerk­schafts- und Tarif­ver­hand­lungs­freiheit sowie Schutz vor Diskri­mi­nierung und sexuellen Übergriffen. Grund­lagen für Trainings und Maßnahmen im Rahmen dieser Schwer­punkt­themen bilden inter­na­tionale und nationale Standards, Richt­linien und Gesetze. Zwischen den Schwer­punkt­themen entscheiden die Beschäf­tigten und Manager der Produk­ti­ons­stätten und die lokalen Dialog­trainer entscheiden eigen­ständig, welche der Themen sie aufgrund der indivi­du­ellen Situation vorrangig angehen.

Case Study Ayka Textile

In Äthiopien arbeiten wir mit dem türki­schen Tradi­ti­ons­un­ter­nehmen Ayka Textile zusammen, das 2010 eine Fabrik für Bekleidung und Textilien in Addis Abeba eröffnet hat. Bei Ayka Textile in Äthiopien finden alle Produk­ti­ons­schritte von der Verar­beitung der Baumwolle bis zum fertigen Produkt unter einem Dach statt. Rund 7.000 Mitar­beiter arbeiten am Standort Addis Abeba. Bereits seit 2011 engagieren wir uns hier mit dem WE Programm (Worldwide Enhan­cement of Social Quality) und haben seitdem viel erreichet: Die Kommu­ni­kation und die Arbeit­sat­mo­sphäre haben sich deutlich verbessert, ein Lohngrup­pen­system wurde aufgebaut, Mitbe­stim­mungs­struk­turen wurden einge­führt und werden auch prakti­ziert, es besteht ein Vertrauens- und konstruk­tives Arbeits­ver­hältnis mit der örtlichen Gewerk­schaft. Diskri­mi­nie­rungs­fälle haben signi­fikant abgenommen, Maßnahmen zur Arbeits­si­cherheit und im Gesund­heits­schutz wurden einge­führt und die Sozial­leis­tungen für alle Mitar­beiter verbessert

Risiken vorbeugen, Produ­zenten prüfen

Die Wertschöp­fungs­kette eines Gebrauchs­ar­tikels umfasst in der Regel viele Stationen weltweit. In dieser globalen Kette können wir als Handels­un­ter­nehmen Verstöße nicht ausschließen. Aber wir können sie identi­fi­zieren und syste­ma­tisch daran arbeiten, sie zu minimieren. Dafür haben wir ein Risiko­ma­na­gement entlang der Wertschöp­fungs­ketten entwi­ckelt, wie es auch die Leitprin­zipien für Wirtschaft und Menschen­rechte der Vereinten Nationen vorsehen.

Grundlage für die Zusam­men­arbeit mit unseren Liefe­ranten bildet der Tchibo Social and Environ­mental Code of Conduct (SCoC). Die Anfor­de­rungen des SCoC überprüfen wir bei neuen Liefe­ranten und Produ­zenten immer vor Auftrags­vergabe. Nur wenn die Fabriken die Audits bestehen, nehmen wir sie in unser Liefe­ran­ten­port­folio auf. Auf überge­ord­neter Ebene analy­sieren wir zudem die Lage und die Risiken in den Ländern, in denen wir produ­zieren lassen oder produ­zieren lassen möchten. Außerdem priori­sieren wir die Fabriken hinsichtlich der Einhaltung von Menschen­rechten und der Dialog­kultur zwischen Managern und Beschäf­tigten. Die Ergeb­nisse dieser Analysen fließen in die Einkaufss­tra­tegie ein.

Liefe­ranten, die bisher noch nicht am WE Programm teilnehmen konnten, prüfen wir im Rahmen der vorge­ge­benen Fristen alle drei Jahre durch ein Audit, das wir entweder selbst durch­führen oder durch externe Dienst­leister durch­führen lassen. Auch wenn sich unser Produ­zen­ten­mo­ni­toring bewährt hat, entwi­ckeln wir es konti­nu­ierlich weiter. In 2016 haben wir beispiels­weise vermehrt Audits bei vorge­la­gerten Zulie­ferern durch­ge­führt.

Beschwer­de­me­cha­nismen etablieren

Der SCoC, der Bestandteil aller Einkaufs­ver­träge ist, enthält für die Produ­zenten auch die Verpflichtung, Beschwer­de­ver­fahren für Beschäf­tigte bzw. deren Vertreter einzu­richten. In unserem dialo­g­ori­en­tierten Quali­fi­zie­rungs­pro­gramm WE (Worldwide Enhan­cement of Social Quality) schaffen wir für Beschäf­tigte den Raum und die Möglichkeit, Mängel anzusprechen und gemeinsam mit dem Management an Verbes­se­rungen zu arbeiten. Mit der inter­na­tio­nalen Dachge­werk­schaft Indus­triALL Global Union setzen wir uns zudem in beson­derem Maße für Gewerk­schafts­freiheit und für das Recht der Beschäf­tigten, sich gewerk­schaftlich zu organi­sieren, ein. Strate­gisch verfolgen wir damit das Ziel, das Beschäf­tigte vor Ort unabhängige und legitime Arbeit­neh­mer­ver­tre­tungen gründen und von ihrem Recht Gebrauch machen können, sich Gewerk­schaften anzuschließen. Auf diesem Weg sollen direkt vor Ort Verstöße verbessert und Beschwerden gelöst werden. Da der Anteil an (gewerk­schaftlich) organi­sierten Produk­ti­ons­stätten in Asien und damit auch unter unseren Zulie­ferern niedrig ist, hat Tchibo Mecha­nismen aufgebaut, mit denen sich Beschäf­tigte bei Arbeits­rechts­ver­let­zungen auch direkt an Tchibo wenden können: Da die WE Trainer regel­mäßig in den Fabriken vor Ort sind und das nötige Vertrauen zu den Beschäf­tigten aufgebaut haben, sind sie oft erste Kontakt­stelle. Falls sie die Probleme nicht im Rahmen ihrer Aktivi­täten lösen können, schalten sie Tchibo ein und wir suchen auch außerhalb des Programmes nach angemes­senen Maßnahmen. Auch im Rahmen­vertrag mit Indus­triALL ist ein Prozess beschrieben, nach dem die natio­nalen und lokalen Indus­triALL-Mitglieds­ge­werk­schaften von Tchibo über Arbeits­rechts­ver­let­zungen in Produk­ti­ons­stätten infor­mieren; im ersten Jahr der Rahmen­ver­ein­barung haben wir so schon mit Gewerk­schaften aus Bangla­desch, Kambo­dscha und der Türkei an der Lösung von Vorfällen vor Ort gearbeitet. Im Rahmen des „Accord on Building and Fire Safety in Bangladesh“ haben wir mit Gewerk­schafts­ver­tretern, Mitgliedern von Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tionen und Handels­un­ter­nehmen ein fabri­k­über­grei­fendes Beschwer­de­system aufgebaut. Außerdem werden Gesund­heits- und Sicher­heits­ko­mitees einge­richtet, um Sicher­heits­ri­siken frühzeitig zu melden.

Darüber hinaus nehmen wir auch direkt Beschwerden entgegen – über unsere Ombuds­stelle und über Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tionen. Auch über die E-Mail-Adresse social­com­pliance@tchibo.de können Beschwerden direkt an Tchibo adres­siert werden.

Umwelt­aus­wir­kungen in der Produktion reduzieren

Außer für die Umsetzung von Arbeits- und Sozial­stan­dards setzen wir uns auch für die Reduktion der Umwelt­aus­wir­kungen bei der Rohstoff­ge­winnung und der Herstellung unserer Gebrauchs­ar­tikel ein. Wir prüfen die Produ­zenten auf die Einhaltung unserer Umwelt­stan­dards und vermitteln ihnen Know-how zum Klima- und Umwelt­schutz. Wesent­licher Baustein unserer Arbeit ist das im Jahr 2014 unter­zeichnete Detox Commitment gegenüber Green­peace, mit dem wir die Beendigung des Einsatzes unerwünschter Chemi­kalien in der Produktion insbe­sondere unserer Textil­lie­fe­ranten bis 2020 angekündigt haben. Zudem engagieren wir uns in branchen­weiten Initia­tiven für die Reduktion des CO₂-Ausstoßes in der Produktion und den Erhalt der Biodi­ver­sität.

Detox Commitment: Minimierung des Chemi­ka­li­enein­satzes im Fokus

Die Umwelt­schutz­or­ga­ni­sation Green­peace hat 2011 ihre Detox-Kampagne gestartet, um auf den Einsatz gefähr­licher Chemi­kalien in der Textil­pro­duktion aufmerksam zu machen. Mit der Unter­zeichnung und Veröf­fent­li­chung des Detox Commit­ments haben wir uns im Oktober 2014 wie viele andere inter­na­tionale Handels­un­ter­nehmen dazu bekannt, den Einsatz unerwünschter Chemi­kalien in der Produktion insbe­sondere unserer Textil­lie­fe­ranten bis 2020 zu beenden. Nun geht es darum, Schritt für Schritt dieses ambitio­nierte Ziel zu erreichen – eine besondere Heraus­for­derung vor allem aufgrund der weit verzweigten Liefer­ketten.

Grundlage für die Besei­tigung solcher Chemi­kalien aus unseren Liefer­ketten ist die Manufac­turing Restricted Substances List (MRSL). Diese Liste umfasst poten­ziell gefähr­liche Substanzen, die bei der Herstellung von Textilien, aber auch von anderen Gebrauchs­ge­gen­ständen Verwendung finden können. Im fertigen Produkt sind diese für den Nutzer ungefährlich, sie können sich aber in der Umwelt anrei­chern. Tchibo hat im Bündnis für nachhaltige Textilien die Verab­schiedung gemein­samer Minima­lan­for­de­rungen an eine MRSL als Start­punkt für die Branche unter­stützt. Wir gehen aber in den eigenen Anfor­de­rungen weit darüber hinaus. So galt beispiels­weise schon vor 2016 ein komplettes Verbot aller PFCs (perfluo­rierte Substanzen) für wasser­ab­wei­sende Ausrüs­tungen von Outdoor-Beklei­dungs­tex­tilien. Tchibo setzt statt­dessen PFC-freie Ausrüs­tungen wie ecorepel® ein. Auch gilt ein vollstän­diges Verbot für Flamm­schutz­mittel in der Herstellung der Tchibo Artikel. Diese in der Tchibo MRSL formu­lierten Anfor­de­rungen werden konti­nu­ierlich weiter­ent­wi­ckelt.

Seit der Unter­zeichnung des Detox Commit­ments hat Tchibo syste­ma­tisch Trans­parenz bezüglich der detox­re­le­vanten Vorstufen in seinen textilen Wertschöp­fungs­ketten geschaffen. 2016 haben wir 126 sogenannte Nassbe­triebe identi­fi­ziert, die an der Herstellung von rund 86 % aller 2015 verkauften Textilien beteiligt waren. In diesen Nassbe­trieben haben wir Abwas­ser­tests durch­ge­führt, um Aufschluss über das Vorkommen von unerwünschten Chemi­ka­li­en­gruppen zu erhalten und daraus prioritäre Handlungs­be­darfe abzuleiten. Die Ergeb­nisse dieser Tests werden auf der Plattform des Institute for Public and Environ­mental Affairs (IPE) veröf­fent­licht.

Für die Umsetzung der teils komplexen und anspruchs­vollen Anfor­de­rungen bietet Tchibo seinen Liefe­ranten Hilfe­stel­lungen an. Diese umfassten 2016 unter anderem Trainings und Workshops bei strate­gi­schen Liefe­ranten, die über 47 % der für Tchibo produ­zierten Textilien herstellen.

Darüber hinaus hat Tchibo 2016 seinen Liefe­ranten und Vorlie­fe­ranten ein Handbuch sowie technische Dokumente zur Verfügung gestellt. So dient beispiels­weise ein Format für ein Chemi­ka­lie­nin­ventar als Grundlage für den Aufbau eines Chemi­ka­li­en­ma­na­ge­ment­systems beim Liefe­ranten. Die Vorlage ermög­licht darüber hinaus eine einheit­liche Integration von Detox­an­for­de­rungen in die sektor­weiten Liefer­ketten.

Zur weiteren Förderung des Beratungs­an­ge­botes vor Ort haben wir 2016 zusammen mit der Deutschen Gesell­schaft für Inter­na­tionale Zusam­men­arbeit (GIZ) und der REWE Group ein Quali­fi­zie­rungs­pro­gramm für chemi­kalien- und abwas­ser­in­tensive Produk­ti­ons­be­triebe konzi­piert und verab­schiedet. Im Rahmen des Projektes werden in Bangla­desch und China lokale Experten ausge­bildet, die 110 Produk­ti­ons­be­triebe beim Aufbau eines Chemi­ka­li­en­ma­na­ge­ment­systems begleiten.

Als nächste Schritte werden wir die Unter­stützung unserer Liefe­ranten und von deren Nassbe­trieben bei der Umsetzung der Detox­an­for­de­rungen ausbauen und die Trans­parenz in der Liefer­kette weiter steigern. Parallel dazu werden wir unser Engagement in Koope­ra­tionen und Initia­tiven wie dem Textil­bündnis fortsetzen, um gemeinsame Ansätze innerhalb der Branche zu fördern.

„Tchibo war im Oktober 2014 der erste große Händler, der sich verpflichtete, bis 2020 zu entgiften. Anders als bei anderen Super­markt­ketten gilt dieses Versprechen nicht nur für Kleidung und Schuhe, sondern für das gesamte Non-Food-Sortiment. Die verschie­denen Veröf­fent­li­chungen rund um die Detox­ver­pflichtung zeigen, dass Tchibo sich zum Vorreiter entwi­ckelt hat.“ (Green­peace)

Carbon Perfor­mance Impro­vement Initiative

2011 haben wir mit acht anderen Unter­nehmen die Carbon Perfor­mance Impro­vement Initiative (CPI₂) gegründet. Über ein Online-Tool gibt sie Produk­ti­ons­stätten konkrete Handlungs­emp­feh­lungen, wie sie den Energie­ver­brauch und damit die Treib­h­aus­ga­se­mis­sionen in der Produktion reduzieren können. Seit 2015 sind auch Module zum Wasser- und Chemi­ka­li­en­ma­na­gement integriert. Rund 1.600 Fabriken aus 34 Ländern haben das Tool bereits genutzt. 2017 werden wir – in Ergänzung zu unserem Umwelt­mo­ni­toring und unseren Detoxqua­li­fi­zie­rungs­pro­grammen – weitere Fabriken, die für Tchibo produ­zieren, für die Nutzung des Online-Tools gewinnen.

Biodi­versity in Good Company

Seit 2012 sind wir Mitglied in der branchen­über­grei­fenden Initiative Biodi­versity in Good Company. Mit der Unter­zeichnung der Leadership-Erklärung verpflichten wir uns unter anderem dazu, den Schutz der biolo­gi­schen Vielfalt in unser Umwelt­ma­na­ge­ment­system aufzu­nehmen, konkrete Biodi­ver­si­täts­ziele zu definieren und diese gemeinsam mit unseren Liefe­ranten schritt­weise umzusetzen. 2016 haben wir den dritten Fortschritts­be­richt veröf­fent­licht.