NACHHALTIGKEITSBERICHT
2016

Bildung als Basis für bessere Lebens­be­din­gungen

Tchibo engagiert sich mit gezielten Bildungs­pro­jekten in den Ursprungs­ländern für bessere Lebens­ver­hält­nisse. In Zusam­men­arbeit mit Partnern vor Ort setzen wir insbe­sondere bildungs- und berufs­ori­en­tierte Projekte mit Kindern und Jugend­lichen um. Dabei folgen wir dem Prinzip „Hilfe zur Selbst­hilfe“.

Guatemala: Bildungs- und Betreu­ungs­an­gebote für Kinder und Jugend­liche

In Guatemala engagieren wir uns für die Betreuung der Kinder von Wander­ar­beitern und Erntehelfern. Ihre Schul­ferien überschneiden sich oft mit der Erntezeit der Kaffee­kir­schen. Da es kaum Betreu­ungs­an­gebote gibt, nehmen viele Wander­ar­beiter und Erntehelfer ihre Kinder auf die Kaffee­felder mit. Während die kleineren Kinder an den steilen und gefähr­lichen Berghängen spielen, lassen die Eltern die größeren oft mitpflücken. Nicht selten wird dadurch die Grenze zu unzuläs­siger Kinder­arbeit überschritten. Wir schaffen Alter­na­tiven, indem wir Bildungs- und Betreu­ungs­an­gebote für Kinder in verschie­denen Regionen Guate­malas fördern.

Gemeinsam mit der Coffee Care Association sind wir seit 2011 in der Region Huehue­tenango aktiv, wo wir während der Erntezeit Kinder­ta­ges­stätten betreiben und Ausbil­dungs­se­minare für Jugend­liche anbieten.

Seit 2013 engagieren wir uns auch in der Region Chiquimula: Gemeinsam mit der weltweit größten Kinder­rechts­or­ga­ni­sation Save the Children haben wir zunächst in zwölf Gemeinden der Region Olopa sechs Kinder­ta­ges­stätten eröffnet und damit bisher in der Kaffee-Erntezeit von November bis Februar mehr als 800 Kindern eine alters­ge­rechte Betreuung ermög­licht, die Bildungs­an­gebote, eine vollwertige Ernährung sowie medizi­nische Versorgung beinhaltet. Zudem erhielten Mädchen und Jungen der Region an 18 Schulen während der regulären Schulzeit zusätz­lichen Unter­richt. Insgesamt nahmen 200 Lehrer an Weiter­bil­dungen teil und bekamen Schul­ma­terial gestellt. Außerdem wurden etwa 900 Eltern in die Projekt­arbeit einbe­zogen und besuchten Elternabende zu den Themen Kinder­rechte und Bildung für Kinder. Die positive Entwicklung des Projekts hat uns 2015 darin bestärkt, es auf eine weitere Region auszu­weiten.

Seit April 2015 sind wir gemeinsam mit Save the Children auch in der Region Jacal­tenango aktiv. In 15 Gemeinden haben wir Projekte gestartet, die bis September 2018 laufen werden. Es ist uns gelungen, innerhalb eines Jahres vier „Child Care Center“ aufzu­bauen, in denen die Kinder während der Kaffee-Erntezeit betreut werden können. Die Jüngeren werden durch spiele­ri­sches Lernen gefördert und die Älteren können schulische Inhalte vertiefen. Zum Angebot gehören dabei auch eine ausge­wogene und vollwertige Ernährung sowie Gesund­heits­checks. Zudem fördern wir mit dem Projekt die Bildung der Kinder das ganze Jahr über an 17 Schulen der Region. Bereits im ersten Jahr konnten wir dabei auch 100 Lehrer zum Thema „Lesen“ trainieren. Über 800 Schüler und 500 Eltern nahmen an Leseför­de­rungs­ak­ti­vi­täten teil. Zudem finden Elternabende zum Thema Kinder­rechte und Bildung sowie Awaren­ess­kam­pagnen statt, um zu vermitteln, wie wichtig der Schul­besuch für die Kinder ist. Seit Projekt­start konnten wir insgesamt 2.124 Kinder und 1.875 Erwachsene direkt erreichen. Indirekt haben rund 10.000 Kinder und 20.000 Erwachsene bisher von dem Projekt profi­tiert.

Tansania: frühzeitig Bildungs­chancen erhöhen

Im Juni 2015 haben wir mit Save the Children ein neues Projekt gestartet: Gemeinsam wollen wir die Bildungs­chancen von Kindern und Jugend­lichen in Tansania verbessern, denn viele von ihnen beenden die Schulzeit bereits im Alter von 13 bis 15 Jahren, ohne richtig lesen und schreiben zu können und ohne einen Abschluss erreicht zu haben. Infol­ge­dessen haben sie kaum eine Möglichkeit, im Anschluss eine Ausbildung zu beginnen. Doch auch die erfolg­reichen Schüler, die ihren Abschluss absol­viert haben, stehen vor weiteren Heraus­for­de­rungen: Die weiter­füh­renden Schulen oder Ausbil­dungs­stätten, an denen sie einen Beruf erlernen könnten, befinden sich häufig sehr weit von ihrem Heimatort entfernt. Somit fehlt ihnen die Chance, sich eine sichere Existenz­grundlage aufzu­bauen.

Unser Projekt setzt deshalb insbe­sondere an zwei Punkten an: Wir engagieren uns dafür, die Bildungs­qua­lität in der Grund­schule zu verbessern, damit mehr Schüler einen Abschluss schaffen. Derzeit können Kinder an 16 Projekt­schulen in der Region Mbeya die Grund­schule regel­mäßig besuchen und abschließen. Zudem helfen wir Jugend­lichen, eine Ausbil­dungs­stätte zu finden, beispiels­weise für das Schneider- oder Schreiner­handwerk. So stehen den Jugend­lichen neben dem Kaffee­anbau weitere Möglich­keiten offen, um ihr eigenes Einkommen zu erzielen und sich eine tragfähige Lebens­grundlage zu schaffen.

Das Projekt wendet sich aber nicht nur an Schüler, sondern auch an Eltern und Lehrer: Eltern werden bestärkt, sich für die Bildung ihrer Kinder einzu­setzen und diese einzu­fordern. Lehrer werden durch Fortbil­dungen in die Lage versetzt, den Unter­richt praxis­näher und kindge­rechter zu gestalten.

Ziel ist es, bis zum Projek­tende im November 2017 rund 2.400 Kinder, 300 Jugend­liche, 160 Lehrer und 1.700 Eltern direkt zu erreichen.