NACHHALTIGKEITSBERICHT
2016

Tchibo Joint Forces!®

In der Liefer­kette: Unter­stützung der Klein­farmer und ihrer Familien

Mit unserem Quali­fi­zie­rungs­pro­gramm Tchibo Joint Forces!® setzen wir bei den Kaffee­farmern in der Liefer­kette unseres Premi­um­sor­ti­ments an. Wir unter­stützen sie bei der schritt­weisen Umstellung vom konven­tio­nellen auf einen ökolo­gisch und sozial verträg­lichen sowie ökono­misch zukunfts­fä­higen Kaffee­anbau: durch Maßnahmen, die auf ihre spezi­fi­schen Heraus­for­de­rungen zugeschnitten sind. Dazu zählen Trainings, Bildungs­an­gebote für die ganze Familie, der Zugang zu Infra­struktur und der Aufbau langfris­tiger Liefe­ran­ten­be­zie­hungen. Im Rahmen von Tchibo Joint Forces!® arbeiten wir mit Rohkaffee-Expor­teuren, Rohkaf­fee­händlern, Agrar­wis­sen­schaftlern sowie inter­na­tio­nalen Standard­or­ga­ni­sa­tionen, Regie­rungs- und Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tionen zusammen. Seit Start des Programms 2012 haben wir rund 30.000 Kaffee­farmer in Brasilien, Honduras, Kenia, Kolumbien, Papua-Neuguinea, Tansania und Vietnam mit dem Programm Tchibo Joint Forces!® erreicht und vielen eine Zerti­fi­zierung nach den Anfor­de­rungen der inter­na­tional anerkannten Standard­or­ga­ni­sa­tionen Rainforest Alliance, Fairtrade und UTZ bzw. eine Validierung nach dem Basis­standard der 4C Association ermög­licht.

Bedarf­s­ori­en­tierte Weiter­ent­wicklung des Quali­fi­zie­rungs­pro­gramms Tchibo Joint Forces!®

Die Wirksamkeit unseres Engage­ments in der Liefer­kette prüfen wir im Rahmen der Analyse unserer Gesamt­stra­tegie. Dabei werden unsere Aktivi­täten mit aktuellen globalen Entwick­lungen und den gesell­schaft­lichen Erwar­tungen gespiegelt ebenso wie mit unserem eigenen Anspruch, eine nachhaltige Ausrichtung des Kaffee­sektors voran­zu­treiben. Sowohl der globale Kontext als auch die gesell­schaft­lichen Erwar­tungen haben sich in den letzten Jahren verändert, wie etwa die UN Sustainable Development Goals (SDGs) oder die UN Guiding Principles on Business and Human Rights zeigen. Zudem sehen wir auch unseren eigenen Wirkungs­an­spruch anhand erster Evalu­ie­rungen noch nicht ausrei­chend erfüllt. Es ist deutlich geworden, dass die Kaffee­farmer eine sowohl nach Entwick­lungs­stand des Farmers als auch nach länder­spe­zi­fi­schem Kontext noch bedarfs­ge­rechtere Unter­stützung benötigen. Schließlich stehen sie vor vielfäl­tigen Heraus­for­de­rungen, angefangen beim Klima­wandel über gestiegene Produk­ti­ons­kosten und komplexer gewordene Märkte bis hin zu unzurei­chenden Bildungs­an­ge­boten für ihre Kinder. Deshalb haben wir Tchibo Joint Forces!® weiter­ent­wi­ckelt. Unser Ziel: durch einen breiteren Ansatz den unter­schied­lichen Bedarfen und Entwick­lungs­stadien in unserer Liefer­kette im Premi­um­segment noch besser gerecht werden. Kern der Weiter­ent­wicklung ist die Umstellung von dem bishe­rigen modularen Trainings­pro­gramm auf eine Toolbox. Nach dem Grundsatz „Hilfe zur Selbst­hilfe“ wollen wir damit zur Verbes­serung von lokalen und regio­nalen Struk­turen beitragen. Diese Toolbox wird jeweils auf die unter­schied­lichen Bedarfe der Regionen zugeschnitten, ist skalierbar und geht über die bishe­rigen Trainings­module hinaus.

Die Toolbox umfasst im Wesent­lichen folgende Elemente:

  • Trainings­an­gebote
  • langfristige Liefer­ver­träge
  • Zerti­fi­zie­rungen nach den Anfor­de­rungen inter­na­tio­naler Standard­or­ga­ni­sa­tionen
  • Bildungs­an­gebote (für Kinder)
  • Gemein­de­pro­jekte

Ziel ist es, durch Anwendung der Maßnahmen aus der Toolbox die Qualität und Quantität des Kaffees der einbe­zo­genen Farmer zu steigern und die Profi­ta­bi­lität zu erhöhen. Ziel ist es, die lokalen Struk­turen so zu verbessern, dass die Maßnahmen dauerhaft wirken. So bieten wir beispiels­weise Trainings zum Einsatz von Dünge­mitteln und Pesti­ziden, zur Buchhaltung und zum Verkaufsprozess. Indem wir langfristige und stabile Liefe­ran­ten­be­zie­hungen pflegen und mit Standard­or­ga­ni­sa­tionen Compliance in der Liefer­kette stärken, erhalten und verbessern wir die Voraus­set­zungen für den Anbau von hochwer­tigem Kaffee. Zudem konzen­trieren wir uns auf spezi­fische Themen wie Farming als Famili­en­un­ter­nehmen oder Bildungs­an­gebote für Kinder und Jugend­liche, um auch die Farmer­fa­milien und die Gemeinden in eine nachhaltige Entwicklung einzu­be­ziehen und so die Lebens­be­din­gungen in den Regionen insgesamt zu verbessern.

Erste Wirkungs­messung von Tchibo Joint Forces!® in Brasilien

2016 haben wir begonnen, eine Wirkungs­messung von Tchibo Joint Forces!® durch­zu­führen, um zu ermitteln, welche Maßnahmen den Farmern am besten helfen. Die erste Messung haben wir im Projekt Minas Gerais in Brasilien durch­ge­führt. Dort beziehen wir Fairtrade-zerti­fi­zierten Rohkaffee von der Koope­rative COOPFAM. Zu den wichtigsten Ergeb­nissen dieser Messung zählt: Die Kaffee­farmer verkaufen ihre Bohnen vorzugs­weise an die Koope­rative COOPFAM, da diese ihnen wettbe­werbs­fähige Preise zahlt, und sie betrachten deren Trainings­an­gebote als hilfreich. Ein Großteil würde gerne ausschließlich an COOPFAM verkaufen, aufgrund teilweise mangelnder Qualität werden jedoch nicht alle Kaffee­bohnen abgenommen. Gleich­zeitig hat sich gezeigt, dass es bisher keine ausrei­chenden Best-Practice-Methoden in Bezug auf den Einsatz von Schäd­lings­be­kämp­fungs­mitteln gibt, jedoch für das Jäten und Beschneiden. Verbes­se­rungs­bedarf wurde bei der Nachernte ermittelt (bspw. in den Trock­nungs­pro­zessen und bei der Lagerung). Insgesamt können die Farmer ihre Kosten nur wenig einschätzen und führen auch kein Buch über diese Kosten.

Aus den Ergeb­nissen der Wirkungs­messung haben wir folgende Maßnahmen abgeleitet: Die Farmer sollen Trainings für eine Verbes­serung der Nachern­te­prak­tiken sowie für die Wirtschaft­lich­keits­be­rechnung erhalten. Die Betei­ligung von Frauen soll zusätzlich zu den beste­henden Programmen von COOPFAM erhöht werden, bewährte Praktiken zur Bekämpfung von Schäd­lingen und Krank­heiten sollen vorge­stellt und das Verständnis für Kaffee­qua­li­täten anhand von Verkos­tungs­trai­nings (sogenannten Cuppings) ausgebaut werden.

Zukünftig ist bei jedem neuen Projekt eine Baseline-Evalu­ierung geplant. Dafür haben wir im Rahmen von Tchibo Joint Forces!® einen eigenen Projekt­strang definiert.Ür

Quali­fi­zie­rungs­pro­gramm Tchibo Joint Forces!®

30.000 Kaffee­farmer haben bislang am Quali­fi­zie­rungs­pro­gramm TJF!® teilge­nommen.

Für das Jahr 2017 werden drei neue Tchibo Joint Forces!®-Projekte starten: in Guatemala, Honduras und Tansania – drei Regionen, aus denen wir nachhaltige Rohkaf­fee­qua­li­täten u. a. für unsere Privat­kaffees beziehen. In den Projekten werden wir mit Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tionen, Standard­or­ga­ni­sa­tionen und Händlern zusam­men­ar­beiten – mit dem Ziel, den Kaffee­anbau nachhaltig und für die Farmer langfristig profi­tabel zu gestalten, sodass die Farmer und ihre Familien ihre Lebens­be­din­gungen verbessern und wir unsere Rohkaf­fee­qua­li­täten sichern können.