NACHHALTIGKEITSBERICHT
2016

Sich gemeinsam für bessere Arbeits­be­din­gungen einsetzen

Um Sozial- und Umwelt­stan­dards auf natio­naler und inter­na­tio­naler Ebene zum Durch­bruch zu verhelfen, braucht es gemeinsame Anstren­gungen von Politik, Unter­nehmen, Arbeit­ge­ber­ver­bänden und Gewerk­schaften sowie Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tionen. Deshalb engagieren wir uns in verschie­denen Initia­tiven – sowohl auf Branche­nebene als auch darüber hinaus.

Für Gewerk­schafts­freiheit und das Recht auf Tarif­ver­hand­lungen: Rahmen­ver­ein­barung mit der inter­na­tio­nalen Dachge­werk­schaft Indus­triALL Global Union

Als erstes deutsches Handels­un­ter­nehmen unter­zeich­nete Tchibo im September 2016 eine Rahmen­ver­ein­barung mit der inter­na­tio­nalen Dachge­werk­schaft IndustriALL Global Union. Mit diesem Schritt bestärken wir unser Engagement für die Verbes­serung von Arbeits­be­din­gungen einschließlich Gewerk­schafts­freiheit und des Rechts von Beschäf­tigten in den Produk­ti­ons­ländern, Tarif­ver­hand­lungen zu führen. Es soll Beschäf­tigten in unseren Zulie­fer­be­trieben für Gebrauchs­ar­tikel durch die Verein­barung leichter gemacht werden, gemeinsam mit örtlichen Gewerk­schaften Löhne, Sozial­leis­tungen und Arbeits­zeiten inner­be­trieblich und indus­trieweit auszu­handeln.

Tchibo arbeitet bereits seit zehn Jahren mit Indus­triALL Global Union und deren Mitgliedern zusammen. Der globale Dachverband der Gewerk­schaften der verar­bei­tenden Industrie ist ein wichtiger Partner bei Beschwer­de­fällen in den Fabriken, bei der Entwicklung von Strategien und Programmen sowie in der Zusam­men­arbeit mit anderen Unter­nehmen zum Thema Gebäude- und Brand­schutz in Bangla­desch.

 

Für mehr Sicherheit am Arbeits­platz: Accord on Fire and Building Safety in Bangladesh

2012 hat Tchibo als zweites Unter­nehmen weltweit das von führenden Gewerk­schaften und Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tionen initi­ierte Gebäu­de­si­cher­heits- und Brand­schutz­ab­kommen „Accord on Fire and Building Safety in Bangladesh“ unter­zeichnet. Seit Mai 2013 haben sich über 200 weitere inter­na­tionale Beklei­dungs­un­ter­nehmen dem Abkommen angeschlossen. Als Mitglied des Steue­rungs­gre­miums von November 2014 bis September 2015 hat Tchibo die Umsetzung der Maßnahmen zusammen mit Vertretern anderer Unter­nehmen und Gewerk­schaften voran­ge­trieben. Im Mittel­punkt des zunächst bis Mai 2018 geltenden Abkommens stehen unabhängige Exper­ten­in­spek­tionen zu Brand­schutz, Elektro- und Gebäu­de­si­cherheit. Werden dabei Mängel entdeckt, sind die Eigen­tümer verpflichtet, diese innerhalb der festge­legten Fristen zu beheben. Bis Ende 2014 wurden bei allen für Tchibo in Bangla­desch produ­zie­renden Betrieben Inspek­tionen durch­ge­führt. Wir unter­stützen die Eigen­tümer und arbeiten gemeinsam mit den Betrieben an der konti­nu­ier­lichen Verbes­serung der Gebäude- und Feuer­si­cherheit, etwa durch die Moder­ni­sierung der Brand­schutz­an­lagen. Die Beschäf­tigten werden ermutigt und darin geschult, Sicher­heits­ri­siken, die sie erkennen, auch zu melden. Das Abkommen wurde 2016 über Mai 2018 hinaus verlängert. Damit ist sicher­ge­stellt, dass die Verbes­se­rungs­maß­nahmen für Sicherheit in den Fabriken auch künftig von unabhän­gigen Stellen überwacht und die Beschäf­tigten in ihren Rechten gestärkt werden, bis die Behörden in Bangla­desch die nötigen Struk­turen aufgebaut haben, umd die Arbeit des Accords fortzu­setzen.

Für existenz­si­chernde Löhne: ACT (Action, Colla­bo­ration, Trans­for­mation) on living wages

Gemeinsam mit anderen Beklei­dungs- und Textil­händlern und dem inter­na­tio­nalen Gewerk­schafts­dach­verband Indus­triALL Global Union engagiert sich Tchibo in der Initiative ACT (Action, Colla­bo­ration, Trans­for­mation) für branchen­weite Lohnver­hand­lungen zwischen gleich­be­rech­tigten Sozial­partnern. Ziel der Initiative ist es, indus­trie­weite Tarif­ver­hand­lungen in allen Produk­ti­ons­märkten durch­zu­setzen, unter­stützt durch Trainings in den Fabriken und bei den Gewerk­schaften. So sollen existenz­si­chernde Löhne für alle Beschäf­tigten in der Textil­in­dustrie des Landes Realität werden, unabhängig davon, in welchen Fabriken sie arbeiten und für welche Hersteller und Marken dort produ­ziert wird. Regeln für faires Einkaufs­ver­halten (sogenannte Purchasing Practices) für alle globalen Händler sollen dazu dienen, den Lohndruck zu reduzieren. Gewollte Wirkung eines solchen Sekto­ran­satzes ist auch, dass es nicht zu Wettbe­werbs­ver­zer­rungen kommt, weil alle Produk­ti­ons­stätten höhere Löhne zahlen müssen. Tchibo bringt sich in die Initiative aktiv ein und ist Mitglied in der Arbeits­gruppe „Purchasing Practices“.

Für soziale und ökolo­gische Standards entlang der Liefer­ketten: Textil­bündnis

Das Bundes­mi­nis­terium für wirtschaft­liche Zusam­men­arbeit und Entwicklung (BMZ) hat im Oktober 2014 gemeinsam mit Vertretern der Textil­wirt­schaft, der Gewerk­schaften, der Zivil­ge­sell­schaft sowie inter­na­tio­nalen Nachhal­tig­keit­si­ni­tia­tiven und Standard­or­ga­ni­sa­tionen das Bündnis für nachhaltige Textilien ins Leben gerufen. Ziel des Bündnisses von Wirtschaft, Politik, Nicht­re­gie­rungs- und Standard­or­ga­ni­sa­tionen sowie Gewerk­schaften und Wissen­schaft ist es, soziale und ökolo­gische Standards entlang der globalen textilen Wertschöp­fungs­ketten zu verbessern.

2015 sind wir dem Bündnis beige­treten. Wir engagieren uns in allen Arbeits­gruppen des Bündnisses. Im August 2017 haben wir im Rahmen des Bündnisses unseren „Fahrplan“ für 2017 öffentlich gemacht. Er enthält 15 Maßnahmen, mit denen die Umwelt- und Arbeits­be­din­gungen in unseren Textil­lie­fer­ketten weiter verbessert werden.

Im Rahmen unserer Mitglied­schaft unter­stützen wir derzeit zwei Bündnis­i­ni­tia­tiven: den Multi-Stake­holder-Prozess zur syste­ma­ti­schen Verbes­serung der Arbeits­be­din­gungen für Mädchen und junge Frauen in Garnspin­ne­reien im südin­di­schen Bundes­staat Tamil Nadu sowie die Initiative zum Chemi­kalien- und Umwelt­ma­na­gement auf Basis einer strate­gi­schen Allianz mit der Deutschen Gesell­schaft für Inter­na­tionale Zusam­men­arbeit (GIZ) und der REWE Group.

2017 hat das Bündnis in Pakistan ein Wasser­ma­na­ge­ment­projekt initiiert, das den extrem hohen Wasser­ver­brauch in der Baumwoll­lie­fer­kette reduzieren und damit auch den Konflikt mit der Trink­was­ser­ver­sorgung entschärfen wird.

Für Arbeits- und Sozial­stan­dards im Textil- und Beklei­dungs­sektor in Myanmar

2016 haben wir eine weitere Koope­ration mit der Deutschen Gesell­schaft für Inter­na­tionale Zusam­men­arbeit (GIZ) gestartet. Im Rahmen des GIZ-Projektes „Arbeits- und Sozial­stan­dards im Textil- und Beklei­dungs­sektor in Asien“ setzen wir uns in Myanmar für die Einhaltung der Menschen­rechts- und Arbeits­normen ein. Bei unseren vier Kernlie­fe­ranten in Myanmar führen wir ein gemein­sames Trainings­pro­gramm durch mit dem Ziel, den sozialen Dialog zwischen Management, Beschäf­tigten, deren Vertretern und Wirtschafts­ver­bänden zu stärken und zu verbessern. Neben der GIZ ist auch die nationale Mitglieds­ge­werk­schaft der Indus­triALL Global Union, CTMU, unser Partner vor Ort, denn die Trainings in Myanmar sind Bestandteil unserer Aktivi­täten im Kontext der Rahmen­ver­ein­barung mit Indus­triALL.

Für eine saubere Produktion: Aufbau lokaler Beratungs­struk­turen für Detox

Bei der Erfüllung der anspruchs­vollen Ziele des Detox Commit­ments sind viele Liefe­ranten und deren Zulie­ferer auf Beratungs­an­gebote angewiesen. Diese Angebote sowie lokale Netzwerke fehlen jedoch oft vor Ort. In der durch das Textil­bündnis als Bündnis­i­ni­tiative unter­stützten Koope­ration von Tchibo und der REWE Group mit der Deutschen Gesell­schaft für Inter­na­tionale Zusam­men­arbeit (GIZ) wird derzeit ein Trainings­pro­gramm für Detox­be­rater und Detox­aus­bilder entwi­ckelt. Ziel des Projektes ist es, in China und Bangla­desch lokale Beratungs­struk­turen zu schaffen und die Produ­zenten vor Ort dabei zu unter­stützen, ein detox­kom­pa­tibles Chemi­ka­li­en­ma­na­gement aufzu­bauen.

Für den Bio-Baumwoll-Sektor: Organic Cotton Accele­rator

Baumwolle ist für Tchibo Gebrauchs­ar­tikel Rohstoff Nummer eins. Deshalb setzt sich Tchibo auf verschie­denen Ebenen für Nachhal­tigkeit im Baumwol­lanbau und in der Verar­beitung von Baumwolle ein. Als Gründungs­mit­glied der Multi-Stake­holder-Initiative „Organic Cotton Accele­rator“ (OCA) engagieren wir uns für einen wachsenden Bio-Baumwoll-Sektor, von dem alle profi­tieren – vom Farmer bis zum Verbraucher. 

Die Mitglieder des OCA arbeiten in gemein­samen Entwick­lungs­pro­jekten daran, den struk­tu­rellen Wandel von konven­tio­neller zu mehr Bio-Baumwolle (Anbau und Einsatz) möglichst schnell voran­zu­treiben, also sowohl die Nachfrage nach Bio-Baumwolle und Bio-Baumwoll-Produkten zu erhöhen als auch die Farmer im Anbau von Bio-Baumwolle zu unter­stützen. Dazu zählen faire Einkaufsprak­tiken, ein verbes­serter Zugang der Farmer zu hochwer­tigen Bio-Baumwoll-Samen und die Integrität der Prozesse über alle Stufen der Liefer­kette.