NACHHALTIGKEITSBERICHT
2016

Logistik: Energie und Emissionen reduzieren

Vom Rösten unseres Kaffees über die Beleuchtung in unseren Distri­bu­ti­ons­zentren oder die Verpa­ckung der Tchibo Produkte bis hin zum Versand zum Kunden – Energie ist in unserem Geschäft unver­zichtbar. Doch wir identi­fi­zieren und reduzieren den Einsatz aller verzicht­baren Energie zugunsten des Klima­schutzes, konse­quent und an allen Stand­orten.

Reduk­ti­ons­po­ten­ziale erkennen und umsetzen

Sämtliche CO₂-Emissionen im Transport erfassen, bilan­zieren und analy­sieren wir seit 2006 im Rahmen unseres Klima­schutz­pro­gramms LOTOS (Logistics towards Sustaina­bility), das wir gemeinsam mit der TU Hamburg-Harburg und dem deutschen Bundesum­welt­mi­nis­terium (BMUB) entwi­ckelt haben. Ziel des Programms ist die stetige Verbes­serung der Bilan­zie­rungs­me­thodik sowie die Identi­fi­zierung von weiteren Reduk­ti­ons­po­ten­zialen. 2013 erhielten wir dafür den Nachhal­tig­keits­preis der beiden Verbände Bundes­ver­ei­nigung Logistik (BVL) Öster­reich und Deutschland. Auch unsere Bilan­zie­rungs­me­thode konnten wir in diesem Zuge verbessern – und haben sie 2013 und 2014 erstmals nach der CEN (Comité Européen de Norma­li­sation)-Norm DIN EN 16258 durch­ge­führt und durch externe Experten überprüfen lassen. Als Mitglied der Clean Cargo Working Group erhalten wir zusätzlich immer genauere und damit wichtige Daten für die jeweils von uns genutzten Seeschiffs­ver­bin­dungen.

-27%

Reduktion der durchschnittlichen transportbedingten COe-Emissionen um 27 % (relativ) gegenüber dem Referenzjahr 2006

Nach der erfolg­reichen Imple­men­tierung des Klima­schutz­pro­gramms LOTOS 2006 baut die Ende 2015 verab­schiedete Roadmap 2020 auf den bis dahin erreichten Zielen auf, steigert den Anspruch und ist seither maßgeblich auf dem Weg zu einer 100 % nachhal­tigen Geschäftstä­tigkeit. Vor dem klar definierten Ziel einer umwelt­freund­li­cheren Ausrichtung des gesamten Logis­tik­pro­zesses bis zum Jahr 2020 sieht die Roadmap die relative Reduktion der trans­port­be­dingten CO₂-Emissionen um 40 % im Vergleich zu 2006 vor. Das LOTOS-Ziel einer 30%igen Reduktion der absoluten CO₂-Emissionen konnten wir schon 2012 erreichen. Die relativen Emissionen an den Lager­stand­orten Gallin und Neumarkt wollen wir bis 2020 um 15 % gegenüber 2014 reduzieren und die Karto­nagen- und Papier­ver­bräuche in der B2B- und B2C-Belie­ferung um 30 % pro Verkaufs­einheit, ebenso gegenüber 2014. Die absolute Menge der trans­port­be­dingten CO₂-Emissionen ging 2015 gegenüber 2006 bereits um über 50 % zurück.

Berechnung verbessern – Erhebungs­radius erweitern

Für das Jahr 2016 haben wir die Berechnung der CO₂-Emissionen in der Logistik leicht verändert. Wir haben weitere Trans­porte in den Blick genommen, um zusätz­liche Reduk­ti­ons­po­ten­ziale zu erkennen und umzusetzen. So haben wir beim Transport erstmals auch die CO₂-Emissionen aus den Retouren B2B und B2C einbe­zogen. Im Ergebnis weist die Bilanz mit 14,5g CO₂e pro Tonnen­ki­lo­meter einen leichten Anstieg gegenüber 2015 auf. Neben der erstma­ligen Einbe­ziehung von Trans­porten basiert dieser Anstieg vor allem darauf, dass die emissi­ons­starken Trans­porte Luftfracht und Straßen­verkehr zugenommen haben, während die emissi­onsarme Seeschiff­fahrt abgenommen hat. Diese Änderung wird durch vorüber­ge­hende Prozessan­pas­sungen in der Beschaf­fungs­lo­gistik verur­sacht. Der relative Anstieg fällt jedoch insgesamt moderat aus, da sich die verbes­serte Berech­nungs­logik positiv auswirkt.

Emissi­onsarme Trans­port­mittel nutzen

Wir setzen bei den Trans­port­mitteln auf die CO₂-effiziente Seeschiff­fahrt, 95 % der Waren­be­wegung werden über den Wasserweg abgewi­ckelt. Ab Bremer­haven werden angelie­ferte Non Food-Artikel bevorzugt per Binnen­schiff statt mit LKW trans­por­tiert. Zudem bemühen wir uns um die verstärkte Nutzung der Bahn, hier streben wir auch einen Ausbau des Waren­trans­ports über den Asien-Europa-Güterzug an. Die optimale Beladung und Auslastung von Containern und LKW sowie ein effizi­entes Routen­ma­na­gement zählen ebenso zu den Maßnahmen, durch die wir CO₂-Emissionen verringern. Inspection Center überprüfen entspre­chend vor Ort die Verpa­ckung und Beladung der Container. Auf Tonnen­ki­lo­meter bezogen fielen die trans­port­be­dingten CO₂-Emissionen seit 2006 um rund 30 %.

Dem Einsatz möglichst emissi­ons­armer Trans­port­mittel wirkt derzeit das neue Non Food-Geschäfts­modell entgegen. Der dadurch verur­sachte verspätete Einkauf führt zu mehr Luftfracht­trans­porten. Wir sind uns dieser Proble­matik bewusst und arbeiten bereits daran, den Luftfrachtanteil durch einen recht­zei­tigen Einkauf wieder zu senken.

Indem wir die Belie­ferung von Filialen über einen Dienst­leister bündeln, sparen wir Kilometer und CO₂-Emissionen ein. Zudem verzichten wir auf unnötige Zwischen­lager und Trans­porte und setzen auf direkte Lieferwege zwischen Röste­reien und Distri­bu­ti­ons­zentren. Waren­mengen steuern wir in der Distri­bution gezielt für die Verkaufspunkte, etwa durch ein innova­tives Fließ­band­system, und sorgen dadurch für mehr Effizienz bei weniger Emissionen. Dem stehen derzeit jedoch die zusätz­lichen Trans­porte durch die Umstellung des Non Food-Modells gegenüber.

Um im Transport weitere Klima­schutz­ziele zu reali­sieren, testen wir auch neue Trans­port­mittel und -wege, so etwa den Schienen­transport von China nach Bremen oder den Transport per Lang-LKW zwischen den Distri­bu­ti­ons­zentren Bremen und Gallin. Auf dieser Strecke ist es bisher nicht gelungen, eine geeignete Bahnver­bindung zu etablieren.

Röste­reien: effizient rösten

Kaffee ist der Ursprung unseres Geschäfts. Das Rösten des Kaffees erfordert jedoch einen sehr hohen Energie­ver­brauch. Deshalb wollen wir die Energie­ef­fi­zienz in unseren Röste­reien senken und damit zugleich die CO₂-Emissionen reduzieren. Bereits 2013 haben wir deshalb ein Energie­ma­na­ge­ment­system gemäß DIN ISO 50001 in unseren beiden Röste­reien in Hamburg und Berlin einge­führt und so den spezi­fi­schen Energie­ver­brauch um mindestens 1,5 % jährlich reduziert. 2016 wurde das Energie­ma­na­ge­ment­system erfolg­reich nach ISO 50001 rezer­ti­fi­ziert und die Röste­reien konnten im Vergleich zum Vorjahr eine Energie­ein­sparung um 1,7 % bezogen auf die Röstkaf­fee­pro­duk­ti­ons­menge verbuchen. Die Klima­schutz-Roadmap 2020 sieht durch die Verrin­gerung von Energie­ver­brauch und die Optimierung von Prozessab­läufen ein Einspar­po­tenzial der spezi­fi­schen CO₂-Emissionen pro Tonne Röstkaffee um weitere 1,5 % vor.

Nachdem wir die Ergeb­nisse 2014 analy­siert und bewertet haben, um die Prozesse weiter zu optimieren, haben wir die Brenner im Kaffeeröstwerk Berlin 2015 umgebaut und konnten so 2016 Heizgas einsparen. Außerdem haben wir im Berliner Werk ein Energie­mo­ni­toring-System in Betrieb genommen. Im Werk Hamburg haben wir Ende 2016 zudem einen neuen Trommel­röster instal­liert, der – anders als marktüb­liche Röster – die Nutzung nur eines statt zweier Brenner erfordert. Der Einfluss dieser Maßnahme auf die Energie­ef­fi­zienz wird sich 2017 positiv nieder­schlagen.

Verwaltung, Lager und Filialen: Strom aus erneu­er­barer Energie

Energie­ef­fi­zienz wird bei uns großge­schrieben und wir bemühen uns, in jeder Hinsicht umwelt- und klima­be­wusst zu agieren. So werden unsere Standorte in Deutschland seit Jahren mit „ok-power“-zerti­fi­ziertem Strom aus erneu­er­baren Energie­quellen versorgt. Das gilt für beide Röste­reien Hamburg und Berlin, die Distri­bu­ti­ons­zentren in Gallin und Neumarkt, die Unter­neh­mens­zen­trale in Hamburg und alle Tchibo Filialen in Deutschland, für die wir den Strom selbst einkaufen. Seit Januar 2016 beziehen wir diesen Strom über ENTEGA.

Das Ziel der Klima­schutz-Roadmap, die CO₂-Emissionen pro Quadrat­meter Lager­fläche in den Distri­bu­ti­ons­zentren Gallin und Neumarkt bis 2020 gegenüber 2015 um 15 % zu reduzieren, konnte knapp nicht erreicht werden. 2016 lag die Reduzierung bei 13 %. Beide Standorte wurden aber 2015 hinsichtlich Energie­spar­maß­nahmen auditiert, um Einspar­po­ten­ziale zu identi­fi­zieren und entspre­chende Maßnahmen zu entwi­ckeln. Die Umrüstung auf LED-Beleuchtung am Standort Neumarkt führte daraufhin 2016 zu einer CO₂-Reduktion um 33 %. Auch das Distri­bu­ti­ons­zentrum in Gallin wurde 2016 auf diese Technik umgestellt, entspre­chende Tests bezüglich der Energie­ef­fi­zienz laufen noch. Für beide Standorte ist darüber hinaus die Imple­men­tierung eines Energie­ma­na­ge­ment­systems geplant.

Mit einem innova­tiven Fließ­band­system sparen wir zudem im Bremer Haupt­lager 400 MWh Strom pro Jahr im Vergleich zum Vorgän­ger­system. Auch die Umstellung auf LED-Beleuchtung im Rahmen unseres Smart-Lighting-Konzepts bringt eine Ersparnis von 100 MWh pro Jahr.