NACHHALTIGKEITSBERICHT2017

Mehr Nachhal­tigkeit im Kaffee­sektor erarbeiten

GRI 203-1

Neben dem Ansatz, ausge­wählte Klein­farmer in der Liefer­kette durch Tchibo Joint Forces!® zu quali­fi­zieren, wollen wir auch – ähnlich wie im Non Food-Bereich – auf Wirkung auf breiterer Ebene setzen. Über einzelne Projekte und Zerti­fi­zie­rungen hinaus wollen wir einen Beitrag zu dem Trans­for­ma­ti­ons­prozess des Kaffee­sektors hin zu mehr Nachhal­tigkeit fördern – fokus­siert auf die jewei­ligen für uns relevanten Anbau­re­gionen.

Dafür braucht es einen Prozess, der in mehrere Schritte aufge­gliedert ist. Erst einmal geht es darum, einen Dialog unter den relevanten Stake­holdern zu initi­ieren. In diesem Dialog sollen die Stake­holder mögliche Szenarien für die für sie relevante Region unter der Frage­stellung entwi­ckeln: Wie kann ein nachhal­ti­gerer Kaffee­sektor in eben dieser Region erreicht werden? Darauf aufbauend sind die jewei­ligen Stake­holder gefragt, für sich zu formu­lieren, was ihr konkreter Beitrag zur Lösung sein sollte und kann. Dieser entschei­dende Schritt gelingt uns im Kaffee­sektor oftmals nicht, da die Stake­holder und ihre Inter­essen zu unter­schiedlich, die Themen zu komplex, die Lösungs­mög­lich­keiten vielfältig und die Einflüsse und Verän­de­rungen von außen zu stark sind, um in einem planbaren Prozess ans Ziel zu gelangen. Doch wir sind zuver­sichtlich, dass gerade die Vielfalt der Stake­holder und der möglichen Wege uns ans Ziel bringen wird. Mit bewusster Einbe­ziehung der vielfäl­tigen Perspektive und Einigung auf kleine Tests für Verän­derung wollen wir gemeinsam einen Weg nach vorn entwi­ckeln.

Testphase in Minas Gerais (Brasilien)

In Minas Gerais testen wir, ob uns dieser Prozess im Kaffee­sektor gelingen kann. Minas Gerais zählt zu den wichtigsten Anbau­re­gionen für Arabica-Kaffee in Brasilien und ist als Haupt­be­zugs­region für Rohkaffee für Tchibo – ebenso wie für viele andere inter­na­tionale Unter­nehmen – von beson­derer Relevanz. Wir haben in dieser Region zahlreiche Handel­s­partner. Zudem existieren gut entwi­ckelte lokale Initia­tiven, mit denen wir koope­rieren können, wie Certifica Minas oder die nationale brasi­lia­nische Plattform der Global Coffee Platform (GCP).

In die Testphase in Minas Gerais bringen wir unsere Erfahrung aus vergleich­baren Dialog­pro­zessen im Textil­sektor ein, dem Quali­fi­zie­rungs­pro­gramm WE (Worldwide Enhan­cement of Social Quality). Auch dort haben wir gesehen, dass ein Dialog­prozess in konkrete, wenn auch erst einmal kleine Schritte münden kann. Daraus können wir auch für den Bereich Kaffee Erkennt­nisse ableiten. Im Zuge des Prozesses wollen wir testen, welche weiteren Schritte sich aus unserer Verant­wortung ergeben und wie wir an unserem eigenen Verhalten ansetzen müssen. Der Ansatz unserer Initiative, neue Wege einzu­schlagen, hat beim Kick-off im November 2017 in Belo Horizonte, an dem rund 40 Stake­hol­der­gruppen teilge­nommen haben, großen Anklang gefunden. Der Workshop hat gezeigt: Es besteht eindeu­tiges Interesse daran, gemeinsam zu definieren und zu testen, was es braucht, um alle Farmer in einer Region zu entwi­ckeln und nicht nur isoliert die Liefer­ketten zu betrachten. Deutlich wurde aber auch noch einmal: Die Zusam­men­hänge sind sehr komplex, sodass es noch weiterer Dialoge bedarf, um besser auf vorhan­denen Struk­turen und bereits erarbei­teten Grund­lagen aufbauen zu können. So führt Tchibo derzeit Gespräche mit seinen lokalen Partnern, um deren Feedback in die weitere Zusam­men­arbeit einzu­be­ziehen.

Erweist sich der Pilot des Dialog­pro­zesses im brasi­lia­ni­schen Minas Gerais als erfolg­reich, bietet es sich an, diesen ebenso in anderen Regionen mit den dortigen lokalen Stake­holdern aufzu­setzen.