NACHHALTIGKEITSBERICHT2017

In Netzwerken: gemeinsam für bessere Rahmen­be­din­gungen

GRI 304-3

In Multi-Stake­holder-Initia­tiven engagiert sich Tchibo gemeinsam mit anderen relevanten Akteuren aus der Branche, aus Politik, Wirtschaft, Verbänden, Gewerk­schaften und dem gesell­schaft­lichen Umfeld­ für bessere Rahmen­be­din­gungen in den Kaffee­an­bau­ländern.

Unser Ziel und unser Anspruch bei Allianzen: die struk­tu­rellen und finan­zi­ellen Rahmen­be­din­gungen für Farmer im Ursprung zu verbessern (ökono­mische Perspektive) sowie die Gemein­schaften vor Ort, insbe­sondere die Frauen und Kinder, in Bildung und zusätz­lichen Einkom­mens­mög­lich­keiten zu unter­stützen (soziale Perspektive). Darüber hinaus engagieren wir uns dafür, die ökolo­gi­schen Grund­lagen für den Kaffee­anbau zu erhalten (ökolo­gische Perspektive).

Global Coffee Platform

Die 4C Association hat sich im März 2016 mit dem Sustainable Coffee Program (SCP) zur Global Coffee Platform (GCP) zusam­men­ge­schlossen, um die Stärken der beiden Organi­sa­tionen zu vereinen und gemeinsam eine größere Wirkung bei der nachhal­tigen Gestaltung des Kaffee­sektors zu erzielen. In der GCP sind viele Akteure der Kaffee­branche engagiert. Die Plattform koordi­niert die Aktivi­täten der Mitglieder und arbeitet an Trans­parenz über die zahlreichen Initia­tiven im Kaffee­sektor. Die GCP tritt als Moderator im privat-öffent­lichen Dialog auf und motiviert ihre Mitglieder, sich für einen nachhal­ti­geren Kaffee­sektor einzu­setzen.  Um den privat-öffent­lichen Dialog zu ermög­lichen, hat die GCP mit der Inter­na­tional Coffee Organi­sation (ICO), in der die Regie­rungen der meisten Produ­zen­ten- und Konsu­men­ten­länder vertreten sind, ein Memorandum of Under­standing über die Zusam­menarbeit abgeschlossen und in der Vision 2030 eine gemeinsame Vorstellung erarbeitet­.

Tchibo hat an der Gründung der GCP mitge­wirkt und hatte bis Oktober 2017 einen Sitz im Steue­rungs­gremium. Aufgrund des Rotati­ons­prinzips im Board hat die Besetzung des Steue­rungs­gre­miums nun gewechselt. Auch als Mitglied bringt sich Tchibo weiterhin sehr aktiv in die GCP ein und hat beispiels­weise maßgeblich am Zustan­de­kommen des Letters of Intent (LoI) mitge­wirkt, welcher Anfang 2017 mit dem Bundes­mi­nis­terium für wirtschaft­liche Zusam­men­arbeit und Entwicklung (BMZ) unter­zeichnet werden konnte. Mit dem LoI ist es der GCP gelungen, dass dem Thema „Kaffee“ wieder mehr Bedeutung auf der Agenda der Deutschen Entwick­lungs­zu­sam­men­arbeit beige­messen wird. Im Rahmen des verein­barten Aktions­plans des LoI wurde 2017 eine finan­zielle Unter­stützung für die entste­hende kenia­nische öffentlich-private Kaffee­plattform „Sauti Ya Kahawa – The Voice of Coffee“ durch das BMZ über die Deutsche Gesell­schaft für Inter­na­tionale Zusam­men­arbeit (GIZ) bis Anfang 2019 zugesagt. 

Parallel wurden 2017 weitere innovative und praktische Tools für die GCP-Mitglieder entwi­ckelt, wie zum Beispiel verschiedene Webinare, Newsletter, Workshops sowie die kolla­bo­rative Austausch­plattform GCP Connect. Darüber hinaus arbeitet die GCP daran, gemeinsame Indika­toren für die Mitglieder aufzu­stellen, anhand derer gemessen werden kann, ob und wie sich der Sektor nachhaltig entwi­ckelt. 

Als offene und inklusive Organi­sation wird die GCP das Ziel verfolgen, dass ihre Mitglieder fokus­sierter und in freiwil­ligen Allianzen auf eine nachhaltige Entwicklung des Kaffee­sektors hinwirken. Ab 2018 können Mitglieder gezielter auswählen, in welchen Ländern und auf welchen Themen­ge­bieten (Economic Viability, Gender & Youth, Climate Smart Agriculture) sie sich einbringen wollen – idealer­weise in neuen Formen öffentlich-privater Zusam­men­arbeit zu komplexen, syste­mi­schen Themen, um den Sektor zu stärken. 

„Vision 2020/2030“: 30 GCP-Mitglieder aus dem privaten Sektor, dazu zählen namhafte Röster, Expor­teure und Kaffee­händler, haben den Aufruf der gemein­samen Agenda „Vision 2030 Call for Collective Action“ unter­zeichnet und sich damit zu deren Umsetzung verpflichtet. 

Die Vision bildet die Grundlage des neuen Zusam­menschlusses und das gemeinsame Verständnis mit der ICO. Nur wenn alle Akteure eine gemein­same Vision verfolgen­, kann eine größere Wirkung bei der Verbes­serung der Lebens­be­din­gungen der Kaffee­farmer erzielt werden. Die Vision beschreibt, welche Maßnahmen nötig sind, um einen nachhal­tigen Kaffee­sektor zu gestalten:

  • Organi­sation der Klein­farmer zu Koope­ra­tiven
  • Verbes­serung der Produk­ti­vität und des Einkommens
  • Vermeidung und Verhin­derung unzuläs­siger Kinder­arbeit
  • Gleich­stellung von Frauen und Männern, von Mädchen und Jungen
  • Rehabi­li­tation der Ökosysteme
  • Anpassung an den Klima­wandel, Reduzierung des Beitrags zum Klima­wandel
  • Zugang zu Finanzen und Verbes­serung der betriebs­wirt­schaft­lichen Kennt­nisse
  • Förderung von Nachhal­tig­keit­sa­genden der Produk­ti­ons­länder


Nationale Platt­formen: Neben der globalen Struktur der Organi­sation wurde auch die Etablierung natio­naler Platt­formen mit natio­nalen Teilnehmern unter­stützt, denn diese können sehr viel besser beurteilen, was es in einem Land braucht, um die nachhaltige Entwicklung des Kaffee­sektors voran­zu­treiben, private sowie öffent­liche Stake­holder zusam­men­zu­bringen und regionale Lösungen zu initi­ieren. Auf den natio­nalen Platt­formen werden Nachhal­tig­keits­cur­ricula (National Sustaina­bility Curricula) entwi­ckelt, in denen die landes­spezi­fi­schen Anfor­de­rungen zur Errei­chung von mehr Nachhal­tigkeit ermittelt werden.

Collective Action Networks (CAN): Die thema­ti­schen Felder aus der Vision 2030 werden als „CAN“ aufge­griffen, da es hier um globale Problem­stel­lungen geht, die umfas­sende Lösungen benötigen. In den drei „CAN“ geht es um den Umgang mit dem Klima­wandel, die Wirtschaft­lichkeit des Kaffee­anbaus und die Einbindung der Farmer­frauen und Jugend­lichen.

Tools zur Unter­stützung:

  • ein globales Rahmenwerk für Erfolgs­messung, das dem Sektor erlaubt, konti­nu­ierlich Entwick­lungen und Erfolge nachhal­tigen Engage­ments zu bewerten, zu verbessern und zu veröf­fent­lichen (Work in progress)
  • eine Online­plattform zum Lernen
  • der Baseline Common Code als branchen­weite Referenz

Auf Basis der Sustainable Development Goals (SDGs) haben die Mitglieder der GCP die Schwer­punkte definiert, an denen sie in den kommenden Jahren arbeiten wollen:


Inter­na­tional Coffee Partners

Im Jahr 2001 hat Tchibo gemeinsam mit vier anderen führenden privaten Kaffee­firmen (Löfbergs, Lavazza, Paulig und der Neumann Kaffee Gruppe) die Initiative Inter­na­tional Coffee Partners (ICP) gegründet. 2010 trat das norwe­gische Unter­nehmen Joh. Johannson bei, 2014 der kroatische Kaffee­händler Franck.

Inter­na­tional Coffee Partners reali­siert langfristige Modell­pro­jekte, um die Leistungs­fä­higkeit der Klein­farmer und ihrer Familien weltweit zu stärken. Schwer­punkt ist dabei, die Wettbe­werbs­fä­higkeit der Farmer auf Basis von nachhal­tigen Anbau­me­thoden zu steigern und die Organi­sation der Klein­farmer in Koope­ra­tiven zu fördern – mit dem Ziel, dass diese ihre Lebens­be­din­gungen verbessern können.

Inter­na­tional Coffee Partners koope­riert mit einem breiten Spektrum an Partnern aus dem öffent­lichen und privaten Sektor.

In über 15 Jahren hat Inter­na­tional Coffee Partners 18 Projekte in 12 Ländern abgeschlossen, in die mehr als 13,3 Millionen Euro private und öffent­liche Förder­mittel inves­tiert wurden. Durch diese Partner­schaft konnten bisher über 63.000 Klein­farmer-Haushalte erreicht werden.

Initiative for Coffee & Climate

Tchibo ist Mitgründer der Initiative coffee&climate, die sich seit 2010 mit dem Thema „Auswir­kungen des Klima­wandels auf den Kaffee­anbau“ ausein­an­der­setzt, denn die Kaffee­pro­duktion und damit der Lebens­un­terhalt der Farmer sind durch den Klima­wandel bedroht. Um die Farmer dabei zu unter­stützen, den Kaffee­anbau an die Auswir­kungen des Klima­wandels anzupassen, hat coffee&climate zusammen mit renom­mierten Wissen­schaftlern klima­scho­nende landwirt­schaft­liche Praktiken entwi­ckelt. Unter Koordi­nation der Hanns R. Neumann Stiftung werden lokale Partner darin geschult, diese Praktiken den Landwirten vor Ort zu vermitteln.

Mit ihren Maßnahmen konnte die Initiative bis zum Herbst 2017 rund 30.445 Kaffee­anbau-Haushalte erreichen, die in Brasilien, Trifinio, Vietnam und Tansania vom Kaffee­anbau leben. 2017 hat coffee&climate zudem eine neue Toolbox einge­führt, die Hilfe­stel­lungen in Form von Richt­linien, Handbü­chern und 25 prakti­schen Methoden zur Anpassung und zur Umwelt­schonung enthält. Sie wurden zusammen mit Farmern auf Versuchs­flächen getestet und validiert.

Um die Umsetzung der Praktiken sowie den gemein­samen Austausch auf lokaler Ebene zu fördern, hat coffee&climate eine „Community of Practice (CoP)“ in Brasilien initiiert. Lokale Akteure organi­sieren Treffen, bei denen die Teilnehmer ihr Wissen über klima­ge­rechte Strategien und Instru­mente im Kaffee­anbau austau­schen. Sie lernen dabei auch den Ansatz von coffee&climate kennen und tragen zur Förderung klima­schüt­zender Praktiken bei. Auch Schulungen und Workshops sind Bestand­teile der Arbeit vor Ort. 

Biodi­versity in Good Company

Tchibo setzt sich für den Erhalt der biolo­gi­schen Vielfalt und den Schutz der Ökosysteme beim Kaffee­anbau ein. Darum sind wir im Jahr 2012 Mitglied der Initiative Biodi­versity in Good Company des Bundesum­welt­mi­nis­te­riums geworden. Die Initiative bringt Vorrei­ter­un­ter­nehmen aus unter­schied­lichen Branchen zusammen, um gemeinsam Lösungen zum Erhalt der weltweiten Biodi­ver­sität zu entwi­ckeln. Darüber hinaus soll die breite Öffent­lichkeit stärker für das Thema Arten­vielfalt sensi­bi­li­siert werden.

Mit dem Beitritt haben wir eine „Leadership-Erklärung“ unter­zeichnet. Mit ihr verpflichten wir uns dazu, die Wahrung der natür­lichen Arten­vielfalt in das Nachhal­tig­keits­ma­na­gement unseres Unter­nehmens zu integrieren und entspre­chende Ziele und Maßnahmen zu verfolgen. Im Jahr 2016 haben wir den dritten Fortschritts­be­richt zur Leadership-Erklärung veröf­fent­licht. Im dritten Quartal 2018 werden wir den nächsten Fortschritts­be­richt veröf­fent­lichen.