NACHHALTIGKEITSBERICHT2017

Tchibo Joint Forces!®

GRI 203-1; GRI 413-1

In der Kaffee­liefer­kette: Unter­stützung der Klein­farmer und ihrer Familien

Mit unserem Quali­fi­zie­rungs­pro­gramm Tchibo Joint Forces!® setzen wir uns für Kaffee­farmer in unseren Liefer­ketten ein. Wir unter­stützen sie bei der schritt­weisen Umstellung vom konven­tio­nellen auf einen ökolo­gisch und sozial verträg­lichen sowie ökono­misch zukunfts­fä­higen Kaffee­anbau: durch Maßnahmen, die auf ihre spezi­fi­schen Heraus­for­de­rungen zugeschnitten sind. Dazu zählen Trainings, Bildungs­an­gebote für die ganze Familie, der Zugang zu Infra­struktur und der Aufbau langfris­tiger Liefe­ran­ten­be­zie­hungen. Im Rahmen von Tchibo Joint Forces!® arbeiten wir mit Rohkaffee-Expor­teuren, Rohkaf­fee­händlern, Agrar­wis­sen­schaftlern sowie inter­na­tio­nalen Standard­or­ga­ni­sa­tionen, Regie­rungs- und Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tionen zusammen. Seit Start des Programms 2012 haben wir rund 34.000 Kaffee­farmer in Brasilien, Honduras, Kenia, Kolumbien, Papua-Neuguinea, Tansania, Guatemala und Vietnam mit dem Programm Tchibo Joint Forces!® erreicht und rund 20.000 eine Zerti­fi­zierung nach den Anfor­de­rungen der inter­na­tional anerkannten Standard­or­ga­ni­sa­tionen Fairtrade, Rainforest Alliance und UTZ bzw. eine Validierung nach dem Basis­standard der 4C Association­ ermög­licht.

Im Jahr 2017 haben wir drei neue Tchibo Joint Forces!®-Projekte in Guatemala, Honduras und Tansania gestartet. Aus diesen Regionen beziehen wir nachhaltige Rohkaf­fee­qua­li­täten, zum Beispiel für unsere Privat­kaffees. In den Projekten arbeiten wir mit Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tionen, Standard­or­ga­ni­sa­tionen und Händlern zusam­men. Mit den Projekten wollen wir einen Beitrag dazu leisten, den Kaffee­anbau nachhaltig und für die Farmer langfristig profi­tabel zu gestalten, sodass sie und ihre Familien ihre Lebens­be­din­gungen verbessern und wir unsere Rohkaf­fee­qua­li­täten sichern können.

Bedarf­s­ori­en­tierte Weiter­ent­wicklung des Quali­fi­zie­rungs­pro­gramms Tchibo Joint Forces!®

Sowohl der globale Kontext als auch die gesell­schaft­lichen Erwar­tungen haben sich in den letzten Jahren verändert, wie etwa die UN Sustainable Development Goals (SDGs) oder die UN Guiding Principles­ on Business and Human Rights zeigen. Zudem sehen wir auch unseren eigenen Wirkungs­an­spruch anhand erster Evalu­ie­rungen noch nicht ausrei­chend erfüllt. Es ist deutlich geworden, dass die Kaffee­farmer eine sowohl nach Entwick­lungs­stand des Farmers als auch nach länder­spe­zi­fi­schem Kontext noch bedarfs­ge­rechtere Unter­stützung benötigen. Schließlich stehen sie vor vielfäl­tigen Heraus­for­de­rungen, angefangen beim Klima­wandel über gestiegene Produk­ti­ons­kosten und komplexer gewordene Märkte bis hin zu unzurei­chenden Bildungs­an­ge­boten für ihre Kinder. Unser Ziel der Weiter­ent­wicklung: durch einen prozess- und dialo­g­ori­en­tierten Ansatz zusammen mit den Farmern, Koope­ra­tiven und anderen lokalen Akteuren die unter­schied­lichen Bedarfe heraus­ar­beiten und gemeinsame Lösungswege identi­fi­zieren und testen. Gerade den stärkeren Einbezug der spezi­fi­schen Anfor­de­rungen der Farmer und Koope­ra­tiven vor Ort wollen wir künftig noch weiter ausbauen. Wichtigstes Ergebnis der bishe­rigen Weiter­ent­wicklung ist die Umstellung von unserem modularen Trainings­pro­gramm auf eine Toolbox. Nach dem Grundsatz „Hilfe zur Selbst­hilfe“ wollen wir damit zur Verbes­serung von lokalen und regio­nalen Struk­turen beitragen. Diese Toolbox wird jeweils auf die unter­schied­lichen Bedarfe der Regionen zugeschnitten, ist skalierbar und geht über die bishe­rigen Trainings­module hinaus.

Die Toolbox umfasst im Wesent­lichen folgende Elemente:

  • Trainings­an­gebote in den Bereichen nachhal­tiger Anbau, Management-Skills, Boden­ana­lysen, Anpas­sungen an den Klima­wandel, Quali­täts­ver­bes­serung und Produk­ti­ons­stei­gerung
  • langfristige Liefer­ver­träge
  • Zerti­fi­zie­rungen nach den Anfor­de­rungen inter­na­tio­naler Standard­or­ga­ni­sa­tionen
  • Bildungs­an­gebote (für Kinder)
  • Gemein­de­pro­jekte


Ziel ist es, die Qualität und Quantität des Kaffees der einbe­zo­genen Farmer zu steigern und damit ihre Profi­ta­bi­lität zu erhöhen. Wir wollen die lokalen Struk­turen so verbessern, dass die Maßnahmen dauerhaft wirken – auch wenn es dazu Zeit braucht. So finan­zieren wir beispiels­weise Trainings unserer Partner zum Einsatz von Dünge­mitteln und Pesti­ziden, zur Buchhaltung und zum Verkaufsprozess. Indem wir langfristige und stabile Liefe­ran­ten­be­zie­hungen pflegen und mit Standard­or­ga­ni­sa­tionen Compliance in der Liefer­kette stärken, erhalten und verbessern wir die Voraus­set­zungen für den Anbau von hochwer­tigem Kaffee. Zudem konzen­trieren wir uns auf spezi­fische Themen wie Farming als Famili­en­un­ter­nehmen oder Bildungs­an­gebote für Kinder und Jugend­liche, um auch die Farmer­fa­milien und die Gemeinden in eine nachhaltige Entwicklung einzu­be­ziehen und so die Lebens­be­din­gungen in den Regionen insgesamt zu verbessern.

Erste Wirkungs­messung von Tchibo Joint Forces!® in Brasilien

2016 haben wir begonnen, eine Wirkungs­messung von Tchibo Joint Forces!® durch­zu­führen, um zu ermitteln, welche Maßnahmen den Farmern am besten helfen. Die erste Baseline haben wir im Projekt Minas Gerais in Brasilien durch­ge­führt. Dort beziehen wir Fairtrade-zerti­fi­zierten Rohkaffee von der Koope­rative COOPFAM. Zu den wichtigsten Ergeb­nissen dieser Messung zählt: Die Kaffee­farmer verkaufen ihre Bohnen vorzugs­weise an die Koope­rative COOPFAM, da diese ihnen wettbe­werbs­fähige Preise zahlt und sie deren Trainings­an­gebote als hilfreich erachten. Ein Großteil würde gerne ausschließlich an COOPFAM verkaufen, aufgrund teilweise mangelnder Qualität werden jedoch nicht alle Kaffee­bohnen abgenommen. Gleich­zeitig hat sich gezeigt, dass es bisher keine ausrei­chenden Best-Practice-Methoden in Bezug auf den Einsatz von Schäd­lings­be­kämp­fungs­mitteln gibt, jedoch für das Jäten und Beschneiden. Verbes­se­rungs­bedarf wurde bei der Nachernte ermittelt (bspw. in den Trock­nungs­pro­zessen und bei der Lagerung). Insgesamt können die Farmer ihre Kosten nur schlecht einschätzen und führen auch kein Buch über diese Kosten.

Aus den Ergeb­nissen der Wirkungs­messung haben wir folgende Maßnahmen abgeleitet: Den Farmern werden Trainings für eine Verbes­serung der Nachern­te­prak­tiken sowie für die Wirtschaft­lich­keits­be­rechnung angeboten. Die Betei­ligung von Frauen wird zusätzlich zu den beste­henden Programmen von COOPFAM erhöht. Darüber hinaus werden bewährte Praktiken zur Bekämpfung von Schäd­lingen und Krank­heiten vorge­stellt und das Verständnis für Kaffee­qua­li­täten anhand von Verkos­tungs­trai­nings (sogenannten Cuppings­) ausgebaut.

Nach unseren positiven Erfah­rungen in Brasilien werden wir künftig noch stärker auf die Analyse der konkreten Bedarfe vor Ort unter Mitwirkung der Farmer­fa­milien setzen. So haben wir beispiels­weise zum Start eines neuen Projekts in Honduras im Oktober 2017 gemeinsam mit Fairtrade, CLAC (Fairtrade-Produ­zenten-Netzwerk Latein­amerika), unseren Liefe­ranten, Koope­ra­tiven und Farmern vor Ort mehrere Workshops und Bedarfs­ana­lysen durch­ge­führt. Gemeinsam mit den Koope­ra­tiven und Farmern erarbeiten wir nun den Projektplan. In dieser ersten Phase ist es unser Anspruch, ihnen zu helfen, ihre eigenen Bedarfe und Ziele zu formu­lieren sowie eigene Lösungen zu entwi­ckeln. Die Umsetzung ermög­lichen wir dann durch finan­zielle Unter­stützung, Beratung und Bereit­stellung von Know-how.

Quali­fi­zie­rungs­pro­gramm Tchibo Joint Forces!®

34.000 Kaffee­farmer haben bislang am Quali­fi­zie­rungs­pro­gramm Tchibo Joint Forces!® teilge­nommen.