NACHHALTIGKEITSBERICHT2017

Bildung als Basis für bessere Lebens­be­din­gungen

GRI 203-1; GRI 408-1; GRI 413-1

Tchibo engagiert sich mit gezielten Bildungs­pro­jekten in den Ursprungs­ländern für bessere Lebens­ver­hält­nisse. In Zusam­men­arbeit mit Partnern vor Ort setzen wir insbe­sondere bildungs- und berufs­ori­en­tierte Projekte mit Kindern und Jugend­lichen um. Dabei folgen wir dem Prinzip „Hilfe zur Selbst­hilfe“.

Guatemala: Bildungs- und Betreu­ungs­an­gebote für Kinder und Jugend­liche

In Guatemala engagieren wir uns für die Betreuung der Kinder von Wander­ar­beitern und Erntehelfern. Ihre Schul­ferien überschneiden sich oft mit der Erntezeit der Kaffee­kir­schen. Da es kaum Betreu­ungs­an­gebote gibt, nehmen viele Wander­ar­beiter und Erntehelfer ihre Kinder auf die Kaffee­felder mit. Während die kleineren Kinder an den steilen und gefähr­lichen Berghängen spielen, lassen die Eltern die größeren oft mitpflücken. Nicht selten wird dadurch die Grenze zu unzuläs­siger Kinder­arbeit überschritten. Wir schaffen Alter­na­tiven, indem wir Bildungs- und Betreu­ungs­an­gebote für Kinder in verschie­denen Regionen Guate­malas fördern. 

Gemeinsam mit der Coffee Care Association sind wir seit 2011 in der Region Huehue­tenango aktiv, wo wir während der Erntezeit Kinder­ta­ges­stätten betreiben und Ausbil­dungs­se­minare für Jugend­liche anbieten. Dieses Projekt haben wir inzwi­schen in unser Programm Tchibo Joint Forces!® einbe­zogen, sodass die Farmer­frauen Trainings und Möglich­keiten für ein zusätz­liches Einkommen erhalten, während die Männer als Erntehelfer auf größeren Farmen arbeiten und die Kinder betreut werden. Derzeit arbeiten wir daran, das erfolg­reich laufende Projekt in die Selbst­stän­digkeit zu überführen. Das heißt: Wir wollen die Menschen vor Ort dabei unter­stützen, die Projek­tin­halte eigen­ständig fortzu­führen. 

Seit 2013 engagieren wir uns auch in der Region Chiquimula: Gemeinsam mit der weltweit größten Kinder­rechts­or­ga­nisation Save the Children haben wir zunächst in zwölf Gemeinden der Region Olopa sechs Kinder­ta­ges­stätten eröffnet. In der letzten Kaffee-Erntezeit von November 2017 bis Februar 2018 konnten wir mehr als 300 Kindern eine alters­ge­rechte Betreuung ermög­lichen. Zudem erhielten 2.000 Mädchen und Jungen der Region an 18 Schulen während der regulären Schulzeit zusätz­lichen Unter­richt, sodass seit Programm­start über 2.100 Kinder von unseren Projek­tak­ti­vi­täten profi­tieren konnten. Das Projekt wird voraus­sichtlich Ende 2018 in die Selbst­stän­digkeit überführt und von den Akteuren vor Ort fortge­setzt.

In einem weiteren Projekt, „Niñez Feliz“, fördern wir die Bildung der Kinder an 20 Schulen der Region Jacal­tenango. Bislang nahmen rund 850 Schüler an Lese-Camps teil und rund 1.150 Eltern wurden in die Projek­tak­ti­vi­täten einbe­zogen. Sie nahmen an Leseför­de­rungs­ak­ti­vi­täten teil, gründeten Projekt­gruppen oder sind Mitglied von Kinder­schutz­ko­mitees. Indirekt wurden so seit Projekt­start rund 10.000 Kinder und 20.000 Erwachsene erreicht.

Tansania: frühzeitig Bildungs­chancen erhöhen

Das im Juni 2015 mit Save the Children gestartete Projekt haben wir im Dezember 2017 abgeschlossen. Gemeinsam hatten wir uns zum Ziel gesetzt, die Bildungs­chancen von Kindern und Jugend­lichen in Tansania zu verbessern, denn viele von ihnen beenden die Schulzeit bereits im Alter von 13 bis 15 Jahren, ohne richtig lesen und schreiben zu können und ohne einen Abschluss erreicht zu haben.

Unser Projekt hat insbe­sondere an zwei Punkten angesetzt: Wir haben uns dafür engagiert, die Bildungs­qua­lität in der Grund­schule zu verbessern, damit mehr Schüler einen Abschluss erreichen. Dadurch konnten Kinder an 16 Projekt­schulen in der Region Mbeya die Grund­schule regel­mäßig besuchen und abschließen. Zudem haben wir Jugend­liche dabei unter­stützt, eine Ausbil­dungs­stätte zu finden, beispiels­weise für das Schneider- oder Schreiner­handwerk. So stehen den Jugend­lichen neben dem Kaffee­anbau weitere Möglich­keiten offen, damit sie ihr eigenes Einkommen erzielen und sich eine tragfähige Lebens­grundlage schaffen können.

Das Projekt wendete sich aber nicht nur an Schüler, sondern auch an Eltern und Lehrer: Eltern wurden bestärkt, sich für die Bildung ihrer Kinder einzu­setzen und diese einzu­fordern. Lehrer wurden durch Fortbil­dungen in die Lage versetzt, den Unter­richt praxis­näher und kindge­rechter zu gestalten.

Auch wenn die finale Projek­te­va­luation noch nicht vorliegt, sind bereits positive Verän­de­rungs­pro­zesse zu erkennen. Sie tragen dazu bei, dass die Jugend­lichen auch langfristig den Kreislauf der Armut durch­brechen können. Bis zum Projek­tende im Dezember 2017 konnten wir 3.965 Kinder, 525 Jugend­liche, 59 Lehrer sowie 1.859 Eltern und 548 Frauen direkt erreichen.

Erkennt­nisse und künftige Ausrichtung

Derzeit erstellen wir für das Projekt in der Region Olopa (Guatemala) eine Projek­t­aus­wertung, um unsere Programme weiter­zu­ent­wi­ckeln. Daneben werden für alle Projekte regel­mäßig Berichte mit quali­ta­tiven und quanti­ta­tiven Ergeb­nissen erstellt. Eine fundierte Wirkungs­messung gestaltet sich derzeit noch schwierig, da dies bei den meisten Projekt­ele­menten erst langfristig unter­sucht werden kann und immer auch Entwick­lungen außerhalb des Projekts einen Einfluss haben.

Grund­sätzlich ist unsere Erkenntnis aus den bishe­rigen Projek­ter­fah­rungen: Eine enge Zusam­men­arbeit mit lokalen Organi­sa­tionen ist essen­ziell für das Gelingen eines Projekts sowie für die mögliche Überführung in die Selbst­stän­digkeit. Darüber hinaus haben wir festge­stellt, dass wir eine engere Begleitung unserer­seits und eine größere Wirkung vor Ort ermög­lichen können, wenn wir Sozial­pro­jekte im Ursprung stärker an unsere Liefer­kette anbinden. Ein Beispiel dafür ist unser Projekt mit der Coffee Care Association in Huehue­tenango in Guatemala, das wir an unser Kaffee-Quali­fi­zie­rungs­pro­gramm Tchibo Joint Forces!® angebunden haben. Hier sehen wir eine größere Wirkung im Vergleich zu den anderen Projekt­re­gionen, die nicht direkt an Tchibo Liefer­ketten angebunden sind.