NACHHALTIGKEITSBERICHT2017

Für den Erhalt einer intakten Umwelt: Klima­schutz erhöhen, Ressour­cen­einsatz reduzieren

Manage­men­t­ansatz: GRI 301; GRI 302; GRI 305; GRI 306; GRI 307

Als Handels­un­ter­nehmen, das für die Herstellung seiner Produkte natür­liche Rohstoffe benötigt, tragen wir zum Ressour­cen­ver­brauch bei. Zudem verur­sachen wir durch die Produktion und den Transport unserer Waren, deren Lagerung und Versand sowie an unseren Verwal­tungs- und Filial­stand­orten CO₂-Emissionen. Gleich­zeitig ist unser Unter­nehmen direkt von den Auswir­kungen des Klima­wandels und drohender Ressour­cen­knappheit betroffen: Rohstoffe wie Kaffee, Baumwolle, Holz und weitere natür­liche Ressourcen sind wichtige Grund­lagen unserer Sorti­mente und damit unseres Geschäfts.

Klima­schutz und Ressour­cen­schonung tragen ganz erheblich dazu bei, unseren Kunden auch in Zukunft quali­tativ hochwertige Produkte anbieten zu können. Deshalb arbeiten wir konti­nu­ierlich daran, unsere CO₂-Emissionen und den Einsatz natür­licher Ressourcen zu minimieren sowie die Kreis­läufe verwen­deter Materialien zu schließen. Auf Basis unserer umfang­reichen Erkennt­nisse und langjäh­rigen Erfah­rungen legen wir den Fokus auf sorti­ments­be­zogene Aktivi­täten und auf die von uns unmit­telbar beein­fluss­baren Handlungs­felder Standorte, Mobilität und Ressour­cenef­fi­zienz.

Gesetz­liche und gesell­schaft­liche Anfor­de­rungen steigen

Zuneh­mende Regulie­rungen und Gesetze oder auf Freiwil­ligkeit ausge­richtete Initia­tiven zielen darauf ab, den Klima- und Ressour­cen­schutz zu erhöhen – sowohl auf natio­naler Ebene als auch EU-weit und global. Inter­na­tionale Verein­ba­rungen, wie das Pariser Klima­schutz­ab­kommen von 2015 sowie neu einge­führte Prinzipien verant­wort­lichen Wirtschaftens, sind Basis für EU- oder nationale Strategien, Ziele und Gesetze. Besonders relevant für unser Geschäft ist etwa der Ansatz der „Erwei­terten Produkt­ver­ant­wortung“. Demnach sind Hersteller auch dann noch in der Pflicht, wenn ihre Produkte am Ende ihrer Nutzung zu Abfall werden. Die Pflicht bezieht sich vor allem auf die Rücknahme und Verwertung, aber enthält auch Vorgaben für die Entwicklung langle­biger Produkte und den Einsatz von Sekun­där­roh­stoffen bei der Herstellung. In Vorbe­reitung ist zudem das neue Verpa­ckungs­gesetz, das 2019 in Kraft treten wird – mit dem Ziel, Ressourcen einzu­sparen und Recycling­quoten weiter zu steigern. Im Hinblick auf das neue Gesetz beteiligt sich Tchibo derzeit gemeinsam mit weiteren Handels­un­ter­nehmen im Rahmen unserer Mitglied­schaft mit dem Handels­verband Deutschland (HDE) an der Erarbeitung eines Mindest­stan­dards, anhand dessen die Dualen Systeme recycling­ge­rechte Verpa­ckungen „belohnen“ sollen, denn dadurch entsteht ein größerer Anreiz für Unter­nehmen, ihre Verpa­ckungen umwelt­ge­rechter zu gestalten. Tchibo wird seine Verpa­ckungen auf Basis dieses Mindest­stan­dards weiter optimieren.

Auch die Richt­linie der Europäi­schen Union zur Reduktion des Plastik­tü­ten­ver­brauchs zielt auf den Klima- und Ressour­cen­schutz ab. Der deutsche Handel, darunter auch Tchibo, hat auf Basis dieser Richt­linie eine Selbst­ver­pflichtung gegenüber dem Bundesum­welt­mi­nis­terium zur Einführung einer Kosten­pflicht für Einweg­tra­ge­ta­schen aus Plastik abgegeben. Besondere gesell­schaft­liche Aufmerk­samkeit erhalten Umwelt­themen auch durch Kampagnen oder Initia­tiven der Zivil­ge­sell­schaft. Neben Plastik­tüten zählen insbe­sondere Textilien, Kaffee­kapseln und Coffee-to-go-Becher zu den Produkten bezie­hungs­weise Verpa­ckungen, bei denen die Frage nach der Verhält­nis­mä­ßigkeit des Ressour­cen­ver­brauchs gestellt wird. So gibt es zum Beispiel in immer mehr Kaffeebars, wie auch in den Tchibo Kaffee Bars, die Möglichkeit, mitge­brachte Mehrweg­becher befüllen zu lassen.

Heraus­for­de­rungen gezielt begegnen

Wir arbeiten proaktiv an Lösungen für diese und andere gesetz­liche bzw. gesell­schaft­liche Anfor­de­rungen, um einen wesent­lichen Beitrag zu mehr Klima- und Ressour­cen­schutz zu leisten. Die beson­deren Heraus­for­de­rungen liegen dabei unter anderem darin, in sämtlichen relevanten Phasen eines Produkt­le­bens­zyklus Mecha­nismen und Struk­turen für erhöhten Umwelt- und Klima­schutz zu etablieren: vom Design über die Herstellung und Auswahl der Rohstoffe, die Produk­ti­ons­pro­zesse bis zur Verpa­ckung und zur Rückführung von Abfällen in den Wertstoff­kreislauf.

Wir betei­ligen uns vor allem über Verbände wie den Handels­verband Deutschland an der gesell­schaft­lichen Debatte von Wirtschaft, Politik und Zivil­ge­sell­schaft zur nachhal­tig­keit­s­ori­en­tierten Weiter­ent­wicklung der Wirtschaft, um die besten Lösungs­an­sätze insbe­sondere für unter­neh­mens­über­grei­fende und globale Frage­stel­lungen wie Klima­schutz zu finden.

Wirkungs­voller Klima- und Ressour­cen­schutz

Wir verringern syste­ma­tisch CO₂-Emissionen, um den Klima­schutz zu verstärken. Dafür gestalten wir unsere Prozesse so energie­ef­fi­zient und emissi­onsarm wie möglich. Wir setzen bei den Ursachen an und engagieren uns insbe­sondere in den Handlungs­feldern mit den größten Wirkungen und Einfluss­mög­lich­keiten: beim Transport und Versand unserer Produkte sowie an unseren Logistik­stand­orten. Richt­schnur unseres Handelns ist die Logistik-Roadmap 2020. Auf Basis der bis 2015 erreichten Ergeb­nisse haben wir uns im Rahmen dieser Roadmap weitere ambitio­nierte Klima­schutz­ziele gesetzt. Um zusätz­liche Einspar­po­ten­ziale zu ermitteln und umzusetzen, haben wir bei der CO₂-Bilan­zierung 2016 weitere Standorte und Prozesse in den Blick genommen.

Verpa­ckungen verur­sachen einen großen Anteil unseres Ressour­cen­be­darfs. Mit dem Ziel, unseren Rohstoff­ver­brauch konti­nu­ierlich zu verringern, setzen wir unsere 2015 weiter­ent­wi­ckelte Verpa­ckungs­richt­linie konse­quent um. Darin haben wir die bereits anspruchs­vollen Umweltan­for­de­rungen weiter erhöht und klare Leitlinien zur Vermeidung, Vermin­derung, Verwertung, Verbes­serung und Kompen­sation formu­liert. Hierar­chisch steht Vermeidung an erster und Kompen­sation an fünfter Stelle. Bei der Einführung neuer Verpa­ckungen oder der Optimierung beste­hender Verpa­ckungen orien­tieren wir unsere Entschei­dungs­findung stets an dieser Syste­matik, um eine möglichst umwelt­schonende Lösung zu finden – sowohl bei den Produkt- als auch bei den Versand- und Trans­port­ver­pa­ckungen. Zudem erhöhen wir konti­nu­ierlich den Einsatz von Recycling- und FSC®-zerti­fi­ziertem Papier. Im Rahmen unserer Closed-Loop-Strategie arbeiten wir daran, die Stoff­kreis­läufe unserer Produkte und Verpa­ckungen von Beginn an so zu gestalten, dass die enthal­tenen Wertstoffe nach Nutzungsende einer sinnvollen Wieder­ver­wertung zugeführt werden.

Einfluss­mög­lich­keiten durch Koope­ra­tionen steigern

Als einzelnes Unter­nehmen stoßen wir natürlich auch an die Grenzen unserer Einfluss­mög­lich­keiten. Syste­mi­schen und struk­turell bedingten Heraus­for­de­rungen können wir nur gemeinsam mit anderen Akteuren wirkungsvoll begegnen. Deshalb engagieren wir uns für unter­neh­mens­über­grei­fende Lösungen zum Schutz der Umwelt in Verbänden und Organi­sa­tionen, wie zum Beispiel in der Clean Cargo Working Group. Im Hinblick auf das geplante Verpa­ckungs­gesetz arbeiten wir aktiv in einem Exper­ten­kreis zur Entwicklung eines Mindest­stan­dards für Anreiz­systeme zur ökolo­gi­scheren Verpa­ckungs­ge­staltung mit.

Gemeinsam mit 51 anderen deutschen Unter­nehmen und Verbänden haben wir im November 2017 einen Appell an die künftige Bundes­re­gierung unter­zeichnet, der von der Stiftung 2° (Deutsche Unter­nehmer für Klima­schutz), German­watch e. V. und B.A.U.M. e. V. koordi­niert wurde.  Mit diesem Appell fordern wir gemeinsam die Bundes­re­gierung dazu auf, die Energie­wende und eine klimaf­reund­liche Mobili­täts­s­tra­tegie zu fördern, den Klima­schutzplan zu bestä­tigen und den Emissi­ons­handel in der neuen Legis­la­tur­pe­riode weiter­zu­ent­wi­ckeln.

Verbind­liche Basis: Umwelt­schutz in allen Prozessen verankert

Wir bauen unsere Aktivi­täten auf einem starken Fundament stetig weiter aus: Umwelt- und Klima­schutz sind zentraler Bestandteil unserer Geschäftss­tra­tegie und fest in der Tchibo DNA verankert. „Wir übernehmen Verant­wortung für die ökolo­gi­schen und sozialen Auswir­kungen unseres Handelns“ – dieser Grundsatz prägt unsere Arbeit in allen Geschäftspro­zessen. Der Tchibo Verhal­tens­kodex definiert zudem verbind­liche Regeln für umwelt­be­wusstes Verhalten der Mitar­beiter. Zur Steuerung der Umwelt­aus­wir­kungen unserer Verwal­tungs- und Lager­stand­orte orien­tieren wir uns an der Norm ISO 14001 und erfassen unsere wesent­lichen Verbräuche. Die Messung unserer Verbräuche dient als Basis, um unsere Energie-, Wasser-, Gas- und Papier­ver­bräuche zu reduzieren sowie Abfälle und CO₂-Emissionen unseres Fuhrparks und der Dienst­reisen zu minimieren. An unseren Produk­ti­ons­stand­orten (Röste­reien) in Deutschland haben wir zudem ein zerti­fi­ziertes Energie­ma­na­ge­ment­system nach ISO 50001. Darüber hinaus kommen weitere freiwillige Richt­linien zur Anwendung: ISO 14040 ff. für die Ökobi­lan­zierung relevanter Produkte und Liefer­ketten, ISO 14020 ff. für umwelt­be­zogene Kommu­ni­kation und ISO 16258 für die Bilan­zierung trans­port­be­dingter Emissionen sowie unsere selbst entwi­ckelte Verpa­ckungs­richt­linie. Sie enthält Infor­ma­tionen zum allge­meinen Vorgehen, Instru­menten und Leitsätzen.

Die Integration von Umwelta­spekten in die Geschäftstä­tigkeit wird in den verschie­denen Bereichen und Fachab­tei­lungen von Umwelt­ver­ant­wort­lichen übernommen. Mit ihnen werden jährlich umwelt­be­zogene Zielvor­gaben vereinbart. Abtei­lungs- und bereichs­über­grei­fende Aktivi­täten koordi­niert der Bereich Unter­neh­mens­ver­ant­wortung. Er stellt sicher, dass die einge­lei­teten Umwelt­maß­nahmen in den Geschäfts- und Fachbe­reichen mit der strate­gi­schen Zielsetzung sowie unter­ein­ander abgestimmt werden. Hierzu beobachtet und analy­siert der Bereich gesell­schaft­liche Trends, tages­ak­tuelle Themen und Geset­ze­si­ni­tia­tiven. Ziel ist es, möglichst frühzeitig auf neue Entwick­lungen einzu­gehen und diese mitzu­prägen.

Richt­schnur für nachhaltige Logistik: Roadmap 2020

Für die nachhaltige Gestaltung unserer Logis­tik­pro­zesse orien­tieren wir uns an der 2015 verab­schie­deten Roadmap 2020. Sie baut auf den bereits erreichten Zielen auf und führt den Weg zu einer 100 % nachhal­tigen Geschäftstä­tigkeit konse­quent fort. Mit der Roadmap haben wir uns klare Ziele für den Klima­schutz gesetzt, an deren Errei­chung wir konti­nu­ierlich arbeiten: die weitere Reduktion unserer CO₂-Emissionen beim Transport, in der Distri­bution und an den Lager­stand­orten.

Handlungs­rahmen für Ressour­cenef­fi­zienz: Verpa­ckungs­richt­linie

Unsere seit 2015 geltende Verpa­ckungs­richt­linie folgt der Maxime „vermeiden, vermindern, verwerten, verbessern und kompen­sieren“. Das heißt: Wir vermeiden oder reduzieren Einweg­becher, Einweg­tüten und Papier­ab­fälle. Wir reduzieren den Papier- und Karto­na­gen­einsatz und decken den verblei­benden Bedarf aus zerti­fi­ziert verant­wort­licher Forst­wirt­schaft und Recycling­ma­te­rialien. Wir entwi­ckeln Lösungen, sodass unsere Verpa­ckungen nach dem Gebrauch durch Recycling bezie­hungs­weise Verwertung wieder in den Rohstoff­kreislauf zurück­ge­führt werden können.

Synergien nutzen: Selbst­ver­pflich­tungen

Indem wir uns freiwil­ligen Verpflich­tungen anschließen, schaffen wir einen klaren Rahmen für umwelt­freund­liches Handeln im Unter­nehmen und weiten gleich­zeitig unser Engagement aus. Wir haben uns den Selbst­ver­pflich­tungen des Handels in Deutschland und Öster­reich angeschlossen, in unseren Tchibo Filialen keine Plastik­tüten mehr gratis an die Kunden abzugeben und so die Zahl der ausge­ge­benen Einweg­tra­ge­ta­schen zu reduzieren. Als Mitglied in der Initiative Biodi­versity in Good Company arbeiten wir mit anderen Unter­nehmen der Branchen gemeinsam an Lösungen zum Erhalt der weltweiten Biodi­ver­sität. In diesem Rahmen haben wir uns verpflichtet, die Auswir­kungen unserer Geschäftstä­tigkeit auf die biolo­gische Vielfalt zu analy­sieren und den Schutz der biolo­gi­schen Vielfalt sowie die nachhaltige Rohstoff­nutzung in das Umwelt­ma­na­ge­ment aufzu­nehmen.

Fortschritte im Blick: konti­nu­ier­liche Überprüfung

Je nach Maßnahme bilden wir geeignete Kennzahlen, die regel­mäßig im Rahmen unseres Monito­rings kontrol­liert und bewertet werden – beispiels­weise zum Strom­ver­brauch in unseren Röste­reien. Darüber hinaus werden sorti­ments­be­zogene Kennzahlen jährlich durch Audits geprüft. Anhand der Ergeb­nisse der letzten Evalu­ie­rungen entwi­ckeln wir im Bereich Logistik die Roadmap 2020 weiter, erheben an zusätz­lichen Stand­orten Verbräuche und Emissionen mit dem Ziel, sie zu reduzieren. Zudem nutzen wir eine verbes­serte Berech­nungs­logik in der CO₂-Bilanz, um noch genauere Messer­geb­nisse zu erhalten.