NACHHALTIGKEITSBERICHT2017

Energie und Emissionen reduzieren

Vom Rösten unseres Kaffees über die Beleuchtung in unseren Distri­bu­ti­ons­zentren oder die Verpa­ckung der Tchibo Produkte bis hin zum Versand zum Kunden – Energie ist in unserem Geschäft unver­zichtbar. Um ihren Verbrauch dennoch so gering wie möglich zu halten, identi­fi­zieren und reduzieren wir den Einsatz aller verzicht­baren Energie zugunsten des Klima­schutzes konse­quent und an allen Stand­orten.

Reduk­ti­ons­po­ten­ziale erkennen und umsetzen

Sämtliche CO₂-Emissionen im Transport erfassen, bilan­zieren und analy­sieren wir seit 2006 im Rahmen unseres Klima­schutz­pro­gramms LOTOS (Logistics towards Sustaina­bility), das wir gemeinsam mit der TU Hamburg und dem deutschen Bundesum­welt­mi­nis­terium (BMU) entwi­ckelt haben. Ziele des Programms sind die stetige Verbes­serung der Bilan­zie­rungs­me­thodik sowie die Identi­fi­zierung von weiteren Reduk­ti­ons­po­ten­zialen. 2013 erhielten wir dafür den Nachhal­tig­keits­preis der beiden Verbände Bundes­ver­ei­nigung Logistik (BVL) Öster­reich und Deutschland. Auch unsere Bilan­zie­rungs­me­thode konnten wir in diesem Zuge verbessern – und haben sie 2013 und 2014 erstmals nach der CEN (Comité Européen de Norma­li­sation)-Norm DIN EN 16258 durch­ge­führt und durch externe Experten überprüfen lassen. Als Mitglied der Clean Cargo Working Group erhalten wir zusätzlich immer genauere und damit wichtige Daten für die jeweils von uns genutzten Seeschiffs­ver­bin­dungen, auf deren Basis wir auch die Umwelt­leis­tungen verschie­dener Reede­reien vergleichen können.

Nach der erfolg­reichen Imple­men­tierung des Klima­schutz­pro­gramms LOTOS 2006 baut die Ende 2015 verab­schiedete Roadmap 2020 auf den bis dahin erreichten Zielen auf, steigert jedoch gleich­zeitig den Anspruch. Vor dem klar definierten Ziel einer umwelt­freund­li­cheren Ausrichtung des gesamten Logis­tik­pro­zesses bis zum Jahr 2020 sieht die Roadmap die relative Reduktion der trans­port­be­dingten CO₂-Emissionen um 40 % im Vergleich zu 2006 vor. Das LOTOS-Ziel einer 30%igen Reduktion der absoluten CO₂-Emissionen konnten wir schon 2012 erreichen. Die absolute Menge der trans­port­be­dingten CO₂-Emissionen ging bereits 2015 gegenüber 2006 um über 50 % zurück, auch durch Änderungen in unserer Sourcingstruktur.

Im Vergleich zum Basisjahr 2006 konnten wir im Jahr 2017 die trans­port­be­dingten CO₂-Emissionen relativ nur um rund 21 % reduzieren. Im Ergebnis weist die Bilanz mit 15,68 CO₂e pro Tonnen­ki­lo­meter einen Anstieg gegenüber 2016 auf. Dieser Anstieg ist vor allem dadurch begründet, dass der emissi­ons­starke Trans­port per Luftfracht vorüber­gehend ausgebaut werden musste – aufgrund einer Prozes­s­um­stellung in der Beschaf­fungs­lo­gistik des Non Food-Bereichs.

Die relativen Emissionen an den Lager­stand­orten Gallin und Neumarkt wollen wir bis 2020 um 15 % und die Karto­nagen- und Papier­ver­bräuche in der B2B- und B2C-Belie­ferung um 30 % pro Verkaufs­einheit gegenüber 2014 reduzieren. 

Emissi­onsarme Trans­port­mittel nutzen

Wir setzen bei den Trans­port­mitteln auf die CO₂-effiziente Seeschiff­fahrt, über 90 % der Waren­be­wegungen werden über den Wasserweg abgewi­ckelt. Ab Bremer­haven werden angelie­ferte Non Food-Artikel bevorzugt per Binnen­schiff statt mit LKW trans­por­tiert. Zudem nutzen wir, wann immer es möglich ist, den Schie­nen­verkehr. Die optimale Beladung und Auslastung von Containern und LKW sowie ein effizi­entes Routen­ma­na­gement zählen ebenso zu den Maßnahmen, durch die wir CO₂-Emissionen verringern.

Dem Einsatz möglichst emissi­ons­armer Trans­port­mittel wirken vorüber­gehend notwendige Prozessan­pas­sungen im Non Food-Bereich und der damit einher­ge­hende verspätete Einkauf entgegen. Um im Zuge dessen die Produk­ti­onszeit für die Fabriken nicht zu verkürzen und keinen unnötigen Druck aufzu­bauen, kam es 2016 und 2017 zu mehr Luftfracht­trans­porten. Durch eine Optimierung der verän­derten Einkaufspro­zesse arbeiten wir aber derzeit daran, den Luftfrachtanteil wieder zu senken.

Die Belie­ferung unserer Filialen bündeln wir über einen Dienst­leister. Somit sparen wir Kilometer und CO₂-Emissionen ein. Zudem verzichten wir auf unnötige Zwischen­lager sowie Trans­porte und setzen auf direkte Lieferwege zwischen Röste­reien und Distri­bu­ti­ons­zentren. Waren­mengen steuern wir in der Distri­bution gezielt in Richtung der Verkaufspunkte, etwa durch ein innova­tives Fließ­band­system, und sorgen dadurch für mehr Effizienz bei weniger Emissionen.

Um im Transport weitere Möglich­keiten für den Klima­schutz zu generieren, testen wir neue Trans­port­mittel und -wege, so etwa den Schienen­transport von China nach Bremen oder den Transport per Lang-LKW zwischen den Distri­bu­ti­ons­zentren Bremen und Gallin. Auf dieser Strecke ist es bisher nicht gelungen, eine geeignete Bahnver­bindung zu etablieren. Zudem haben wir ein Tool entwi­ckelt, um Umwelta­spekte auch in den Ausschrei­bungen für Trans­port­dienst­leis­tungen zu berück­sich­tigen. Dieses wird derzeit ebenfalls getestet.

Röste­reien: Energie­ef­fi­zienz steigern

Das Rösten des Kaffees verbraucht sehr viel Energie und steht damit im Fokus unseres Energie- und CO₂-Manage­ments. Wir wollen die Energie­ef­fi­zienz in unseren Röste­reien erhöhen und damit zugleich die CO₂-Emissionen reduzieren.

Bereits 2013 haben wir deshalb ein Energie­ma­na­ge­ment­system gemäß DIN ISO 50001 in unseren beiden Röste­reien in Hamburg und Berlin einge­führt und so den spezi­fi­schen Energie­ver­brauch seitdem um mindestens 1,5 % jährlich reduziert. 2016 wurde das Energie­ma­na­ge­ment­system erfolg­reich nach ISO 50001 rezer­ti­fi­ziert und die Röste­reien konnten im Vergleich zum Vorjahr eine Energie­ein­sparung um 1,7 % bezogen auf die Röstkaf­fee­pro­duk­ti­ons­menge verbuchen. 2017 konnten die Tchibo Kaffeerös­te­reien in Berlin und Hamburg ihr Energie­ein­sparziel nicht erreichen und verzeich­neten eine Steigerung des auf die Tonne Röstkaffee bezogenen Energie­ver­brauchs um 0,4 %. Gründe dafür sind Vorgaben der Umwelt­be­hörde, die zu Erhöhungen der Kataly­sa­tor­tem­pe­ra­turen bei mehreren Kaffeeröstern führten, sowie die Inbetrieb­nahme eines neuen Rösters, der in der Einfahr­phase mehr Energie verbrauchte. 

Nachdem wir die Ergeb­nisse 2014 analy­siert und bewertet haben, um die Prozesse weiter zu optimieren, haben wir die Brenner im Kaffeeröstwerk Berlin 2015 umgebaut und konnten so 2016 Heizgas einsparen. Im Werk Hamburg haben wir Ende 2016 zudem einen neuen Trommel­röster instal­liert, der – anders als marktüb­liche Röster – die Nutzung nur eines statt zweier Brenner erfordert.  Das im Jahr 2016 im Berliner Werk in Betrieb genommene Energie­mo­ni­toring­system haben wir 2017 wieder abgeschaltet, da das System unsere Anfor­de­rungen nicht erfüllte. Für 2018 ist der Aufbau einer komplett neuen Software geplant.

Um die Energie­ef­fi­zienz schritt­weise um ca. 5–10 % absolut bis 2020 zu steigern, startete Tchibo 2017 ein Großprojekt: 50 % der im Werk Hamburg betrie­benen Kaffeeröster werden gegen deutlich energie­ef­fi­zi­entere Maschinen ausge­tauscht. Insgesamt haben wir uns das Ziel gesetzt, bis 2020 die spezi­fi­schen CO₂-Emissionen pro Tonne Röstkaffee um weitere 1,5 % zu reduzieren.

Verwaltung, Lager und Filialen: Strom aus erneu­er­barer Energie

Erneu­erbare Energien und Energie­ef­fi­zienz werden bei uns großge­schrieben und wir bemühen uns, in jeder Hinsicht umwelt- und klima­be­wusst zu agieren. So werden unsere Standorte in Deutschland seit Jahren mit „ok-power“-zerti­fi­ziertem Strom aus 100 % erneu­er­baren Energie­quellen versorgt. Das gilt für die beiden Röste­reien Hamburg und Berlin, die Distri­bu­ti­ons­zentren in Gallin und Neumarkt, die Unter­neh­mens­zen­trale in Hamburg und alle Tchibo Filialen in Deutschland, für die wir den Strom selbst einkaufen. Seit Januar 2016 beziehen wir diesen Strom über den Ökostro­man­bieter ENTEGA.

In unserem Distri­bu­ti­ons­zentrum in Gallin haben wir 2017 einen Prozess zur Energie­ein­sparung gestartet, den wir konti­nu­ierlich fortführen werden. So haben wir ein Energie­ma­na­ge­ment­system imple­men­tiert und Heizungs­rohre im Waren­ausgang gedämmt. Darüber hinaus wurde die Beleuchtung in vielen Bereichen auf LED umgestellt. Auch am Standort Neumarkt haben wir Ende 2017 mit der Umrüstung auf LED-Beleuchtung begonnen.

Da diese Energie­ef­fi­zi­enz­maß­nahmen mit einem Anstieg der Lager­leistung einher­gingen, lagen die Energie­be­darfe und CO₂-Emissionen in den Distri­bu­ti­ons­zentren dennoch auf dem Niveau des Vorjahres. Dass die relativen Kennzahlen trotzdem auf eine CO₂-Reduktion im Verhältnis zum Gebäu­de­vo­lumen hindeuten, ist darauf zurück­zu­führen, dass wir unsere Waren­lager Isern­hagen und Minden sowie Senec in Tsche­chien in unser Energie­ma­na­ge­ment­system einbe­zogen haben und diese Standorte über wenig automa­ti­sierte Förder­technik verfügen. Im Rahmen der strate­gi­schen Weiter­ent­wicklung werden wir unsere Ziele und Kennzahlen in diesem Bereich neu festlegen.