NACHHALTIGKEITSBERICHT2017

Wertschöp­fungs­kette verant­wor­tungsvoll gestalten

Manage­men­t­ansatz: GRI 203; 301; 308; 407; 408; 409; 412; 413; 414

GRI 102-9; 308-2; 409-1; 412-3; 414-2

In wöchentlich wechselnden Themen­welten bieten wir unseren Kunden Gebrauchs­ar­tikel an, die sich durch Qualität und Vielfalt auszeichnen. Wir achten darauf, dass soziale und ökolo­gische Standards bei der Rohstoff­ge­winnung und in der Produktion einge­halten werden, und beziehen Nachhal­tig­keit­sa­spekte in das Produkt­design mit ein. Wir arbeiten daran, die Trans­parenz in unseren Wertschöp­fungs­ketten weiter zu erhöhen, um auch auf vorge­la­gerten Liefer­ket­ten­stufen Verbes­se­rungen zu bewirken. Globalen Heraus­for­de­rungen in der Liefer­kette, die wir nicht alleine lösen können, begegnen wir durch innovative Koope­ra­ti­ons­ansätze möglichst in branchen­weiten Initia­tiven. 

Seit 2006 ist Nachhal­tigkeit integraler Bestandteil der Tchibo Unter­neh­mens­stra­tegie. Auf dem Weg zu einer 100 % nachhal­tigen Geschäftstä­tigkeit weiten wir unser nachhal­tiges Gebrauchs­ar­ti­kel­sor­timent konti­nu­ierlich aus und imple­men­tieren soziale und ökolo­gische Standards in der Liefer­kette. Gemeinsam mit anderen Akteuren arbeiten wir in Initia­tiven zusammen, um Lösungs­an­sätze für die Heraus­for­de­rungen der Globa­li­sierung zu entwi­ckeln. Wir nehmen unsere Verant­wortung als werte­ori­en­tiertes Famili­en­un­ter­nehmen ernst und sind der Überzeugung, dass unter­neh­me­ri­scher Erfolg nicht zulasten von Mensch und Umwelt gehen darf. Mit Blick auf die nachfol­genden Genera­tionen sehen wir es zudem als Aufgabe von Unter­nehmen, ihren Beitrag zu einer menschen­wür­digen gesell­schaft­lichen Entwicklung sowie zum Erhalt der Umwelt zu leisten. 

Chancen und Heraus­for­de­rungen globaler Liefer­ketten 

Die Libera­li­sierung von Waren- und Finanz­strömen hat zu einer globalen Arbeits­teilung geführt, in der sich Länder auf ihre spezi­fi­schen Wettbe­werbs­vor­teile konzen­trieren. Tchibo bezieht einen Großteil seiner Textilien und sonstigen Gebrauchs­ar­tikel aus Asien und Osteuropa, wo in der Regel zu günsti­geren Preisen produ­ziert werden kann als in West- und Südeuropa bzw. viele Produkt­ka­te­gorien auch nur von dort bezogen werden können. Gleich­zeitig sieht sich Tchibo – wie andere Unter­nehmen auch – mit Risiko­fak­toren konfron­tiert. Dazu zählen die Missachtung von Arbeits- und Sozial­rechten sowie von Umwelt­stan­dards. Wir sind überzeugt: Die inter­na­tionale Arbeits­teilung kann für alle Chancen eröffnen, wenn Mensch und Umwelt mitbe­dacht und im Handeln berück­sichtigt werden. Wir engagieren uns deshalb für eine nachhaltige Gestaltung der Wertschöp­fungs­ketten unserer Gebrauchs­ar­tikel.

Der Anbau und die Verar­beitung von Rohstoffen wie Baumwolle und Holz haben Auswir­kungen auf Mensch und Umwelt: Für den Anbau von Baumwolle werden beispiels­weise große Mengen von Wasser benötigt sowie chemische Pflan­zen­schutz- und Dünge­mittel auf die Baumwoll­felder und Waldflächen aufge­bracht. Auch die Weiter­ver­ar­beitung der Rohstoffe geschieht häufig ohne ausrei­chende Beachtung von Umwelt- und Sozial­stan­dards. Tchibo ist sich dieser Proble­matik bewusst. Als verant­wor­tungsvoll handelndes Unter­nehmen reduzieren wir deshalb konti­nu­ierlich die negativen Auswir­kungen unserer Geschäftstä­tigkeit auf Mensch, Umwelt und Gesell­schaft. Dazu zählt, dass wir soziale Standards in der Liefer­kette imple­men­tieren, wie beispiels­weise Maßnahmen zum Arbeits- und Gesund­heits­schutz, ebenso wie ökolo­gische Standards, zum Beispiel den Ressour­cen­schutz und das Chemi­ka­li­en­ma­na­gement. Unsere Wertschöp­fungs­ketten nachhaltig zu gestalten, bedeutet auch den Ausbau nachhal­tiger Sorti­mente und die Förderung des nachhal­tigen Konsums. Indem wir etwa die Nachfrage nach nachhaltig angebauter Baumwolle steigern, fördern wir gleich­zeitig auch die nachhaltige Landwirt­schaft. Wenn wir unseren Kunden einen nachhal­tigen Konsum ermög­lichen, leisten wir damit auch einen Beitrag zur Steigerung des nachhal­tigen Wachstums.

Schwer­punkte unserer Maßnahmen auf dem Weg zu einer 100 % nachhal­tigen Geschäftstä­tigkeit 

Wir entwi­ckeln die Arbeits­schwer­punkte in unserem Nachhal­tig­keits­ma­na­gement laufend weiter. Im Rahmen einer Wesent­lich­keits­analyse haben wir sie bereits 2012 gemeinsam mit unseren Stake­holdern für unsere Wertschöp­fungs­kette Gebrauchs­ar­tikel bewertet und abgebildet. Wir haben „Umwelt- und Sozial­stan­dards in der Liefer­kette“, „Ressour­cen­scho­nende Produkt­ge­staltung“ und „Quali­fi­zierung von Liefe­ranten“ als Themenschwer­punkte festgelegt.

Diese Schwer­punkte leiten uns bei der Entwicklung konkreter Ziele und Maßnahmen auf dem Weg zu einer 100 % nachhal­tigen Geschäftstä­tigkeit. Auch 2017 haben wir umfang­reiche und gezielte Stake­holder­dialoge und Stake­holder­befra­gungen durch­ge­führt, die in die Weiter­ent­wicklung unserer Themenschwer­punkte einfließen. So setzen wir im Bereich der Sozial­stan­dards den Fokus noch stärker auf Trans­parenz in den Liefer­ketten und auf Menschen­rechte, dies vor allem auch vor dem Hinter­grund der Leitprin­zipien für Wirtschaft und Menschen­rechte der Vereinten Nationen (UN Guiding Principles on Business and Human Rights), von deren Umsetzung im Rahmen des Natio­nalen Aktions­plans Wirtschaft und Menschen­rechte (NAP) und ihrer Entwick­lungs­ziele, der Sustainable Development Goals (SDGs), die wir als globale Rahmen­werke auch für unsere eigene Nachhal­tig­keit­sa­genda betrachten.

Besondere Aufmerk­samkeit widmen wir der nachhal­tigen Gestaltung unserer Wertschöp­fungs­ketten. Dabei ermög­licht uns unsere Unter­neh­mens­größe, deutliche Effekte zu erzielen. Auf dem Weg zu einer nachhal­tigen Geschäftstä­tigkeit gestalten wir Schritt für Schritt sämtliche Produkte und Prozesse umwelt- und sozial­ver­träglich. Wir konzen­trieren uns dabei auf die Bereiche, in denen unsere Auswir­kungen auf Mensch und Umwelt am größten sind und wo wir gleich­zeitig am meisten Einfluss nehmen können:  

  • verant­wor­tungs­volle Geschäftsprak­tiken
  • Rohstoffe und Materialien schritt­weise nur noch aus nachhal­tigen Quellen beziehen
  • Arbeits- und Umwelt­be­din­gungen an den Produk­ti­ons­stand­orten dauerhaft verbessern
  • struk­tu­relle Heraus­for­de­rungen durch branchen­über­grei­fende Allianzen angehen

Richt­linien und Prinzipien für unsere verant­wor­tungs­vollen Geschäftsprak­tiken 

Mit dem Ziel, unser Nachhal­tig­keits­ma­na­gement konti­nu­ierlich zu verbessern, orien­tieren wir uns an inter­na­tio­nalen Richt­linien, allen voran den Sustainable Development Goals (SDGs) als überge­ordnete­m Rahmen ­auf globaler Ebene, den Leitprin­zipien für Wirtschaft und Menschen­rechte der Vereinten Nationen (UN Guiding Principles­ on Business and Human Rights) für sozial verant­wort­liches Handeln in den Liefer­ketten, dem Natio­nalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschen­rechte (NAP), den Konven­tionen der Inter­na­tio­nalen Arbeits­or­ga­ni­sation (ILO) sowie den Grund­sätzen der nachhal­tigen Entwicklung auf Basis der Rio-Erklärung von 1992. Den recht­lichen Rahmen für die nachhaltige Gestaltung unserer Produkte und Prozesse bilden Vorschriften der EU (z. B. die Vorschriften zum Chemi­ka­li­en­ma­na­gement REACH) sowie Vorschriften des deutschen Gesetz­gebers (zum Beispiel Wertstoff- und Verpa­ckungs­gesetz oder das Lebens­mittel- und Bedarfs­ge­gen­stän­de­recht).

Auf dieser Basis haben wir folgende verbind­lichen Prinzipien formu­liert, die uns bei der Gestaltung von nachhal­tigen Wertschöp­fungs­ketten für Gebrauchs­ar­tikel leiten.

  • Dialog und Mitbe­stimmung: Wir binden in der Zusam­men­arbeit mit unseren Liefe­ranten sowohl deren Management (Top-down) als auch deren Beschäf­tigte (Bottom-up­) ein. Das macht alle Betei­ligten zu „Eigen­tümern“ der Prozesse und verbessert die Aussicht auf für alle akzep­table Lösungen.
  • Zielvor­gaben und Erfolgs­ori­en­tierung: Wir definieren anspruchs­volle, aber realis­tische Ziele in Bezug auf unsere Geschäftsprak­tiken, überprüfen Ergeb­nisse regel­mäßig und arbeiten an konti­nu­ier­lichen Verbes­se­rungen.
  • Verant­wortung im Tages­ge­schäft: Unsere opera­tiven Abtei­lungen wie etwa der Einkauf, das Quali­täts­ma­na­gement oder das Marketing sind für die Entwicklung und Umsetzung von Verän­de­rungs­maß­nahmen verant­wortlich. Wo nötig, füllt der Bereich Corporate Respon­si­bility eine initi­ie­rende, kokre­ie­rende und beglei­tende Funktion aus.
  • Offenheit und Lernbe­reit­schaft: Wir wollen nicht belehren, sondern hören unseren Stake­holdern zu, sprechen Probleme offen an, sind selbst­kri­tisch und lernen aus Fehlern. 

Soziale und ökolo­gische Standards als Mindest­an­for­derung 

Nachhal­tigkeit ist seit 2006 in die Unter­neh­mens­stra­tegie integriert und Bestandteil aller Geschäftspro­zesse. Der Tchibo Social and Environ­mental Code of­ Conduct (SCoC), den wir in Zusam­men­arbeit mit unseren Stake­holdern entwi­ckelt haben, bildet dafür die Grundlage. Er definiert Mindest­an­for­de­rungen an Arbeits­be­din­gungen sowie Umwelt­stan­dards in der Produktion unserer Gebrauchs­ar­tikel und ist Basis aller Einkaufs­verträge. Nachdem Tchibo 2006 den Social Code of­ Conduct entwi­ckelt hat, haben wir den Kodex 2011 um Umweltan­for­de­rungen erweitert. Mit Unter­zeichnung des SCoC­ verpflichten sich unsere Produ­zenten auf soziale und ökolo­gische Standards in den Produk­tions­stätten. Dazu gehören beispiels­weise Arbeits­schutz, das Verbot von Kinder­arbeit oder Diskri­mi­nierung, die Anerkennung von Gewerk­schafts­rechten und Maßnahmen zur Vermeidung negativer Umwelt­aus­wir­kungen.

2017 haben wir den SCoC erneut überar­beitet. Er enthält nun weitere Anfor­de­rungen im Umwelt­be­reich sowie Ergän­zungen, die durch unsere Selbst­ver­pflich­tungen im Rahmen des Global Framework Agree­ments mit der Dachge­werkschaft ­Indus­triALL­ Global Union, des Textil­bünd­nisses sowie in Bezug auf die SDGs notwendig wurden.

Engagiert in branchen­weiten Initia­tiven 

Für viele struk­tu­relle Heraus­for­de­rungen in den Wertschöp­fungs­ketten gibt es bisher keine fertigen Gesamt­lö­sungen, aber einige Stake­holder verfügen bereits über einzelne Teillö­sungen. Um diese zusam­men­zu­führen und mit gebün­delter Stärke Verän­de­rungen zu erreichen, braucht es den Zusam­menschluss aller relevanten Stake­holder zu Bündnissen. Deshalb arbeiten wir intensiv mit anderen Handels­un­ter­nehmen, Produ­zenten, Regie­rungen, Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tionen sowie Vertretern der Wissen­schaft und Gewerk­schaften zusammen und engagieren uns in branchen­weiten Allianzen, um Schritt für Schritt globale Lösungen zu imple­men­tieren. In der Koope­ration mit anderen Stake­holdern wollen wir neben Missständen, wie Diskri­mi­nierung oder Niedriglöhnen, die dahin­ter­ste­henden syste­mi­schen Ursachen deutlicher adres­sieren. Beispiele dafür sind unsere strate­gische Allianz mit der Deutschen Gesell­schaft für Inter­na­tionale Zusam­men­arbeit (GIZ) und der REWE Group sowie unsere Mitarbeit im Textil­bündnis.

  • Als erstes deutsches Handels­un­ter­nehmen hat Tchibo im September 2016 eine Rahmen­ver­ein­barung mit der inter­na­tio­nalen Dachge­werk­schaft Indus­triALL­ Global Union geschlossen. Beschäf­tigten und Gewerk­schaften in den Produk­ti­ons­stätten soll es ermög­licht werden, insbe­sondere Löhne und Sozial­leis­tungen mit Eigen­tümern und Management der Fabriken auszu­handeln. In der Initiative ACT (Action, Colla­boration­, Trans­for­mation)  setzen wir uns zudem gemein­schaftlich mit der Dachge­werk­schaft und anderen inter­na­tio­nalen Handels­un­ter­nehmen für existenz­si­chernde Löhne und indus­trie­weite Tarif­ver­hand­lungen zwischen gleich­be­rech­tigten Sozial­partnern in der globalen Beklei­dungs­branche ein.
  • Bereits 2012 hat Tchibo als zweites Unter­nehmen weltweit das Gebäu­de­si­cher­heits- und Brand­schutz­ab­kommen „Accord on Fire and Building Safety in Bangladesh“ unter­zeichnet und an dessen Verhandlung, Inkraft­treten, Verbes­serung und konti­nu­ier­licher Umsetzung mitge­wirkt. 2017 haben wir für drei Jahre ein Nachfol­ge­ab­kommen unter­zeichnet, das den Accord so lange weiter­führt, bis die Behörden in Bangla­desch die Arbeit übernehmen können.

  • 2015 sind wir dem Bündnis für nachhaltige Textilien, initiiert vom Bundes­mi­nis­terium für wirtschaft­liche Zusam­men­arbeit und Entwicklung (BMZ), beige­treten. Der Fokus des Bündnisses von Politik, Wirtschaft, Standard- und Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tionen, Gewerk­schaften, Wissen­schaft und anderen Stake­holdern liegt auf der Umsetzung von Umwelt- und Sozial­standards in den Produk­ti­ons­märkten der globalen textilen Liefer­kette. Im Rahmen unserer Mitglied­schaft setzen wir einer­seits unsere eigenen ­veröf­fentlichten Jahres­pläne­ um und unter­stützen zum anderen sowohl den Erfah­rungs­aus­tausch der Mitglieder als auch gemeinsame Initia­tiven in den Produk­ti­ons­märkten, die sogenannten Bündnis­i­ni­tia­tiven. Derzeit sind wir in zwei Bündnis­i­ni­tia­tiven aktiv: In einer Initiative engagieren wir uns für die syste­mi­sche Verbes­serung der Arbeits­be­din­gungen von Mädchen und jungen Frauen in den Spinne­reien und Textil­fa­briken im südin­di­schen Bundes­staat Tamil Nadu. In der zweiten Initiative­ widmen wir uns dem Chemi­kalien- und Umwelt­ma­nagement, diese Bündnis­i­ni­tiative baut auf unserer strate­gi­schen­ Allianz mit der Deutschen Gesell­schaft für Inter­na­tionale Zusam­men­arbeit (GIZ) und der REWE Group auf. Im Rahmen der Allianz wurde ein Trainings- und Quali­fi­zie­rungs­pro­gramm entwi­ckelt, das in Produk­ti­ons­stätten in China und Bangla­desch durch­ge­führt wird. Daran anknüpfend wollen wir mit der Bündnis­i­ni­tiative den Aufbau natio­naler Quali­fi­zie­rungs­struk­turen, auch in anderen Ländern, unter­stützen. Darüber hinaus hat sich Tchibo im Rahmen des Erfah­rungs­aus­tau­sches unter anderem an der Erstellung einer Broschüre für kleine und mittel­stän­dische Unter­nehmen zum Thema „Korrup­ti­ons­be­kämpfung in der Liefer­kette“ beteiligt.

  • Mit der Gesell­schaft für inter­na­tionale Zusam­men­arbeit (GIZ) arbeiten wir in Myanmar zudem im Projekt „Arbeits- und Sozial­stan­dards im Textil- und Beklei­dungs­sektor in Asien“ zusammen, um die Einhaltung von Menschen­rechten und Arbeits­normen bei unseren dortigen Kernlie­fe­ranten zu sichern.

  • Wir sind seit 2016 Mitglied der Multi-Stake­holder-Initiative „Organic Cotton Accele­rator­“, die 2014 ins Leben gerufen wurde. Mit Akteuren des inter­na­tio­nalen Baumwoll­sektors arbeiten wir daran, den Anbau von Bio-Baumwolle zu stärken und einen zukunfts­fä­higen Bio-Baumwoll-Markt aufzu­bauen.