NACHHALTIGKEITSBERICHT2017

Liebe Leser­innen und Leser,

wir leben in bewegten Zeiten. Unter­nehmen befinden sich – wie die gesamte Gesell­schaft – in einer sich verän­dernden Welt. Die Liste großer Megatrends ist lang und wird stetig umfang­reicher. Zu den bereits länger identi­fi­zierten Trends wie Globa­li­sierung, Klima­ver­än­de­rungen oder Urbani­sierung kamen in den letzten Jahren noch Entwick­lungen wie der rasante digitale Wandel oder Migra­ti­onss­tröme hinzu. Verän­de­rungen bestimmen nicht nur, womit wir uns ausein­an­der­setzen, sondern auch, wie wir arbeiten, kommu­ni­zieren, konsu­mieren und leben – und zwar weltweit.

Als inter­na­tio­nales Handels­un­ter­nehmen sind wir nicht nur von diesen Verän­de­rungen unmit­telbar betroffen, wir tragen auch Verant­wortung dafür, sie im Rahmen unserer Möglich­keiten positiv zu gestalten. Ihre enorme Dynamik begreifen wir als Motor, um Entwick­lungen voran­zu­treiben: mit innova­tiven Konzepten, in starken Allianzen und auf Basis globaler und natio­naler Leitlinien. Bereits 2009 haben wir uns zum Global Compact der Vereinten Nationen bekannt. Die Sustainable Development Goals (SDGs), die Leitprin­zipien für Wirtschaft und Menschen­rechte der Vereinten Nationen sowie der 2016 verab­schiedete Nationale Aktionsplan Wirtschaft und Menschen­rechte (NAP) sind für uns wichtige Eckpfeiler für eine nachhaltige und wirtschaft­liche Entwicklung.

In Zeiten des Wandels lassen sich neue Heraus­for­de­rungen nicht mit alten Rezepten meistern. Wir brauchen nicht nur den Mut, Missstände zu benennen und neue Lösungen zu entwi­ckeln – Unter­nehmen haben auch die gesell­schaft­liche Verpflichtung, Erkennt­nisse und Innova­tionen mitein­ander zu teilen. 

Als wir vor 10 Jahren erkannt haben, dass die Achtung der Menschen­rechte in der Liefer­kette unserer Gebrauchs­ar­tikel trotz etablierter und anerkannter Maßnahmen nur unzurei­chend gewähr­leistet wurde und kaum zu Verbes­se­rungen für die Menschen führte, haben wir uns für einen neuen Weg entschieden: Gemeinsam mit der GIZ (Gesell­schaft für inter­na­tionale Zusam­men­arbeit) entwi­ckelten wir ein Liefe­ran­ten­qua­li­fi­zie­rungs­pro­gramm, das auf den Dialog aller Betei­ligten – Manager, Beschäf­tigte und Tchibo Mitar­beiter – setzt. Mit dem Dialog­pro­gramm WE (Worldwide Enhan­cement of Social Quality) setzen wir uns dafür ein, dass Beschäf­tigte in den globalen Liefer­ketten nicht nur über ihre Rechte aufge­klärt, sondern bei der Einfor­derung dieser auch unter­stützt werden. Seit den ersten Trainings in chine­si­schen Produk­ti­ons­stätten haben wir nicht nur Erfah­rungen gesammelt und Erkennt­nisse gewonnen, sondern vor allem Menschen erreicht: Über 360 Fabriken und über 364.000 Beschäf­tigte in 11 Ländern waren bisher in das WE Programm einge­bunden, über 75 % der Tchibo Gebrauchs­ar­tikel werden in WE Fabriken gefertigt.

Wir sehen es als unsere Verant­wortung an, diese Verbes­se­rungen auf die gesamte Branche auszu­weiten und werden WE deshalb auch für andere Unter­nehmen öffnen. Denn je mehr die dem WE Programm zugrun­de­lie­genden Prinzipien Dialog, Empowerment und Co-Creation gelebt werden, umso mehr profi­tieren die Menschen in den Wertschöp­fungs­ketten davon.

Verant­wor­tungsvoll handeln – dafür wollen wir auch unsere Kunden begeistern, denn sie stehen im Mittel­punkt unseres Handelns. So bieten wir immer mehr nachhaltig herge­stellte Produkte an. Für unsere Premium-Kaffees verwenden wir zum Beispiel ausschließlich zerti­fi­zierte Rohkaf­fee­qua­li­täten, ebenso wie für unseren Cafissimo und Qbo Kapsel­kaffee. In unserem Gebrauchs­ar­ti­kel­sor­timent stammten 2017 rund 80 % der Baumwolle, die für unsere Beklei­dungs- und Heimtex­tilien verar­beitet wurde, aus nachhal­tigem Anbau. Weltweit sind wir der dritt­größte Anbieter von Textilien aus Bio-Baumwolle. Die konse­quente Fortführung der nachhal­tigen Sorti­ments­ge­staltung ist unser Closed-Loop-Konzept. Im Rahmen dieses Konzeptes stellen wir Produkte aus recycelten Materialien her, die lange genutzt und am Ende wieder einem hochwer­tigen Recycling zugeführt werden können.

2017 sind wir einen entschei­denden Schritt weiter­ge­gangen, um nachhal­tiges Handeln bei den Verbrau­chern zu fördern. Als erstes Unter­nehmen im Mainstre­am­markt haben wir einen Miets­ervice für Baby- und Kinder­kleidung aus Bio-Baumwolle einge­führt: Tchibo Share. Wir erleichtern unseren Kunden dadurch nicht nur den nachhal­tigen Konsum, wir gehen mit Tchibo Share auch den Weg des ganzheit­lichen Ansatzes zur möglichst langen Produkt­nutzung und anschlie­ßenden Verwertung konse­quent weiter.

Auf dem Weg zu einem 100 % nachhal­tigen Geschäfts­modell sind wir auch 2017 voran­ge­kommen – das verdanken wir maßgeblich unseren Mitar­beitern. Ihr Einsatz, ihre Energie und Kreati­vität sind der Kern unseres Erfolgs. Dafür möchte ich mich ganz herzlich bei ihnen bedanken.

Auch unseren Kunden möchte ich einen großen Dank dafür aussprechen, dass sie uns ihr Vertrauen schenken und mit ihren Kaufent­schei­dungen unseren Einsatz honorieren.

Über das Erreichte, zukünftige Maßnahmen sowie jüngste Entwick­lungen im Jahr 2018 berichten wir umfassend in diesem Nachhal­tig­keits­be­richt. Ich wünsche Ihnen eine infor­mative und inter­essante Lektüre und freue mich über Ihre Anregungen und Wünsche ebenso wie über konstruktive Kritik.

Ihr

Thomas Linemayr